7 Göttinnen Kritik: Bollywoods erstes Frauen-Buddy-Movie

Lida Bach 3. April 2016 0
7 Göttinnen Kritik: Bollywoods erstes Frauen-Buddy-Movie

Kali stecke in jeder von ihnen, sagt eine der Hauptfiguren des Ensemblefilm, der mit Thematik und Besetzung Indiens Kino-Konventionen aufbrechen will. Frieda (Sarah-Jane Dias) und ihre Freundinnen Joanna (Amrit Maghera), Madhurita (Anushka Manchanda), Zain (Arjun Mathur), Suranjana (Sandhya Mridul), Nargis (Tannishtha Chatterjee) und Pam (Pavleen Gujral) sind, wie der Originaltitel des als Regelbrecher bekannten Filmemachers Pa Nalin verkündet Angry Indian Goddesses.

Der mit Ram Sampaths Rock-Cover Kattey unterlegte Vorspann verspricht eine realistische Gegenerzählung zu den von Misogynie und Machismo geprägten Bollywood-Industrie. Womöglich ist es mit Blick auf deren Einfluss und die indische Behörde für Filmzensur (CBFC), dass der Regisseur und Drehbuchautor stattdessen einen Spagat zwischen menschenwürdigem Frauenbild und konservativer Travestie versucht. Was ein mutiger Schritt zu authentischen weiblichen Rollenbildern in Bollywood hätte werden können, endet als Pastiche aus den typischen Bestandteilen eines Mainstream-Films: Musik, Romantik, Familienkonflikte, Drama, Tragik und kriminalistische Spannung. Zu viel für die Handlung, deren Stimmung noch wechselhafter ist als die der Protagonistinnen. Sie verdanken jede Glaubhaftigkeit den Darstellerinnen, doch selbst deren temperamentvolles Spiel kann die Klischees in der Handlung und Figurenzeichnung nicht verdecken. Im malerischen Shabby-Chic-Haus der Fotografin Frieda treffen anlässlich ihrer Hochzeit die sechs Freundinnen ein, die ihr am meisten bedeuten. In kurzen Eiblicken in den Alltag der Frauen stellt Nalin klar, dass sie in seinen Augen bei aller Verschiedenheit ihre Selbstbestimmtheit gemeinsam haben. Chefs, Machos und Belästiger haben das Nachsehen – vorerst.

Nalin bezeichnet sein Werk als „feministischen Film“. Gemessen an der aufgeregten Reaktionen der Medien und Zensurbehörde sowie Hasstiraden von Kinogängern ist das Drama dies möglicherweise wirklich. Dabei ist das Frauenbild in 7 Göttinnen keineswegs sonderlich aufgeklärt. Die Hauptfiguren sind privilegiert in Status, Bildungsgrad, Vermögen und nicht zuletzt ihrem Aussehen, das die Kamera gern fokussiert. Nicht nur die ehemalige Miss Indien Sarah-Jane Dias, auch ihre Leinwand-Kolleginnen sehen aus wie Schönheitsköniginnen in Boho-Outfits. Die einzige Ausnahme ist bezeichnenderweise aus der Unterschicht, nämlich die Bedienstete Lakshmi (Rajshri Deshpande). Der Zeitvertreib der Clique beinhaltet Pflegerituale, Lästerrunden, Zank, Versöhnung und Schwärmerei über Friedas Brautkleid und den attraktiven Nachbarn. In den unglücklichsten Momenten erinnert das an die abschätzigen Frauen-Karikaturen in Filmen wie George Cukors „The Women“. Erhaben ist Nalin über einen sexualisierenden Blick auf seine Figuren nicht. Erst persifliert er einen Filmdreh, bei dem die aufstrebende Schauspielerin Joanna in einem Actionstreifen die hilflose Schöne spielen soll. Wenig später setzt Nalin Joanna beim sexy Tanz in nasser Kleidung in nahezu identischer Weise in Szene. Die Sexualität der Freundinnen wirkt nicht befreit, sondern wie ein Zugeständnis an ein potentielles männliches Publikum.

In Indiens Kinos mag 7 Göttinnen mit seinen zumindest ansatzweise wie echte Menschen wirkenden Heldinnen eine positive Ausnahme darstellen. Zugleich erinnert er jedoch unangenehm daran, wie verzerrt die patriarchalische Perspektive „Frauen-Geschichten“ selbst dann noch sieht, wenn sie sich schon für liberal hält. Die emotionalen Schocks der letzten Minuten plakatieren eine politische Aussagekraft, die dem Film fehlt. So bleibt nur die Hoffnung, die eine der Frauen ausspricht: „Vielleicht werden wir im nächsten Leben unsere eigenen Geschichten schreiben.“

OT: Angry Indian Goddesses

Regie: Pan Nalin

Produktionsland: Indien, Deutschland

Produktionsjahr: 2015

Verleih: NFP marketing & distribution

Länge: 115 min.

Kinostart: 02. Juni 2016

Beitragsbild (c) NFP marketing & distribution

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