American Heist (2015) – Kritik zum Bankraubfilm

Martin 9. September 2015 0
American Heist (2015) – Kritik zum Bankraubfilm

American Heist ist ein eigentümlicher Film in einem Genre, dessen Filme eine bestimmte Routine abspulen. Komplizen treffen, Plan machen, Bank knacken. Es sind aber auch die Umstände, die den Raub rahmen, ihm Sinn (oder Unsinn) geben und letztlich über Filmqualität entscheiden.

Wenn man sich dem Drehbuch zuwendet, wird einem vielleicht klar, warum der Film auch American Heist heißt: Weil er sich aus amerikanischem B-Movie-Script speist (?). Grundlage der Geschichte ist ein zwiegepaltenes Brüderpaar, aus dem Frankie Kelly (Adrien Brody) noch der faulere Apfel ist. Frankie, ein ewiger glück- und erfolgsloser Kleinkrimineller, kommt aus dem Bau und werkelt sogleich an dem nächsten Ding. James, seinen jüngeren Bruder (Hayden Christensen) verwickelt er dabei mehr oder weniger subtil in seine illegalen Aktivitäten. Er führt mittlerweile ein ehrliches Leben und möchte sich den Traum einer eigenen Autowerkstatt erfüllen. Er scheitert jedoch an Bänkern, die ihm kein Kleindarlehen geben. Der Film offenbart auch an anderen Stellen diese Kritik am Finanzsystem Amerikas und lässt einige der Charaktere den Bankraub als illegal-moralischen Faustschlag in die Magenkuhle des Kapitals rechtfertigen.

Die Figurenkonstellation der beiden Brüder scheint auf dem Papier wenig skurril, mutet aber durch das gesamte Drum und Dran sehr eigen an. Dies wird allein schon durch ihr Äußeres bzw. die verkörpenden Schauspieler offenbar. Frankie bemerkt zurecht: „Wen immer Mom gevögelt hat, du bist ihr gelungen“. Und natürlich sind sie sich auch charakterlich sehr unähnlich. Frankie ist hippelig, nervös, unsicher und im Gefängnis „gebrochen“ worden. James ist stoisch-ruhig, aber unter dieser Oberfläche brodelt das Hadern mit dem Schicksal, mit so einem Bruder „gesegnet“ worden zu sein. Wenn er nicht auch 10 Jahre gesessen hat, so wie Frankie, ist James dennoch gezeichnet. Das so beschriebene Szenario äußert sich dann vor allem im ersten Akt des Films in zahlreichen Tiraden von James, wie beschissen er seinen Bruder finde. Dies wird derart im Film forciert, dass man die negativen Gefühle nicht nur vermittelt bekommt, sondern (unfreiwillig) selbst negativ berührt wird.

Das bleibt nicht das einzige „Eigentümliche“, das ich anfangs erwähnt habe. Der Film wird immer wieder durch Momente und Stilmittel gebrochen, die ihm Homogenität oder Glaubwürdigkeit rauben. Wenn das Brüderpaar auf dem Weg zu einem Treffpunkt ist und im Hintergrund ein Lied schallt, das davon tönt, wie Farbige (mit dem N-Wort bezeichnet) in Discos unterwegs sind. Wenn Hayden Christensen in einer Szene Tränen die Wange herunterfließen und diese in der nächsten Einstellung verschwunden sind. Wenn aus dem heiteren Nichts ein CGI-Hubschrauber abgeschossen wird. Wenn eine bei der Polizei Arbeitende nach einer Woche mit ihrem Ex-Partner zusammenziehen möchte, der sie in der Vergangenheit schwer enttäuscht hat und bei dem einiges darauf hindeutet, dass er in illegale Machenschaften verwickelt ist (inklusive extrem aufgesetzter romantischer Szene im Regen).

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Mit den „Beschützern“ im Knast, die Frankie vor Schlimmerem bewahrt haben und denen er deshalb in Freiheit einen Gefallen schuldet, haben wir dann auch Enttäuschendes angesprochen. Denn diese Beschützer fungieren als Antagonisten des Films und bleiben über dessen gesamte Lauflänge äußerst blass. Der Zuschauer erfährt so gut wie nichts über sie. Entsprechend unspannend sind dann die Sequenzen, in denen die Kamera diesen Akteuren allein folgt.

Dies wird erst später im Film, während des Raubs realisiert. Auch an der wenig dynamischen Inszenierung dieses Kernstücks wird klar, dass American Heist als expliziter Tresorknackerfilm nicht wirklich funktioniert. Zum Glück gelingt jedoch irgendwann auch die Zusammenführung der Protagonisten, deren Darsteller anfangs nur wenig harmonieren. Daraus entwickelt der Film seine starke Seite. Die Tragik (aber auch ein Stück weit Komik) des Films lässt sich vor allem in der Figur von James und der Darstellung durch Adrian Brody finden. Und auch Bruder James macht eine interessante Wandlung durch.

Insofern steigert sich der Film zum Schluss, macht aber bei mir aufgrund seiner Schwächen nicht den ganz großen Reibach die Punktezahl betreffend.

American Heist, mit Adrien Brody und Hayden Christensen in den Hauptrollen, ist seit dem 08. September auf Blu-ray und DVD erhältlich.

Beitragsbild und Trailer: (c) Ascot Elite Home Entertainment

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