Ant-Man (2015) Kritik: Kleiner Held ganz groß?

Ralf 22. Juli 2015 2
Ant-Man (2015) Kritik: Kleiner Held ganz groß?

Heutzutage hat man ja das Gefühl, dass alles zu Gold wird, was von Marvel angefasst wird. Blockbuster wie Avengers 2 oder Guardians of the Galaxy lockten die Zuschauer scharenweise in die Kinos und ein Ende des ganzen „Wahnsinns“ um die Superheldenfilme ist auch noch nicht in Sicht. Doch bei Ant-Man (2015) schien es ein anderer Fall zu sein. In meinem gesamten Umfeld zeigte niemand viel Interesse an diesem Film- oder hatte zumindest keine hohen Erwartungen. Zu unspektakulär, ja fast schon lächerlich, sei der Held. Zu unbekannt, heißt es dann wieder von der anderen Seite. Aber wer kannte denn die Guardians davor? Meine Devise war deswegen, sich von diesem Film überraschen zu lassen. Was am Ende wirklich rausgekommen ist, das erfahrt ihr nun in der folgenden Kritik. Deutscher Kinostart von Ant-Man ist übrigens der 23.07.2015.

Held? Schurke? Etwas von beidem!

Die Story von Ant-Man weicht etwas vom üblichen Schema ab, das den Helden in das Rennen gegen eine globale oder zumindest nationale Gefahr schickt. Die Handlung um den schrumpfenden Streiter findet auf einer etwas kleineren Ebene (nein, kein Wortwitz!) statt und handelt auf einer persönlicheren Ebene. Ein Hauptakteur des Filmes ist Hank Pym (Michael Douglas), der mit den Pym-Partikeln einen Weg gefunden hat, die Dichte von Atomen zu manipulieren und damit seine eigene Körpergröße zu reduzieren. Durch dramatische Erfahrungen in der Vergangenheit und der Angst, dass seine Erfindung als Waffe missbraucht wird, hält er diese Erfindung jedoch vor der Öffentlichkeit versteckt. Viele Jahre später scheint es jedoch, dass sein ehemaliger Schützling Darren Cross (Corey Stoll) dem Geheimnis auf die Spur gekommen ist- und mit dem Yellowjacket-Anzug den Mini-Soldaten der Zukunft produzieren will. Pym möchte dies auf jeden Fall verhindern, kann jedoch altersbedingt nicht mehr in den Anzug des Ant-Man schlüpfen. Und bei der Suche nach einem Nachfolger wird er gerade beim reumütigen Dieb Scott Lang (Paul Rudd) fündig…..

An vielen Punkten wirkt die Handlung des Filmes eher wie ein Heist-Movie, der hier nun eben mit Superhelden stattfindet. Interessant ist die Entscheidung von Marvel, sich beim Charakter auf Scott Lang und nicht Hank Pym, den deutlich bekannteren Ant-Man und Comicerfinder von Ultron zu konzentieren. Die Natur von Lang als reformierter Langfinger gibt der ganzen Geschichte noch eine Prise Wiedergutmachung und Rehabilitation des Helden, welche ich persönlich als eine Erfrischung im Marvel Universum empfinde. Zugegeben, der Charakter des neuen Ant-Man ist nicht der tiefgehendste, allerdings muss man ihn irgendwie doch sympathisch finden. Passend dazu hat Lang auch noch seine Gang (kein absichtlicher Reim!) aus Mithelfern, die den Akteuren die Aura des Underdog-Teams gibt. Und wer mag bitte keine Underdogs?

Jedoch kann die durchaus nette Ansammlung an Chaoten nicht über die offensichtlichen Schwächen des Filmes hinweg täuschen. Die Handlung, wenngleich kurzweilig und unterhaltsam, ist oftmals stark vorhersehbar und könnte einige Klischees weniger vertragen. Hier hatte man deutlich das Gefühl, dass Marvel auf altbewährte Konzepte setzt und keine dramatischen Wendungen riskieren wollte- vielleicht wegen der geringen Bekanntheit des Titelhelden. Darüber hinaus ist der Schurke gähnend langweilig und absolut austauschbar. Natürlich sind wir inzwischen durch einige gute Schurken wie den Joker oder Loki verwöhnt, doch Yellowjacket hätte selbst im Jahre 2008 zum Start von Iron Man niemanden mehr vom Hocker gerissen. Mir persönlich tat Corey Stoll bei einigen Szenen leid, da er gezwungen war, diesen oberflächlichen und charakterlosen Schurken zu spielen.

Michael Douglas, die ruhende Säule

Leistungsträger des Filmes ist übrigens eindeutig Michael Douglas, daran besteht kein Zweifel. Paul Rudd spielt seine Rolle gut und überzeugend, das gestehe ich ihm. Sein Scott Lang ist eine glaubwürdige Mischung aus besorgtem Vater, übermütigem und arrogantem Dieb und Besserwisser mit großer Klappe. Eine interessante Kombination, aber irgendwie sympathisch. Auch Evangeline Lilly (in der Rolle von Pyms Tochter Hope) liefert eine solide Leistung ab, auch wenn ihre Rolle im Laufe des Filmes eher untergeht. Das Ende lässt jedoch auf etwas mehr Screentime von ihrer Seite in Zukunft hoffen.

Doch kommen wir zurück zur schauspielerischen Leistung von Michael Douglas. Die stärksten Momente des Filmes stammten allesamt aus Szenen mit Hank Pym, da entweder emotional berührende Aspekte beleuchtet wurden oder einfach die Dramatik am besten verdeutlicht wurde. Sicherlich, die Kämpfe und Actionszenen waren auch schön anzusehen, hinterließen aber nicht den meisten Eindruck. Das waren eher die Szenen, in denen Pym z.B. die Kontrolle über die Ameisen demonstriert hat, damit Scott Lang diese ebenfalls erlernt. Oder als die beiden Männer ein Gespräch über die persönlichen Tribute führen, die man als Ant-Man leisten muss. Michael Douglas gibt diesen Augenblicken mit seiner ruhigen, aber dennoch imposanten Darstellung zusätzliches Gewicht und war für mich das schauspielerische Highlight dieses Filmes.

Reichst du mir bitte ein Stück Zucker?

Kommen wir nun zum letzten besonderen Aspekt des Filmes- der visuellen Darstellung. Durch die besondere Fertigkeit des Helden nehmen wir viele Geschehnisse aus der Perspektive einer Ameise wahr, was zugegebenermaßen zu einigen originellen Bildern führt. Besonders die Trainingseinheiten mit dem Anzug haben mir sehr gut gefallen und vermittelten dem Zuschauer ein gutes Gefühl für die neue Sichtweise. Leider nutzen sich diese Effekte mit der Zeit zu schnell ab, sodass gerade zum Finale hin die Begeisterung nicht mehr so groß ist. Außerdem empfinde ich es wieder mal als ärgerlich, dass die besten Szenen des Filmes bereits im Trailer zu sehen sind und damit die Freude auf diese Aufnahmen getrübt haben. Meiner Meinung nach ist es übrigens auch nicht zwingend nötig, den Film in 3D zu sehen. Es gibt durchaus einige sehr coole Aufnahmen, besonders in der Miniaturwelt, die von diesem Effekt profitieren. Insgesamt gerechtfertigt das für mich aber nicht den Aufpreis, doch das ist eine persönliche Geschmacksfrage.

Die Verbündeten von Ant-Man, eben die namensgebenden Ameisen, sind übrigens eine nette Ergänzung des Filmes. Mir wirkten sie im Film zwar noch etwas zu künstlich, möglicherweise bin ich diese „Nähe“ zu den Insekten aber auch nicht gewohnt. Allerdings finde ich sie passend in die Handlung eingebunden und sie leisten auch ihren Beitrag bei der Erfüllung der Mission. Insgesamt geben sie dem ganzen Film noch eine etwas außergewöhnlichere Komponente und sind einfach eine nette Besonderheit. Und eine amüsantere Art, seinen Kaffee zu zuckern, kann ich mir spontan auch nicht vorstellen!

Fazit zu Ant-Man

Ant-Man ist bis jetzt sicherlich der „ungewöhnlichste“ Beitrag der Marvel-Filme, da er auf einer anderen Größenordnung stattfindet. Er bietet hierbei kurzweilige Unterhaltung, die jedoch leider unter einer vorhersehbaren Story und einem sehr schwachen Schurken leidet. Highlight ist dagegen die Leinwandpräsenz von Michael Douglas, der mit seiner Leistung einen großen Teil des schauspielerischen Charmes ausmacht. Erwartet also die gewohnte Unterhaltungskost von Marvel, aber keine filmische Offenbarung.

Ihr wollt einen ersten Eindruck? Hier findet ihr den deutschen Trailer zu Ant-Man!

Beitragsbild: (c) Marvel Studios

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  • Martin

    Mir hat der Film auch gut gefallen. Negativ aufgefallen ist mir am meisten der recht große Anteil von erklärendem Dialog („expository dialogue“) der Marke, „Am Anfang konnte ich dich nicht ausstehen, doch jetzt mag ich dich fast“. Das gibt dem Ganzen einen Kinderfilm-Anstrich, der so stark nicht hätte sein müssen. Die Innen- und Außenwirkung von Szenen auf Schrumpf- und normalem Niveau (besonders beim Endkampf) haben mir am besten gefallen und sorgten für die meisten Lacher.