„Bad Times at the El Royale“: Kritik zum Mystery-Hotel-Krimi

Lida Bach 7. Oktober 2018 0
„Bad Times at the El Royale“: Kritik zum Mystery-Hotel-Krimi

Drew Goddards papierenes Ensemble-Spiel wäre ein Meisterstück, besäße die Ausführung nur ansatzweise die Hingabe und Originalität des Szenenbilds. Der verblichene Glanz des titelgebenden Zwei-Saaten-Hotels wird zur Bühne eines blassen Grand Guignols, dessen oberflächliche Atmosphäre sich mehr aus der beständigen Andeutung unerzählter Geschichten speist denn aus den Erlebnissen der Protagonisten. Deren Vergangenheit steht kaum, dass sie angekommen sind, erwartungsgemäß vor ihren Suiten. Letzte sind Namensgeber der Akte, die jeder der eigenwilligen Gestalten eine Biografie mit ausreichend forcierter Dramatik für einen eigenen Film anhängen. 

Doch weder dient der narrative Ballast zur psychologischen Vertiefung der eigenwilligen Gestalten, noch akzentuiert er die bizarre Komik der überkonstruierten Ausgangssituation. Die Idee mit den Zimmernummer-Titelkarten wird fallen gelassen, als leide Goddard wie Pseudo-Priester Pater Flynn (Jeff Bridges) an Gedächtnisschwund. Halbgare Ideen und wackelige Handlungsbögen sind symptomatisch für eine Story, die mit ihrer furiosen Prämisse noch weniger anzufangen weiß als mit den schablonenhaften Figuren. Sie erinnern an ausrangierte Typenentwürfe eines Twin Peaks– oder Tarantino-Derivats auf der verzweifelten Suche nach einem passablen Plot.

Doch gerade der fehlt dem aufgebauschten Mix aus Krimi, Mystery und Episodendrama. Moralisch aufgeladene Motive und kontroverse Zeitbezügen werden sensationslüstern ausgebreitet und nie aufgearbeitet. Zum Spiel mit Zuschauererwartungen fehlt das Geschick, zu beckettscher Abstraktion der Mut. Die selbstverliebte Überlegenheit mindert den Unterhaltungswert des schundromanreifen Szenarios spürbar. Dafür glänzt das Ensemble, besonders Cynthia Ervio als glücklose Soul-Sängerin und Cailee Spaeny als Anhängerin von Chris Hemsworths Möchtegern-Manson. Statt des beabsichtigten spektakulären Abgesangs auf die Unschuld der Hippie-Ära wird der eingängige Soundtrack zum Grablied verschenkten kreativen Potenzials. 

Kinostart: 11.10.2018

Beitragsbild © Fox

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