„Barakah Meets Barakah“: Kritik des ersten Langfilms aus Saudi-Arabien bei der Berlinale

Nadine Emmerich 20. Februar 2016 0
„Barakah Meets Barakah“: Kritik des ersten Langfilms aus Saudi-Arabien bei der Berlinale

Im Berlinale-Programm wird „Barakah Meets Barakah“ als „romantische Komödie“ angekündigt. Das klingt, als wolle es der saudi-arabische Regisseur Mahmoud Sabbagh um jeden Preis vermeiden, mit seinem Film zuhause anzuecken. Und es klingt extrem unpolitisch. Doch das täuscht: „Barakah Meets Barakah“ ist zwar keine radikale Kritik am Heimatland, aber eine zum Teil doch recht explizite gesellschaftskritische Satire, die die konservativen Kräfte im Land wohl nicht beklatschen werden.

Viel Applaus gab es derweil bei der 66. Berlinale, wo Sabbaghs Produktion als erster Langfilm aus Saudi-Arabien in der Sektion Forum seine Weltpremiere feierte – und von vielen als Geheimtipp gehandelt wurde. „Barakah Meets Barakah“ zeigt einen Alltag, der nicht viel zu tun hat mit den Nachrichtenschlagzeilen, die unsere Wahrnehmung des streng islamischen Königsreichs prägen. Der 33-jährige Sabbagh – der äußerlich auch als junger Mann aus Berlin-Mitte durchgehen könnte – bringt seine Generation auf die Leinwand: Menschen, die „den öffentlichen Raum zurückhaben wollen“, sagt er.

Der ist für sie quasi tabu. Ein Treffen am Strand oder in einem Café – ein normales Date wo auch immer ist für junge Saudis ein fast unmögliches Unterfangen. Die Religionspolizei lauert überall – nicht sichtbar, aber spürbar. „Es ist das Big-Brother-Konzept“, sagt Sabbagh. Und so ist seine überdrehte Gesellschaftssatire zwar ein Kinofilm, der amüsieren will, in dem aber auch viel Wahrheit steckt. Auch der städtische Ordnungshüter Barakah, der sich in die rebellische und populäre Videobloggerin Bibi Harith (die eigentlich auch Barakah heißt) verknallt, hat zunächst keine Ahnung, wie er sich seiner Angebeteten nähern kann.

„Du kannst nicht superradikal sein“

Rund um die Planung des perfekten heimlichen Dates gibt es ein bisschen Klamauk um einen pinkfarbenen Push-up-BH, ein bisschen Eso-Zauber um die Fruchtbarkeitsprobleme von Bibis Adoptivmutter und ein paar Missverständnisse in der virtuellen Welt. Stichwort Social Media: Sabbagh zeigt auch, wie Facebook, Twitter, Instagram, Youtube und Co. für junge Leute in Saudi-Arabien zur Alternative zum verlorenen öffentlichen Raum werden. In Rückblenden auf eine frühere Zeit, in der es unverschleierte Frauen und Kinos gab, klagt er Väter und Großväter mit Blick auf die Gegenwart an: „Ich mache eure Generation dafür verantwortlich.“

Das kann man deutlich oder zaghaft nennen – der Regisseur, der in den USA Journalismus studierte und anschließend nach Jeddah zurückkehrte, hält es für das, was ihm möglich gewesen sei: „Du kannst nicht superradikal sein“, sagt er pragmatisch. „Ich darf die Zustimmung der Menschen nicht verlieren. Wenn du etwas bewirken und verändern willst, musst du Überschneidungen mit dem Mainstream haben.“ Er hofft, dass sein Film “provozieren und einen Dialog hervorrufen wird“.

Dafür muss „Barakah Meets Barakah“ derweil in die Kinos kommen – und in Saudi-Arabien gibt es kein einziges. Wer einen Film auf der großen Leinwand sehen will, muss nach Kuwait oder Bahrain fahren. Sabbagh setzt auf Verleihfirmen aus anderen Ländern im arabischen Raum und den in seiner Heimat stark ausgeprägten Video-on-Demand-Markt. „Die Leute gucken viele Filme“, sagt er – allerdings bisher vor allem US-Produktionen. „Wir wollen jedoch unsere eigenen Filme, wir wollen produzieren und nicht nur konsumieren.“

Kinostart: kein Starttermin in Deutschland

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