Blair Witch (2016): Kritik zum Sequel von Blair Witch Project

Lida Bach 4. Oktober 2016 0
Blair Witch (2016): Kritik zum Sequel von Blair Witch Project

Niemand kann all die Filme un-sehen, die seit The Blair Witch Projekt das Found-Footage-Genre erschöpft haben, oder die Innovation des Originals duplizieren.

Dass Regisseur Adam Winegard und Drehbuchautor Simon Barrett diesen Umstand ignorieren, ist der fatalste Fehler ihres in jeder Hinsicht überflüssigen Seuqels. Schon dieser Terminus ist irreführend, da der Plot im Grunde eine Wiederholung der bekannten Ereignisse des Originals ist. Was die beiden Filme unterscheidet, ist das Konzept von Atmosphäre und Figuren sowie der Umgang mit der eigenen Pseudo-Realität. Der Erfolg von Daniel Myricks und Eduardo Sánchez‘ filmischem One-Hit-Wonder basierte nicht zuletzt auf einer geschickt lancierten Werbekampagne. Sie ließ in den Köpfen der Zuschauer die Möglichkeit offen, dass, wenn nicht das Geschehen, dann zumindest der Mythos der Blair-Hexe und damit ein Stück des Horrors echt sei. Sehr real sind auch die Urängste, die der Plot evozierte, nämlich (über)natürlichen Kräften ausgeliefert im Wald herumzuirren. Das durchdachte Szenario verwirft Blair Witch ebenso wie der inszenatorische Fokus auf schleichende Suspense.

Der Nachfolger will erschrecken und das alle fünf Minuten lang. Die Jump-Scares wirken nervig bis albern und scheinen ein unfreiwilliger Beleg, dass die Story mit sechs Charakteren hoffnungslos überladen ist. Keiner der Protagonisten erhält genug Kontur, um Anteilnahme zu wecken. Die Sechs bleiben Leerstellen, deren Motive und Handlungen von Anfang an keinen Sinn ergeben. James (James Allen McCune) ist der jüngere Bruder von Heather, die in The Blair Witch Projekt verschwand. 17 Jahre später zieht er mit seinem besten Kumpel Peter (Brandon Scott), dessen Freundin Ashley (Corbin Reid) und Filmstudentin Lisa (Callie Hernandez) los, weil er glaubt, sie auf einem Online-Video erkannt zu haben. Woher weiß er, dass das Video kein Fake ist? Wieso hält er die schemenhafte Gestalt darauf für seine Schwester? Wie soll Heather all die Jahre unentdeckt im Wald überlebt haben? Egal, die Truppe bricht mit Hightech-Kamera-Ausrüstung auf, da Lisa die Suche für ein Projekt dokumentieren will. Verdammt viel kostspieliger Aufwand für eine gute Note? Egal, die Vier treffen die ortsansässigen Lane (Wes Robinson) und Talia (Valorie Curry), die das Video hochgeladen haben und mit auf Camping-Tour wollen.

Warum wollen sie das, obwohl beide an die Legende glauben und den Wald besonders nachts für gefährlich halten? Egal, von hier an wird eine Endlosschleife billiger Buh!-Momente abgespult. Walkie-Talkies knarzen, Äste schwingen und plötzlich steht einer aus der Gruppe ganz nah neben einem und guckt. Nach einem Streit trennen sich die vier Freunde von Lane und Talia, die allein zurückgehen sollen, während das Quartett seinen eigenen Weg zurückgeht. Was soll die riskante, kindische Aktion? Egal, denn fortan wird geschrien, gehetzt, auf Bäume geklettert, und es geht rein ins Hexenhaus, raus aus dem Hexenhaus und wieder rein. Eine eitrige Schnittwunde ist erst der Anfang der physischen Horroreffekte. Die bekannten Holzsymbole und Steinhaufen sind nur eine schale Reminiszenz an das überlegene Original. Trotz Terror und Tod vergisst keiner der Protagonisten, alles brav mitzufilmen und irgendwer hat die Aufnahmen aus einem Dutzend Kameras nach Auffindung sogar geschnitten. Wer? Egal, das wird eines Tages Blair Witch III beantworten.

OT: Blair Witch

Regie: Adam Winegard

Produktionsland: USA

Produktionsjahr: 2016

Verleih: 90 min.

Länge: StudioCanal Deutschland

Kinostart: 6. Oktober 2016

Beitragsbild (c) StudioCanal Deutschland

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