Filmkritik: Das letzte Testament (1983)

Florian Erbach 8. Dezember 2013 1

Was wäre wenn? Was wäre, wenn es im Zuge des Kalten Krieges tatsächlich zu einem „heißen Krieg“ gekommen wäre. Es ist wohl unstrittig, dass die Welt heute wohl sehr, sehr viel anders aussehen würde, wenn jemand auf den roten Knopf gedrückt hätte. Vor allem in den 80er-Jahren erschienen viele Filme, die einen möglichen Atomkrieg und seine Folgen thematisierten. Sie sprachen eine ganz reale Bedrohung an und was für uns heute vielleicht wie Fiktion anmutet, war ein durchaus realistisches Szenario. Der wohl bekannteste Film aus dieser Zeit ist „The Day After – Der Tag danach„, der 1983 erschien und auch heute noch furchteinflößend ist. Ebenfalls 1983 erschien mit „Das letzte Testament“ ein Familiendrama, welches merkwürdigerweise keinen solchen Ruhm wie The Day After erfuhr. Dabei steht Das letzte Testament – vor allem von der Atmosphäre her – seinen Genrevertretern in nichts nach. Doch eins nach dem anderen:

Der unsichtbare Tod

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Sekunden bevor sich das Leben der Familie Weatherly radikal ändern sollte

Ganz idyllisch erleben wir zu Beginn den Alltag der fiktiven Stadt Hamm, die sich ganz in der Nähe von San Francisco in Kalifornien befindet. Wir begleiten die Familie Weatherly bei ihren alltäglichen Dingen und lernen so die Hauptcharaktere kennen. Während Vater Tom auf Geschäftsreise ist, geschieht das Unfassbare. Das Fernsehprogramm wird unterbrochen und Berichte über Angriffe auf amerikanische Städte  folgen, ehe wenig später das Bild ausfällt und ein heller Blitz am Horizont die Familie zusammenkauern lässt. Was dann folgt, ist der Überlebenskampf der Familie Weatherly.

Während nicht genau klar ist, was geschehen ist und wie es außerhalb der Kleinstadt aussieht, wird zunächst versucht den Alltag und die Routine aufrechtzuerhalten. Die Müllabfuhr kommt noch, die Schule geht wieder weiter und doch ist alles anders. Tom ist noch nicht zurückgekehrt, der Strom geht nicht und allmählich wächst die Angst vor dem, was sich in der Luft und überall um sie herum befindet: Radioaktivität. Schnell werden die ersten Anzeichen des schleichenden Todes sichtbar und der Verfall – sowohl der Gemeindestruktur als auch der Menschen – beginnt.

Ein schlichtes und zugleich ergreifendes Drama

Das letzte Testament wurde praktisch in zwei Straßenzügen gedreht und kommt gänzlich ohne Spezialeffekte oder irgendwelche Trickeffekte aus. Man merkt dem Film sein Entstehungsjahr an und auch damals schon, wird das Budget eher im unteren Bereich angesiedelt gewesen sein. Dennoch ist Das letzte Testament zu jeder Zeit authentisch und weiß zu fesseln. Das liegt vor allem an der ständig latenten Bedrohung, die die Radioaktivität mit sich bringt. Aber auch der Fokus der Geschichte trägt seinen Teil zu einer beklemmenden und gleichzeitig fesselnden Atmosphäre bei. Denn der Film betrachtet die Geschehnisse in der Kleinstadt Hamm oft auch aus der Perspektive der Kinder der Familie Weatherly. Immer wieder wird auf sie zurückprojiziert und die schrecklichen Folgen eines Nuklearkrieges werden umso deutlicher.

Der Hauptfokus liegt aber auf Mutter Weatherly, die von Jane Alexander gespielt wird – und das hervorragend! Sicherlich hat sie nicht zu unrecht für ihre Leistung eine Oscar-Nominierung bekommen. Aber auch alle anderen Schauspieler, sei es der junge Lukas Haas (Inception, Contraband) oder der kurze Auftritt von Kevin Costner, wissen zu überzeugen. Vielleicht gibt es ein oder zwei Szenen, in denen so etwas wie „Over-Acting“ vorkommt und in denen die Handlungen der Akteure nicht ganz nachvollziehbar sind. Aber das ist unter Berücksichtigung des gesamten Filmes mehr als zu verschmerzen.

Einen Trailer gibt es nicht. Aber jemand hat sich die Mühe gemacht, einige Bilder des Films bei YouTube online zu stellen:

 

Fazit

Das letzte Testament ist ein schlichtes, sehr minimalistisches Drama, welches trotz – oder gerade wegen – seiner Effektarmut und der ruhigen Erzählweise mich vor den Bildschirm gebannt hat. Ein Familiendrama, welches ein Thema behandelt, was auch heute noch nichts von seinem Schrecken und Aktualität eingebüßt hat. Eine Art Mahnung, ein trauriger und aufwühlender Beitrag, der bewusst macht, dass die Menschheit sich am ehesten noch selbst vernichtet. 4/5

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