Die Verlegerin: Kritik zum neuen Film von Steven Spielberg

Christoph 18. Februar 2018 0
Die Verlegerin: Kritik zum neuen Film von Steven Spielberg

Der Vietnamkrieg hat bereits hohe Verluste gefordert und verschlingt Millionen Dollar auf der anderen Seite der Welt. In der Bevölkerung entwickelt sich die Erkenntnis, dass technische und finanzielle Überlegenheit einen Krieg nicht unbedingt schnell beenden kann. Um dem Konflikt in Vietnam zeitnah ein Ende zu setzen, werden 1971 noch mehr Soldaten vom amtierenden Präsidenten Richard Nixon entsendet. Der vorherige Außenminister Robert McNamara (Bruce Greenwood) gab eine Studie in Auftrag, die aufzeigen sollte, welche Entwicklungen dieser Krieg in der Indochina-Region mit sich brachte. Die Ergebnisse bewiesen, dass weder mehr Material noch mehr Soldaten ein schnelles Ende des Krieges herbeiführen werden. Die Studie wurde unter Verschluss gehalten und die öffentliche Stellungsnahme war eine völlig andere: Alles verläuft nach Plan. Daniel Ellsberg (Matthew Rhys) schmuggelte das umfangreiche Dokument, ca. 7.000 Seiten mit geheimen Daten über die Eskalation des Konflikts, aus dem Verteidigungsministerium. In die Geschichte gingen sie als „Pentagon Papers“ ein. Die US-Zeitung „The New York Times“ veröffentlichte Teile dieses Berichts und erhielt sofort ein Veröffentlichungsembargo auf Grund der möglichen „Gefährdung stationierter Soldaten durch geheime Informationen“.

Der Film „Die Verlegerin“ setzt in seiner Handlung das Hauptaugenmerk auf das Konkurrenzblatt „The Washington Post“ mit Tom Hanks („Sully“, „Captain Phillips“) als Chefredakteur Ben Bradlee und Meryl Streep („Die Eiserne Lady“, „Florence Foster Jenkins“)als Geschäftsführerin Kay Graham. Ben will diese Dokumente ebenfalls veröffentlichen, um den Staub des Regionalblatt-Images der „Post“ abzuschütteln. Kay hingegen hat erhebliche Probleme bei der Finanzierung des Unternehmens und versucht mit einem Börsengang liquide zu werden. Sich als Frau in dieser Männerdomaine des Nachrichten- und Verlagswesens durchzusetzen, ist in dieser Zeit fast unmöglich. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, die einen Krieg beenden und dadurch viele Menschenleben retten können.

Wie man in der Inhaltsanagabe merkt, nimmt Spielberg mit seinen beiden Drehbuchautoren Liz Hannah und Josh Singer nicht den augenscheinlich wichtigsten Teil dieser Geschichte heraus: Den Diebstahl der Dokumente und die Veröffentlichung in der New York Times. Nein, es geht in „Die Verlegerin“ um einen Nebenschauplatz, die Washington Post, die im Endeffekt jedoch eine Schlüsselrolle in diesem geschichtlichen Ereignis inne haben wird. Hier bieten sich auch viele interessante Parallelen zu unserer Gegenwart: Frauen in Führungspositionen, journalistische Objektivität, Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und die hässliche Wortschöpfung „Fake News“.  Da diese Geschichte mit vielen Personen und Fakten umfassend erklärt werden muss, bleiben der Unterhaltungswert und die Spannung für thematisch Uninteressierte auf der Strecke. Die qualitativ hoch besetzten Rollen helfen aber über diesen Kritikpunkt hinweg. Tom Hanks, der in kauzigem Amerikanisch den Laden am Laufen hält; Meryl Streep, die von Unsicherheit zerfressen, unfähig ist sich gegen die Anzugträger durchzusetzen bis hin zum tollpatschigen Bob Odenkirk („Better Call Saul“), der für die Wahrheit ins Gefängnis gehen würde.

Spielbergs Regiearbeiten („Lincoln“, „Indiana Jones-Filmreihe“) sind Mustervorlagen, wie Informationen visuell vermittelt werden ohne sich langweiliger Dialoge zu bedienen. Bei „Die Verlegerin“ gelingt es ihm nicht komplett ohne zu viel zu inszenieren. Eine Kamerafahrt über demonstrierende Hippies beispielsweise, wirkt dann doch zu sehr gestellt, mit ihren Sprechchören, Gesangsgruppen und weiteren Stereotypen auf engstem Raum. Was ihm aber hervorragend gelingt, ist uns Zuschauer im Kinosessel bei der geschehenden Ungerechtigkeit in Rage zu versetzen. Man möchte förmlich aufstehen und Kay zwingen sich endlich in ihrem Unternehmen zu behaupten und zu bestimmen, was getan werden soll. Wir erkennen, auch mit Hilfe der Rolle von Tom Hanks, dass es aus bestimmten Gründen für Kay unglaublich schwierig ist sich durchzusetzen. Mit diesem Unwohlsein gelingt das Filmende emotional umso besser. Die ausgezeichnete Filmmusik des bereits 86-Jährigen John Williams ist für Spielberg unverzichtbar. Sie lässt eine äußerst dichte und spannende Stimmung entstehen und das abseits seiner üblichen holzbläsernen Themen.

„Die Verlegerin“ ist ein spannendes Geschichtsdrama mit hoher Qualität in allen Produktionsbereichen. Für große Oscar-Gewinne wird es wohl nicht reichen, da viele die Thematik leider nicht interessieren wird. Aber das sollte sie, denn in einem Zeitalter, in dem jeder Informationen veröffentlichen kann, ist das Verlangen nach Qualität und Wahrheit umso wichtiger.

Kinostart ist der 22.02.2018

Die Verlegerin: Kritik zum neuen Film von Steven Spielberg
Date Published: 02/12/2018
4 / 5 stars

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