Fear the Walking Dead Staffel 1: Kritik zu Folge 5 „Kobalt“

Marie-Hélène Lefèvre 29. September 2015 1
Fear the Walking Dead Staffel 1: Kritik zu Folge 5 „Kobalt“

Die fünfte Folge bereitet das Finale vor: Daniel, Madison und Travis erfahren, was es mit Kobalt auf sich hat. Währenddessen erkundet Liza die Einrichtung, in welche Griselda und Nick gebracht wurden.

Der Schein trügt

Wie in Folge 4 bereits angedeutet wurde, treibt das Militär ein doppeltes Spiel. Die Soldaten geben vor, Madisons und Travis‘ Nachbarschaft vor Infizierten zu beschützen. Doch schon der harsche Umgang mit physisch und psychisch Beeinträchtigten lässt die Protagonisten misstrauisch werden. Zu Recht, wie sich in der aktuellen Folge herausstellt.
Travis versucht die heikle Situation noch einmal mit dem Befehlshaber der Zone, Lieutenant Moyers, zu besprechen, der ihn kurzerhand auf eine Patrouillenfahrt mitnimmt. Das Militärfahrzeug muss für einen Notfall stoppen und Travis wird Zeuge der Übermacht der Untoten. Zwischenzeitlich stellt Liza in der Einrichtung eigene Nachforschungen an. Sie will Griselda finden und entdeckt die Käfige, in welchen die vermeintlich kranken Bürger gehalten werden – darunter auch Nick. Sein Zellengenosse Victor erkennt, dass Nick ihm bei seinem Ausbruchsversuch von Nutzen sein kann. Deshalb verhindert er, dass er wegen seines Fiebers abtransportiert wird.
Ofelia will das Verschwinden ihrer Mutter nicht hinnehmen. Andrew, ein Soldat, der ihr sehr zugetan ist, begleitet sie zu ihrem Vater. Daniel sieht darin seine Chance: Er setzt Andrew gewaltsam im Keller fest und hört dessen Militärfunk ab. Dabei schnappt er das Wort Kobalt auf. Es handelt sich um ein Codewort für eine militärische Operation, die die Auslöschung aller Bewohner vorsieht. Wie können die Protagonisten diesem Schicksal entgehen?

Die Untoten machen sich rar

Nun ist klar, wie der Showdown in der kommenden, letzten Folge aussehen wird: Die Protagonisten müssen sich Kobalt entziehen und gleichzeitig den Untoten entgehen, die auch in dieser Folge fast nicht vertreten sind. Die wahre Bedrohung geht wieder einmal von den Menschen und ihren getroffenen Entscheidungen aus. Eine unheilvolle Entscheidung enthüllt Andrew während seines Verhörs: Bei einem früheren Einsatz kam es zu einer Massenpanik und die überforderten Soldaten sperrten die Menschenmenge in eine naheliegende Sporthalle ein. Am Ende der Folge nähert sich Daniel der Tür des Gebäudes, woraufhin die Untoten im Inneren an den Schlössern rütteln. Will er sich nur vergewissern oder plant er, sie freizulassen?
In Folge 5 erfährt der Zuschauer mehr über Daniels Charakter und Vergangenheit. Demnach wurde er in El Salvador als junger Mann vor die Entscheidung gestellt zu foltern oder selbst gefoltert zu werden. Um zu überleben, entschied er sich für Ersteres. In einem Gespräch mit Madison wird klar, dass ihm seine Entscheidungen nicht leicht gefallen sind und er durchaus mit sich hadert.
Auch Travis wird vor eine Probe gestellt: Auf der Patrouillenfahrt verlangt Moyers von ihm einen Untoten zu erschiessen. Der erklärte Waffengegner versucht es, kann jedoch nicht abdrücken. Als er wenig später Andrews Erklärungen zu Kobalt hört, ist ihm die traurige Gewissheit ins Gesicht geschrieben: Er, der bis zum Schluss am Glauben festhielt, dass die Armee ihnen helfen würde, muss erfahren, dass sie in Wahrheit den Auftrag hat alle Bewohner zu eliminieren. Die Erkenntnis wiegt schwer.

„Wir kehren zurück zu den alten Regeln“

In dieser neuen Welt gelten andere Regeln, unter anderem das Recht des Stärkeren. Friss oder werde gefressen – letzteres sogar wortwörtlich. Darüber hinaus scheint der Zweck nunmehr jedes Mittel zu heiligen: Madison möchte Daniel zunächst davon abbringen, Andrew zu foltern. Als dieser sie fragt, ob ihr Andrews Wohl oder das ihres Sohnes wichtiger sei, lässt sie ab. Mit Menschlichkeit, so die ernüchternde und alles überschattende Botschaft, kommt man in dieser neuen Weltordnung nicht weit.
Ähnlich sieht das auch Victor, der sich mit Nick und Doug, einem weiteren Bewohner des Viertels, in einem Käfig der Einrichtung befindet. Zunächst ist unklar, zu welcher Seite Victor gehört. Manipulativ, ja fast teuflisch, spricht er zum heillos überforderten Doug bis dieser vollends zusammenbricht. Erst danach wird klar, dass Victor kein Soldat, sondern selbst Gefangener ist. Er scheint jedoch nicht aus reiner Niedertracht zu handeln, denn wenig später setzt er sich für Nick ein und besticht den befehlshabenden Soldaten, um Nick bei sich zu behalten. Der neue, widersprüchliche Charakter ist eine interessante und vielversprechende Ergänzung für die bestehende Gruppe und wurde äußerst gut synchronisiert.

Über die Regie und Musik lässt sich in dieser Folge nichts Neues berichten. Regisseurin Kari Skogland setzte ihre Arbeit unauffällig in Folge 5 fort. Nennenswert neue Kameraeinstellungen, wie in Folge 4, bleiben aus. Kommende Woche könnte das anders aussehen: Das Staffelfinale wurde von Engländer Stefan Schwartz inszeniert. Wie Skogland ist auch Schwartz serienerprobert. So saß er bereits bei „The Walking Dead“, „Dexter“, „Luther“ und „The Americans“ auf dem Regiestuhl.
Die Erwartungen für die kommende Folge sind entsprechend hoch: Die Fans erwarten nicht nur eine Auflösung der dramaturgischen Fragen (Wie schaffen es Madison, Travis, Daniel und ihre Kinder den Gefahren zu entgehen?), sondern auch mehr Untote, die in den bisherigen Episoden nur spährlich vorkamen.

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