Filmkritik: A Single Man (2009)

Florian Erbach 31. Oktober 2013 1
Filmkritik: A Single Man (2009)
  • Story
  • Soundtrack
  • Bild und Setting
  • Genre: Drama

Phrasenalarm: Das Leben beinhaltet viele Höhen, aber auch genauso viele Tiefen. Dramen greifen dieses auf und zeigen oftmals in Symbiose, dass Schönheit und Vergänglichkeit, dass Freude und Trauer, sehr nah beieinanderliegen. Tom Ford wagt sich in dieses Genre. Das muss nicht außergewöhnlich sein, denn immerhin werden jedes Jahr viele Dramen veröffentlicht. Doch Tom Ford ist eigentlich ein erfolgreicher Modedesigner, der mit „A Single Man“ seinen ersten Film veröffentlichte. Eine Romanadaption des gleichnamigen Buches von Christopher Isherwood. Kann das gut gehen?

Ein Film mit Gespür für den Moment

Handlung: George Falconer (Colin Firth) ist Collegeprofessor in den 60er Jahren. Sein Alltag ist von Lethargie, Trauer und Weltfremdheit gekennzeichnet. Falconer ist homosexuell und er vermisst seine große Liebe, die tragisch ums Leben gekommen ist. Der Verlust seines langjährigen Partners ist lähmend. Es verzehrt ihn und raubt ihm den Verstand.

A Single Man spielt am 30. November 1962, einem scheinbar normalen Tag im Leben des Professor Falconer. Nach viele Anläufen scheint festzusehen: Es soll dieses Mal sein letzter Tag werden. Seine beste Freundin (Julianne Moore) und auch ein junger, unbekannter Student, scheinen seinen Plan durchkreuzen zu wollen. Kann Falconer seinen gefassten Entschluss in die Tat umsetzen?

a-single-manVon Tagträumen immer wieder unterbrochen, folgen wir Colin Firth durch den Tagesablauf von George Falconer. In beeindruckender Weise vermittelt Firth dabei die Niedergeschlagenheit von Falconer. Als Zuschauer werden wir immer wieder Zeuge von kleinen Momenten, die die Liebe zu seinem verstorbenen Freund fassbar machen. So dramatisch und abwegig der Wunsch des Selbstmordes auch ist, durch diese Szenen wird der von Falconer gefasste Entschluss nachvollziehbar. Ein merkwürdiges Gefühl.

Perfekte Bilder und Musik – vielleicht zu perfekt?

Nicht nur die Handlung, Inszenierung und die schauspielerische Leistung sind beeindruckend, sondern vor allem das gesamte Setting. Die Kulissen sind perfekt ausgearbeitet und vermitteln glaubhaft den filmischen Zeitrahmen der 60er-Jahre. Kritiker sprechen in diesem Zusammenhang davon, dass das Setting und die Szenen eher an einen stylischen Katalog erinnern, als an einen authentischen Filmschauplatz. Sicherlich ist diese Kritik nicht ganz von der Hand zu weisen, denn die Einrichtung und vor allem die Menschen, sind ausnahmslos geschmackvoll und schön anzusehen. Jedoch ist es diese ästhetische Note, die dem Film unter anderem zu etwas ganz Besonderem macht. Denn diese Ästhetik, die Dramaturgie und der hervorragende Colin Firth, sorgen für eine interessante und ganz eigenwillige filmische Komposition. Schön anzusehen – jedoch auch mit Tiefgang.

Die Hingabe zum Bild und das Gespür für den Moment wird auch besonders in den Nahaufnahmen und Slowmotions deutlich. Sei es die Fahrt mit dem Auto zur Arbeit oder das Auge der Sekretärin. Momente, an denen das Leben seine Schönheit und gleichzeitige Absurdität offenbart. „A Single Man“ ist zwar ein Drama, jedoch eigenartig lebensbejahend. Dieses „auf und ab“ kommt auch direkt in den Bildern zum Ausdruck. Denn sobald Colins Figur einen schönen Moment durchlebt, füllt sich das Bild und die Szenerie deutlich mit satterer Farbe, während der übrige Film eher in einem dunkleren, passiveren Ton gehalten ist. Eigentlich eine Kleinigkeit und doch voller Aussagekraft.

Ein paar Mal in meinem Leben habe ich Momente absoluter Klarheit erlebt. Für wenige Sekunden ertränkt dann die Stille den Lärm. Und ich fühle, anstatt zu denken. Die Dinge zeigen sich ganz scharf und die Welt scheint noch unverdorben. Es ist, als wäre alles gerade entstanden. […]

Für den Soundtrack zeichnet sich Abel Korzeniowski maßgeblich verantwortlich und es ist sicherlich fast überflüssig zu erwähnen, dass die Musik ebenfalls zum Gesamteindruck des Films passt. Die Schwermut, das Treiben in den Tag, die Freude und Schönheit können kaum besser untermalt werden.

Fazit:

Ein Film, der mir beim Schreiben dieser Worte eine Gänsehaut verpasst. „A Single Man“ ist ein beeindruckender Film, mit einem grandiosen Colin Firth, einer liebreizenden Julianne Moore und einem ebenfalls herausragenden Soundtrack. Ein bildgewaltiger Film, voller Poesie, Schönheit und Sinnlichkeit. Für mich ein perfekter Film – und seit der ersten Sichtung einer meiner Lieblingsfilme. 5/5

Filmkritik: A Single Man (2009)
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  • Max Christ

    Gerade nach 5 Jahren das zweite Mal gesehen: Volle Zustimmung. Was ein grandioses Stück Kunst. 5/5!