Filmkritik: Rosemary’s Baby (1968)

Florian Erbach 29. Dezember 2013 3
Filmkritik: Rosemary’s Baby (1968)

Bereits drei Jahre nach Ekel (1965) folgte mit Rosemaries Baby (1968) ein weiterer Film, der sich in die sogenannte Mieter-Trilogie von Roman Polanski einordnen lässt. Während „Ekel“ Polanski den Durchbruch in Amerika verschaffte und nicht zuletzt auch die Arbeit an Rosemaries Baby ermöglichte, schuf Polanski mit Rosemaries Baby (1968) einen absoluten Horror-Klassiker. Erneut führt uns Polanski in die vermeintlich geborgene Umgebung der eigenen Wohnung und zeigt uns ohne große Effekte, aber mit Gespür für eine spannungsreiche Inszenierung, den alltäglichen Horror zwischen Wahnsinn, Okkultismus und Hexerei.

Die perfekte Wohnung

Rosemarie (Mia Farrow) und ihr Ehemann Guy Woodhouse (John Cassavetes) finden im Bramford House in New York ihre absolute Traumwohnung. Nicht von der zwielichtigen Vergangenheit des Hauses abgeschreckt, unterschreiben sie den Mietvertrag. Schon bald lernen sie ihre Nachbarn kennen, die zwar neugierig, aber sehr nett erscheinen. Ein tragischer Zwischenfall trübt das positive Gesamtbild, doch Rosemarie wird schwanger und ihr bis dahin erfolgloser Mann kommt auf die Erfolgsspur. Doch so langsam beschleicht sie das Gefühl, dass etwas mit ihr, ihrem Umfeld und ihrem Baby nicht stimmt. Hin und her gerissen zwischen Vernunft, Vertrauen und Wahnsinn, muss Rosemarie sich die Frage stellen, ob ihr Umfeld oder sie verrückt ist.

Die perfekte Falle

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Rosemaries Baby greift ähnlich wie Ekel wieder die Verwundbarkeit der Hauptprotagonisten auf. Hier ist es Rosemarie, die sich allmählich fragt, was um sie herum geschieht und gleichzeitig doch immer wieder den Beschwichtigungen ihres Mannes und ihren Nachbarn vertraut. Es ist das Perfide, dass eigentlich der sicherste Ort, die eigene Wohnung, zum Hort des Bösen und des Wahnsinns wird. Rosemarie kann sich nicht wehren. Zum einen ist es das noch angestaubte Frauenbild der 60er-Jahre, welches ihr kaum zulässt, ihrem Mann und ihrer Umwelt zu widersprechen. Andererseits ist es aber auch die scheinbare Idylle, ihre Wunschschwangerschaft und die Abwegigkeit ihrer Gedanken. Kann es wirklich sein, dass das Haus und ihr Mann einen Komplott gegen sie geschmiedet haben? Welches Ziel soll dabei verfolgt werden?

Roman Polanski bedient sich bei Rosemaries Baby weniger dem vermeintlichen Wahnsinn der Hauptdarstellerin, sondern greift vielmehr Themen wie Okkultismus und Hexerei auf. Er verbindet das Verborgene, die der Großstadt geschuldete Anonymität, mit den Gruselgeschichten von Beschwörung und Übernatürlichen. Die Anonymität und Isolation ist bei Polanski ein zentrales Moment. Deutlich wird das auch an der Kamerafahrt am Anfang und am Ende des Films. Die Großstadt.

Sicherlich ist Rosemaries Baby nicht mehr so schockierend und furchteinflößend wie Ende der 60er-Jahre. Dennoch ist der Film bemerkenswert beklemmend und das auch, obwohl dem Zuschauer schon recht schnell klar ist, was in der Wohnung und um Rosemarie herum passiert. Polanski gelingt es ohne auch nur einen einzigen wirklichen Schockmoment, die ganze Zeit die Spannung aufrechtzuerhalten. Die Atmosphäre und die latente Bedrohung sind das Meisterstück von Roman Polanski. Nicht zuletzt ist es auch Mia Farrow die als Rosemarie zu überzeugen weiß. Allen voran steht aber Ruth Gordon (Minnie Castevet) als neugierige, unheimliche und überschwängliche Nachbarin. Mit ihrem Mimikspiel und ihrer unnachahmlichen Art hat sie den Oscar als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in Rosemaries Baby erhalten.

Fazit

Rosemaries Baby ist ein unheimlicher und spannungsgelader Klassiker des Horror-Genres. Während sich Roman Polanski bei Ekel noch eher dem Verschwimmen von Realität, Wahnsinn und Einbildung bedient, ist Rosemaries Baby weniger „kafkaesk“ und verlangt dem Zuschauer nicht so viel ab. Dennoch ist der Film stets beklemmend und weiß dank seiner gelungenen Atmosphäre zu jeder Zeit zu fesseln. Ein Meisterwerk des subtilen Grauens und der Spannung. 4/5

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