Game of Thrones Staffel 5 Folge 9 Kritik „The Dance of Dragons“

Ralf 8. Juni 2015 3
Game of Thrones Staffel 5 Folge 9 Kritik „The Dance of Dragons“

Game of Thrones hat schon früher mit schockierenden Momenten aufgewartet. Die rote Hochzeit ist das beste Beispiel dafür. Oder der Tod der Viper im Kampf gegen den Berg. Doch mich persönlich hat ein Tod dieser Folge stärker mitgenommen als die vorher genannten Ereignisse. Warum? Weil Staffel 5 von Game of Thrones in The Dance of Dragons für mich den größt denkbaren Verrat liefert. Wie immer die Warnung: Spoiler im Anflug!

Die Macht königlichen Blutes

Mich beschäftigt diese Szene so sehr, dass ich bei der Besprechung dieser Folge nicht chronologisch vorgehen werde- ich will mir meine Meinung dazu jetzt unbedingt direkt von der Seele schreiben. Wir beginnen wieder im hohen Norden, wo das Lager von Stannis Armee durch einen Überfall von Ramsay empfindlich getroffen wird. Lebensmittelvorräte werden vernichtet, Pferde getötet und Zelte zerstört- Stannis ist so außer sich vor Wut, dass er den Befehl gibt, die Wachen zu hängen. Im weiteren Verlauf der Folge schickt er außerdem Davos Seewert zurück zur Mauer, um die Versorgung mit Lebensmitteln zu verlangen. Wie jetzt, ausgerechnet seine rechte Hand? Könnte das nicht ein gewöhnlicher Sendbote übernehmen, wirft auch Davos ein. Nein, dessen Wort hätte nicht das Gewicht wie das von Davos. Der wahre Grund ist aber ein ganz anderer- der treue Zwiebelritter soll rechtzeitig entfernt werden, bevor Stannis das größtmögliche Verbrechen begehen kann. Ich rede von der angeordneten Verbrennung seiner eigenen Tochter.

Wir erinnern uns: Melisandre bewies die Macht von Königsblut schon mit 3 Blutegeln, die den Tod von 3 Königen zur Folge hatten. Was könnte ein größeres Blutopfer wohl ausrichten? In seiner verzweifelten Lage ist Stannis am Ende bereit seine eigene Tochter zu opfern, um damit die Macht des in ihr fließenden königlichen Blutes zu nutzen. Shireen wird also von seinem eigenen Kind hin nur zu einem Mittel zum Zweck. Und nun ist auch klar, warum Davos gehen musste- er wäre niemals regungslos dabeigestanden, wie die sich wehrende Prinzessin zum Scheiterhaufen geführt wird und anschließend unter Schmerzensschreien bei lebendigem Leibe verbrannt wird.

Was mich an dieser Szene so sehr mitgenommen hatte war das gnadenlose Kalkül, mit der die Autoren sie aufgesetzt haben. Man war fast schon dabei Stannis in dieser Staffel zu mögen, eben gerade weil er in einer früheren Folge einen starken emotionalen Moment mit seiner Tochter hatte. Und auch in dieser Folge haben Shireen und Stannis ein tiefergehendes Vater-Tochter-Gespräch, das die kleine Prinzessin am Ende leider zum Tode verurteilt. Diese Aktion ist dann sogar für Selyse, die eigentlich noch fanatischere Mutter von Shireen, am Ende zu viel. Nur ihr Mann, der eiskalte König, steht fast regungslos da. Nur seine Mimik lässt erkennen, dass ihm diese Entscheidung wahrscheinlich nicht leicht gefallen ist. Ich sage es hiermit dennoch eindeutig- aufgrund des grausamst möglichen Verrats, dem Verrat am eigenen Kind, ist Stannis für mich nun der verabscheuungswürdigste Charakter aus Game of Thrones geworden.

 Eine Frage des Überlebens

Im Norden dagegen ist Jon erfolgreich zur Mauer zurückgekehrt, mit einer Horde von Wildlingen und einem Riesen in seiner Begleitung. Ein kritischer Moment erfolgt bei Erreichen des Tores. Ist die Nachtwache unter der momentanen Führung von Alliser Thorne bereit, die Wildlinge um Tormund passieren zu lassen? Glücklicherweise scheint das Pflichtbewusstsein gegenüber seinem Kommandanten der persönlichen Abneigung von Thorne überlegen zu sein und die Gruppe an Überlebenden des Massakers der letzten Woche darf passieren. Die Skepsis der Nachtwache ist jedoch beinahe greifbar. Den Wildlingen, und auch Jon, werden abweisende und feindselige Blicke zugeworfen. Und auch wenn Thorne Jon ein gutes Herz zugesteht, so hält er auch fest, dass dieses sie am Ende alle töten wird.

Nicht ganz so extrem sieht es mittlerweile in Dorne aus, wo Jaime Lannister zu einem Mahl mit Prinz Doran Martell,dessen Sohn Trystane, seiner eigenen Tochter-Nichte Myrcella und Ellaria Sand geladen wird. Hier wird Jaime zunächst für seine Aktion zur Rede gestellt und nennt die nach Königsmund gesandte Bedrohung an Myrcellas Leben (deren Halsband in den Fängen einer Viper) als Begründung. Im Laufe der Szene klärt sich die Situation jedoch nach und nach auf und scheint sich zu entspannen. Myrcella darf zu ihrer Mutter zurückkehren, in Begleitung ihres geliebten Trystane- welcher sogar die Position seines getöteten Onkels im Rat einnehmen soll. Jaime schafft es sogar die Freilassung von Bronn zu erreichen, welche aber nicht ganz ohne Bedingungen bleibt…

Insgesamt gehörte diese Szene zu einer der besten in Dorne, da die Eigenschaften der Charaktere besser zur Geltung gebracht werden. Prinz Doran agiert als Regent deutlich besonnener und bedachter als die aufbrausende Ellaria und deren Töchter, die Sandschlangen. Dennoch hat man das Gefühl, seine wahren Absichten nicht wirklich zu kennen. Auch Ellaria gewährt etwas tieferen Einblick in ihr Gefühlsleben, als sie mit Jaime über die Eigenheiten der Liebe spricht und wie sie das Verhalten aller gestaltet. In Zukunft bitte mehr davon und weniger Kämpfe in Dorne.

Wo waren wir noch nicht? Zum Beispiel in Bravoos, wo Arya Stark von ihrem eigentlichen Mordauftrag durch die Ankunft eines unerwarteten Besuchers abgelenkt wird. Mace Tyrell ist zu Gesprächen mit der Eisernen Bank von Bravoos eben dorthin gereist und hat als Leibwache Meryn Trent im Schlepptau- ein Kandidat auf Aryas persönlicher Todesliste. Über die Folge hinweg verfolgt sie den schmierigen Soldaten, erfährt etwas über seine Vorliebe für kleine Mädchen (konnte man ihn wirklich noch unausstehlicher gestalten?) und verpasst ihren eigentlichen Mordauftrag. Dafür muss sie sich auch später vor Jaqen H’Ghar rechtfertigen. Sie verspricht ihre Aufgabe am nächsten Tag zu Ende zu bringen. Ich bin mir jedoch sicher, dass sie dem Vielgesichtigen Gott auch noch ein weiteres Opfer darbringen wird.

Brot und Spiele

Kommen wir nun zum Abschluss der Folge, welcher in der großen Arena von Meereen stattfindet. Trotz ihres Unbehagens hat Daenerys die tödlichen Duelle wieder freigegeben, was von der Bevölkerung fanatisch begrüßt wird. Danys Unwohlsein wird noch zusätzlich erhöht, als sie Ser Jorah erblickt, der sich für einen Auftritt in der Arena entschlossen hat. Doch mit (meiner Meinung nach) mehr Glück als Verstand schafft es dieser am Ende siegreich da zu stehen- und direkt einen Speer auf Daenerys zu werfen. Doch halt! Er war nicht auf die Mutter der Drachen gezielt, sondern auf einen der Söhne der Harpyie, der sich ihr von hinten näherte. Und auf einmal bricht in Meereen die Hölle aus.

Mir persönlich hat diese Szene nicht ganz so gut gefallen, wie ich es mir gewünscht hätte. Zum einen leidet sie meiner Meinung nach an einem mangelhaften Stimmungsaufbau. Trotz der Menge an Attentätern und deren Brutalität hat man nie ein Gefühl der Bedrohung für Daenerys. Selbst als sie und ihre Gefolgschaft komplett umzingelt sind, stürzen sich nur einzelne Angreifer auf sie. Ich hätte es hier gelungener empfunden, wenn die Beschützer von Daenerys durch die Masse an Gegnern so abgelenkt werden, dass die Khaleesi am Ende fast alleine da steht- um im letzten Moment von Drogon gerettet zu werden.

Zum anderen sind die Effekte hinsichtlich der Drachen noch nicht so gut, dass man lange Szenen mit ihnen gestalten sollte. Besonders die Flugszene sah mir persönlich zu künstlich aus und wirkte damit unglaubwürdig. Was mir dagegen gut gefallen hat, war die Darstellung der Verwundbarkeit Drogons. Trotz seiner furchteinflößenden Natur ist er nicht unbesiegbar und kann immer noch verletzt werden, Das zeigt auch, dass Daenerys bei weitem weniger Kontrolle hat als gedacht.

Insgesamt war diese Folge nicht ganz so beeindruckend wie die vorherige, wusste aber mit genug Charakterentwicklung, Wendungen und einem schockierenden Ereignis zu überzeugen. Ich bin auf jeden Fall schon in Stimmung für das Staffelfinale!

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Beitragsbild: (c) HBO

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  • Baumeister

    Ich war überzeugt, in dieser neunten Folge würde Jorah ein heldenhaftes Ende finden. Dass er uns doch noch erhalten bleibt, freut mich. Durch ihn und Tyrion hat die Handlung um Daenerys an Kraft und Interesse gewonnen.

    Auch Meryn Trant hatte ich zu Beginn der Folge schon abgeschrieben. Aber Arya gewährt ihm wohl noch eine Schonfrist. Schade. Zuletzt bestand ihre Todesliste nur noch aus vier Namen, darunter Trant. Wen ich vor allem auf ihrer Liste vermisse, sind die Freys und Boltons. Arya war schließlich hautnah dabei, als deren Verrat dem Rest ihrer intakten Familie das Leben kostete.

    Zu Stannis hat Ralf alles gesagt. Diese Tat wird den Charakter zerbrechen. Egal ob Stannis den Norden einnimmt oder nicht, er wird ein gebrochener Mann sein, auch wenn er das (noch) nicht nach außen zeigt. Das einzig Positive, was man dieser schockierenden Wendung entnehmen kann, ist dass Stannis uns wohl noch eine Weile erhalten bleiben wird, um seine Zerstörtheit aufzuzeigen und den Konflikt mit Davos auszunutzen. Was wiederum nahelegt, dass den Schlächtern, Folterern und Häutern in Gestalt der Boltons hoffentlich bald das Wasser abgegraben wird.

    Ich frage mich, wie das in Buchform aufgelöst werden wird, denn dort bleiben Melisandre, Shireen und Selyse an der Mauer zurück, als Stannis südwärts zieht.

  • Lanzelot

    Gerade WEIL Stannis bereit ist, die eigene Tochter einem größeren Ganzen zu opfern, ist er der König, der die 7 Königslande brauchen. Fast alle Charaktere und Möchtegernkönige werden von Egoismus und Ruhm für das eigene Haus getrieben. Stannis zeigt sich hier bereit, zum Wohle des Reiches das ihm Liebste zu opfern. Moralisch desaströs, aber die Haltung dahinter ist Pflichtschuldigkeit. Stannis hat die Visionen gesehen. Er weiß, was für das „Realm of Men“ auf dem Spiel steht. Er ist bereit, sein Schicksal anzunehmen. Sogar wenn es ihm das Liebste kostet.

    Kaputt dürfte er jetzt trotzdem sein, wie Baumeister sagt.