Game of Thrones Staffel 7, Folge 7 – „Der Drache und der Wolf“ Kritik

Ralf 28. August 2017 0
Game of Thrones Staffel 7, Folge 7 – „Der Drache und der Wolf“ Kritik

Staffelfinale. Nach bereits 7 Folgen endet die siebte Staffel von Game of Thrones und liefert mit „Der Drache und der Wolf“ eine Folge in Überlänge. Zum Abschluss spendiert HBO den Fans nochmals mehr als 80 Minuten ihres Fantasy-Epos.

Und auch wenn diese Folge meiner Meinung nach nicht ganz mit den bisherigen Finalfolgen mithalten kann, so bleibt nur zu sagen: „Der Drache und der Wolf“ ist ein würdiger Abschluss einer Staffel, die der Serie deutlich mehr Tempo verliehen hat, aber auch von ein paar Problemen geplagt war. Diese Kritik limitiert sich damit nicht ausschließlich auf die finale Episode, sondern soll auch die ganze Staffel etwas Revue passieren lassen.

Aus diesem Grund lassen sich auch dieses Mal keine größeren Spoiler vermeiden. Bitte lest nicht weiter, wenn ihr die siebte Staffel noch nicht beendet habt.

Der große Krieg

Das Ziel der letzten Folge wurde erfüllt – die Gruppe um Jon Schnee (Kit Harrington) konnte erfolgreich einen untoten Soldaten gefangen nehmen, wenngleich ein sehr hoher Preis dafür gezahlt werden musste. Doch das Ziel des Königs im Norden, sowie seiner neuen Verbündeten Daenerys (Emilia Clarke) ist eindeutig: Die Lebenden müssen im Kampf um die Toten vereinigt stehen. Aus diesem Grund wird eine große Versammlung in Königsmund abgehalten, um Cersei (Lena Headey) und ihre Vasallen zur Unterstützung zu bringen.

Dieses Treffen gehört zu einer meiner Lieblingsszenen in dieser Staffel. Es gibt einige Wiedersehen, begleitet von unterhaltsamen Dialogen. Darüber hinaus haben wir so lange gewartet, alle Mächtigen von Westeros innerhalb einer Szene zu sehen. Und wir wurden nicht enttäuscht.

Besonders hervorzuheben ist für mich die schauspielerische Leistung von Lena Headey. Der Charakter der Cersei Lennister scheint ihr perfekt zu passen beziehungsweise verkörpert sie ihn seit 7 Staffeln stimmig, in sich logisch und immer authentisch. So gab es durchaus eine Szene in dieser Folge, welche für mich zuerst nicht zu ihr gepasst hat – nur um später eines besseren belehrt zu werden.

Der Norden hat wieder zu sich gefunden

Und auch einer meiner liebsten Kritikpunkte dieser Staffel – der Konflikt in Winterfell – konnte ein akzeptables Ende finden. In dieser Folge zeigt sich, wer das Opfer des Intrigenspiels zwischen Kleinfinger (Aidan Gillen), Sansa Stark (Sophie Turner) und deren Schwester Arya (Maisie Williams) sein wird.

Die Auflösung dieses Konfliktes war zwar weitestgehend passend und konnte einige der vorherigen Ereignisse in ein klareres Licht rücken. Dennoch – der gesamte Handlungsstrang dieser Staffel erscheint mir auch im Rückblick an vielen Stellen unlogisch und unpassend zu den Charakteren. Und leider lässt sich für mich auch nicht alles mit einem „War doch von Anfang an so geplant“ beiseite wischen.

Die simple Antwort ist wohl – auch wir Zuschauer sollten wohl teilweise an der Nase herumgeführt werden, um die Spannung hochhalten zu können. Im Prinzip lässt sich daran ja nichts aussetzen (das hat Game of Thrones schließlich schon öfter gemacht), doch ich hoffe, wir sehen es nie wieder so plump.

Und so endet es damit, dass wir von einem der interessantesten Charaktere der Show Abschied nehmen müssen. Auch wenn ich zugeben muss, dass der Charakter schon eine Weile nicht mehr sein volles Potenzial erfüllen konnte.

Enthüllungen und mehr

Was gibt es sonst noch zu sagen? Eine Menge! Das Finale der siebten Staffel geizt nicht mit Andeutungen und Enthüllungen

  • Wenn hier kein episches Bruderduell unter den Cleganes (von Fans liebevoll „Cleganebowl“ genannt) angedeutet wurde, dann weiß ich auch nicht!
  • Jons wahre Herkunft wird nun unzweifelhaft geklärt, auch wenn die Andeutungen für alle klar waren. Doch es ist faszinierend, welche Tragweite ein paar Worte hinsichtlich der Situation der Thronansprüche haben. Und wie eine gewisse Bootszene damit plötzlich sehr pikant wird….
  • Jaimies wahre Loyalität wird ebenfalls auf die Probe gestellt und was soll ich sagen – ich bin inzwischen ein großer Fan dieses Charakters geworden. Wahrscheinlich ist er die Figur, welche im Laufe von Game of Thrones die größte Entwicklung durchgemacht hat.
  • Theon beweist, dass er zumindest sinnbildlich noch ein paar Eier in der Hose hat!

Diese Summe an einzelnen Szenen haben dieses Staffelfinale stark geprägt – man hatte das Gefühl, einen Überblick zu allen wichtigen Charakteren zu erhalten und dass sich in deren Leben auch aktuell etwas getan hat.

Klopf, klopf – Wer ist da? – Der Nachtkönig!

Und natürlich können wir auch die Endszene nicht vergessen – im wahrsten Sinne des Wortes sorgte sie für Gänsehaut. Im Hinblick auf Inszenierung, Effekte und Dramatik war sie ebenfalls einwandfrei gestaltet. Man konnte als Zuschauer nicht entscheiden, ob man nur beeindruckt oder einfach nur verzweifelt ist.

Ich hoffe außerdem stark, dass der Nachtkönig eine mysteriöse Figur bleiben wird und wir hier nicht eine „spektakuläre Enthüllung“ erhalten. Dieser Charakter lebt von seiner geheimnisvollen Herkunft und der Furcht, die das Unbekannte schafft.

Einen schalen Beigeschmack hat das Ende aber geliefert – ist diese Szene im Endeffekt nur möglich geworden, weil die Helden jenseits der Mauer unterwegs waren? Was würden die Weißen Wanderer nun tun, wenn sie nicht ihre unerwartete Verstärkung erhalten hätten? Diese kleine Feinheit zeigt leider wieder exemplarisch eine Schwäche dieser Staffel – die Entscheidungen und Handlungen machen nicht immer eindeutig Sinn.

Vielleicht hätten mehr Folgen gut getan

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Und dies ist quasi auch das gesamte Fazit zu dieser Staffel. Sie hat es verstanden, den Zuschauer nicht zu lange auf Highlights warten zu lassen – beinahe in jeder Episode passierte etwas spannendes. Und dafür bin ich dieser Staffel durchaus dankbar.

Darüber hinaus schlichen sich aber einige Probleme ein, die sich in unpassenden Plots (vgl. der Handlungsstrang in Winterfell) oder Ungereimtheiten innerhalb der Geschichte (vgl. meine Kritik zur letzten Folge) widerspiegelten.

All diese Punkte ruinieren meiner Meinung nach nicht den Spaß an dieser Serie. Jedoch fallen sie bei einem solchen Blockbuster auf, welcher in den vergangenen Jahren seine eigenen Maßstäbe in Hinblick auf Storytelling und Charakterentwicklung gesetzt hat.

Möglicherweise hätten der Staffel doch 10 Folgen insgesamt gut getan. Dadurch hätte man einigen Handlungen mehr Zeit geben können oder auch Fragen beantworten können, welche immer noch offen sind. Was ist beispielsweise mit Dorne passiert – sind dessen tausende Soldaten nun komplett untätig, weil ihre aktuelle Herrscherin in Gefangenschaft ist? Wie sieht die Situation in Mereen aus – ist das Daenerys nun komplett egal? Wie laufen die Kriegsvorbereitungen im Norden? Was hat Bran noch alles in seinen Visionen gesehen?

Fazit zu Staffel 7, Folge 7 „Der Drache und der Wolf“

Diese Folge liefert ein würdiges Finale mit einigen tollen Charakterszenen und einem epischen Schluss. Als letzte Episode einer durchaus umstrittenen Staffel, muss sie sich jedoch auch einige Kritikpunkte gefallen lassen. Game of Thrones offenbarte einige ungewohnte Schwächen hinsichtlich der Geschichte und war in sich selbst unstimmig. Auch kann man das Gefühl nicht komplett verlieren, dass die Kürzung der Staffel erzählerisches Potential gekostet hat.

Dennoch: Wir meckern hier auf sehr hohem Niveau. Diese Serie gehört immer noch zum Besten, was im Fernsehen zu sehen ist. Das Finale konnte unterhalten und seien wir ehrlich – zur nächsten Staffel schalten wir eh wieder alle ein. Ich hoffe stark, dass wir nicht bis 2019 warten müssen….

Die siebte Staffel von Game of Thrones ist in Deutschland unter anderem via Sky oder kostenpflichtig auf Amazon zu sehen – neue Folgen erscheinen immer am Montag. Den letzten Trailer von HBO findet ihr unten.

Beitragsbild & Trailer (c) HBO / *AffiliateLink

Alle Kritiken zu Game of Thrones Staffel 7 bei filmverliebt

Episode 1: Drachenstein

Episode 2: Sturmtochter

Episode 3: Die Gerechtigkeit der Königin

Episode 4: Kriegsbeute

Episode 5: Ostwacht

Episode 6: Jenseits der Mauer