Inferno: Kritik zur Dan-Brown-Verfilmung mit Tom Hanks

Lida Bach 10. Oktober 2016 2
Inferno: Kritik zur Dan-Brown-Verfilmung mit Tom Hanks

Der dritte Teil von Ron Howards Robert-Langdon-Reihe trifft erneut kongenial die Vorlage: kruder Mystizismus, alberne Komplotte und pompöses Geschwafel.

Letztes kommt auf der Leinwand hauptsächlich von Tom Hanks, der mühelos in die vertraute Rolle des Professor Robert Langdon schlüpft. Der Held der für ihr abgründiges sprachliches Niveau berüchtigten Bestsellerserie ist Symbologe und Professor für religiöse Ikonografie. Das ist noch weitaus nervtötender als es klingt, wenn es einem über zwei Stunden lang unter die Nase gerieben wird. In jedem der generischen Mystery-Thriller steht der Protagonist mit einem Fuß in einer apokalyptischen Verschwörung und mit dem anderen in einem weltberühmten Bauwerk. Diese brenzlige Lage und der Umstand, dass er unvermeidlich in einem Wettlauf gegen die Zeit steckt, hindern ihn nicht an seinen prätentiösen Vorträgen über Renaissancekunst. Sie fungiert als austauschbarer McGuffin einer Story, die vor ihrem eigenen Irrwitz buchstäblich davonläuft. Die Protagonisten rennen ununterbrochen, damit niemand je fragt, warum und wohin. Vor der imposanten historischen Kulisse wirkt das wie eine Touristenführung im Zeitraffer.

Wenn Langdon nicht gerade mit einem Hightechspielzeug oder einer Reliquie hantiert, entdeckt er einen Geheimgang, der von einem Sightseeningspot zum nächsten führt. Vor den Augen Hunderter Besucher und des Sicherheitspersonals werden Absperrungen überwunden und kostbare Artefakte entwendet. Und keiner greift ein. Das in den Kunststätten überhaupt noch Schauobjekte übrig sind, scheint angesichts der Lethargie der Staatsdiener ein Wunder. Eine Schießerei im Dogenpalast? Überwachungskameras zeigen den Diebstahl einer Antiquität? An einem überfüllten Ort droht ein Anschlag? All das ist für die Sicherheitskräfte kein Grund Stress zu machen. Zum Ausgleich für die Behäbigkeit seines Umfelds hetzt Langdon von einem kamerafreundlichen Setting zum nächsten. In The Da Vinci Code war es Paris, in Angels & Demons Rome und in Inferno sind es Florenz und Venedig. Ein zusätzlicher schauwert ist Langdons Damenbegleitung, die auffällig jünger und attraktiver ist. Die hochintelligente Kunstkennerin Dr. Sienna Brooks (Felicity Jones) begrüßt den frisch aus der Bewusstlosigkeit erwachten Professor, der an einer dieser speziellen Formen von Kino-Amnesie leidet, die mal verfliegt und mal akut ist.

Die beiden fliehen flieht vor einer fiesen Carabiniere (Ana Ularu) und einem undurchsichtigen Agenten (Omar Sy) der Seuchenbehörde. Die hat alle Hände voll zu tun dank des Transhumanisten Bertrand Zobrist (Ben Foster). Er begeht zwar zu Beginn Selbstmord, erläutert aber in Rückblenden ausführlich seine Weltvernichtungspläne. Das wandelnde Klischee des verrückten Umweltapostels will ein Virus, das die halbe Menschheit ausrotten soll, in einem stillgelegten Wasserreservoire in Istanbul während eines klassischen Konzerts freizusetzen. Warum er das Virus nicht einfach so rauslässt? Ganz einfach: weil Charakterisierung, Logik und Kontinuität im Dan-Brown-Ron-Howard-Universum nicht existieren. Dieses Axiom gilt bis zum Ende, wenn Langdon seinem Love Interest Elizabeth Sinskey (Sidse Babett Knudsen) grundlos verkündet, das Schicksal würde sie trennen. Auf dieses Glück dürfen die Zuschauer nicht hoffen. Ein Robert-Langdon-Roman ist noch unverfilmt und wer weiß wie viele neue der Autor schreibt, bis es in The Lost Symbol heißt: Lauf, Tom Hanks, lauf!

OT: Inferno

Regie: Ron Howard

Produktionsland: USA

Produktionsjahr: 2016

Verleih: Sony

Länge: 122 min.

Kinostart: 13. Oktober 2016

Beitragsbild © Sony

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