Jane Got A Gun – Kritik zum Neo-Western

Thomas Neumeier 23. Mai 2016 1
Jane Got A Gun – Kritik zum Neo-Western

Im Westerndrama Jane Got a Gun raufen sich Natalie Portman und ihr einstiger (Film-)Verlobter Joel Edgerton zusammen, um sich Bandenboss Ewan McGregor und seiner brutalen Bande zu erwehren.

Jane Hammond (Natalie Portman) ist mit dem Outlaw Bill “Ham” Hammond (Noah Emmerich) verheiratet, der eines Tages von fünf Kugeln getroffen nach Hause kommt. Er warnt seine Frau vor seiner ehemaligen Bande, angeführt vom skrupellosen John Bishop (Ewan McGregor). Jane steht mit dem Rücken zur Wand und ist auf sich allein gestellt. Ihre letzte Hoffnung ist ihr früherer Liebhaber Dan Frost (Joel Edgerton). Er soll ihr dabei helfen, ihren Besitz und ihre Familie zu beschützen.

Eine Menge hat man gerüchteweise über die problematische Produktion dieses Westerns gehört, der eigentlich schon 2012 ins Kino hätte kommen sollen. Der von vielen prognostizierte Fehlschlag aber bleibt aus. Jane Got A Gun ist mehr Drama als Western. Zwar fliegen auch die Kugeln, zuletzt sogar enorm, aber der Schwerpunkt dieses Neo-Westerns sind die zwischenmenschlichen Töne. Ein Femen-Western? Nein. Natalie Portman spielt ihren Charakter mit der gebotenen Verletzlichkeit und trägt den Film beinahe allein.

Doch auch der Rest ist stimmig. Jane Got A Gun bietet überzeugendes Schauspiel und tolle Szenen vor wunderbarer Kulisse. Der Film will das Genre nicht neu erfinden, sondern einfach eine Geschichte erzählen. Was fehlt ist das berühmte Tüpfelchen auf dem „I“, der dem Film eine unverwechselbare Note geben würde. Die Erzählweise in Rückblenden ist zumindest im Western-Genre noch nicht verbraucht. Sie bremst die Handlung zuweilen aus, aber der ruhige, unaufgeregte Erzählfluss tut der Atmosphäre durchaus gut. Während Jane und Dan die Farm für die Schlacht vorbereiten, erfahren wir in diesen Rückblenden von der Vorgeschichte ihrer Hassliebe. Natalie Portman als Jane spielt eine Frau, die allein zurecht kommt, sich verteidigen kann, aber auch klug genug ist, um zu wissen, wann sie auf Hilfe angewiesen ist. Kurzum: Die Figur überzeugt. Ewan McGregor wiederum schlüpft hier in die Rolle des Bösewichts. Seine Motive bleiben eher schwammig, doch versteht es McGregor, so leichtfüßig „böse“ zu sein, dass er John Bishop damit zu einer wahren Hassfigur erhebt.

Fazit: Das Genre Western wird durch Jane Got A Gun nicht neu erfunden, aber durchaus bereichert. Mehr Drama als Western, was dem Konzept des Films aber alles andere als schadet. In stringenter Erzählweise wäre seine eher simple Story bedeutungslos, aber in vorliegender Form gewinnt er damit eine Menge.

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