Kritik zu Project Almanac (2015): Kommt Kinder, wir bauen eine Zeitmaschine!

Nils 22. Februar 2015 2
Kritik zu Project Almanac (2015): Kommt Kinder, wir bauen eine Zeitmaschine!

Zeitreisen sind in Filmen keine neue Erfindung. Ob durch die obskure Maschine eines verrückten Professors oder die mysteriösen Fähigkeiten eines Teenagers – das Hin- und Herspringen in der Zeit und die daraus resultierenden Ereignisse in der subjektiven Gegenwart haben wir bereits etliche Male in Filmen wie „The Butterfly Effect 1-17“ gesehen. Selten haben wir das Konzept, das in den meisten Streifen mehr oder weniger gut mit verschiedenen physikalischen Erklärungsansätzen beleuchtet wird, allerdings in einem found footage film gesehen – und auch selten in so schlechter Ausführung.

„Project Almanac“ (zu Deutsch ungefähr: „Projekt Jahrbuch“) sollte ursprünglich bereits 2014 erscheinen. Die Enttäuschung ist uns allerdings noch einige Monate länger und mir bis gestern erspart geblieben. In Dean Israelites Film, der offiziell als Science-Fiction-Thriller bezeichnet wird, geht es um den angehenden Abiturienten (US-amerikanischer High-School-Schüler) David Raskin (Jonny Weston), der in seiner Freizeit mit seinen zwei (einzigen?) Freunden Adam (Allen Evangelista) und Quinn (Sam Lerner) sowie seiner attraktiven Schwester Christina (Virginia Gardner) an allerlei Gadgets bastelt. Um sein in wenigen Monaten beginnendes Studium am MIT finanzieren zu können bewirbt sich David für ein Stipendium und sucht daher nach einem geeigneten Experiment, das ihm als Bewerbung dienen kann. Durch eine Reihe verschiedener Zufälle stößt er dabei auf die Aufzeichnungen seines verstorbenen Vaters, die Pläne für die Konstruktion einer Zeitmaschine beinhalten.

(c) Paramount Pictures

Nach einem kurzen Einkauf und einem schnellen Einbruch in die Chemieabteilung ihrer Schule bauen die vier Teenager in vergleichsweise kurzer Zeit eine Zeitmaschine und testen ihre Konstruktion zunächst an einem Spielzeugauto, das sie tatsächlich einige Minuten in die Vergangenheit versetzen können. Dabei müssen sie allerdings auf die Batterie des Hybrid-Autos (Toyota ist nur eine der Firmen, die neben Microsoft, Coca Cola und Lenovo stark im Verdacht stehen, den Film finanziert zu haben) der noch attraktiveren Jessie (Sofia Black D’Elia) zurückgreifen, die deswegen kurzerhand in den Club der nun fünf Freunde aufgenommen wird. Erstaunlicherweise akzeptieren die fünf die Möglichkeit zu Zeitreisen recht schnell und beginnen umgehend mit ihrer Unternehmung, wobei sie ihre Prüfungsergebnisse aufbessern, im Lotto gewinnen und ein Musikfestival besuchen, das vor drei Monaten stattgefunden hat.

Ab hier beginnt die schlechteste, zugleich und vielleicht gerade deswegen aber auch sehr witzige, Adaption der Butterfly-Effect-Reihe mit den bekannten (negativen) Effekten, die die jeweiligen Entscheidungen in den verschiedenen Zeiten mit sich bringen, lediglich „ergänzt“ um eine Liebesgeschichte, für die man sich fremdschämt und eine völlig abstruse Handkameraführung, die eine gewisse Dynamik erzeugen soll, stattdessen allerdings nur in nerviger Hektik resultiert. Eingeflochten werden die Sprünge in Zukunft und Vergangenheit in die Geschichte von Davids Vater Ben (gespielt vom in Wiesbaden geborenen Gary Weeks), der an Davids siebtem Geburtstag ums Leben kam und seinen Sohn letzten Endes in einer anderen Zeit wiedertrifft. Doch sei vom Ende nicht mehr verraten – wer sich für das gekünstelt-anspruchsvolle Finale interessiert, liest es am besten auf Wikipedia nach.

Bei aller Kritik, die dazu führt, dass man den Film nicht wirklich ernst nehmen kann, kann man ihm trotz allem eine gewisse Komik nicht absprechen, zu der vor allem Davids Freunde Adam, der klischeehafte, technikbegeisterte Asiate, und Quinn, der seinem Habitus nach ein wenig an Jonah Hill erinnert, beitragen. Wer also zufällig ein paar gute Rauschmittel im Haus hat, kann mit dem Film durchaus Spaß haben – mehr allerdings auch nicht.

Der Film wird ab dem 5. März in den deutschen Kinos zu sehen sein.

Beitragsbild: © 2015 Paramount Pictures

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