Kritik zu „Lights out“ – In der Dunkelheit tut´s spuken

Tobias Ritterskamp 8. August 2016 0
Kritik zu „Lights out“ – In der Dunkelheit tut´s spuken

Spoilergefahr
Hat mich David F. Sandbergs Spielfilmdebüt Lights out gegruselt? Ja. Warum? Weil sich meine Begeisterung für das Genre in Grenzen hält, weshalb ich auch mit den dort geltenden Konventionen nicht in Gänze vertraut bin. Da kann es schon mal sein, dass ich ein Kreischen unterdrücken muss, wenn eine Gestalt, die nur erscheint, sobald das Licht erlischt, sich im Spiel des „lights out and lights on“ annähert, um dann final in den Angriffsmodus zu gehen.

Lights out, basierend auf einem Kurzfilm Sandbergs und produziert von Mastermind James Wan, ist eine Geschichte der Angst, konkret: der Achluophobie (Angst vor der Dunkelheit). Doch Auslöser dieser Angst ist das Bedrohliche, das sie hervorbringt. Es ist die Furcht, die glauben lässt, im Dunkeln lauere eine unkontrollierbare Bedrohung. Flucht hingegen ist hier nicht das Mittel um ihr zu entgehen, sondern Licht.

Nachdem Rebecca (Teresa Palmer) als Kind Realität und Einbildung nicht voneinander unterscheiden konnte sobald es dunkel war und ein grässliches Wesen sie an den Rand ihres Verstandes brachte, ist nun auch ihr kleiner Bruder Martin (Gabriel Bateman) von diesen rätselhaften und entsetzlichen Vorkommnissen betroffen. Das Wesen, es sucht ihn ein ums andere Mal Heim. Es tötet seinen Vater (Billy Burke). Mutter Sophie (Maria Bello) kann ihn nicht beschützen. Sie ist depressiv, führt Gespräche mit einem transzendenten Gegenüber. Rebecca nimmt Martin bei sich auf. Mit dabei auch ihr verschmuster Freund Bret (Alexander DiPersia) als Unterstützung. Doch das Wesen wird kommen, einen Namen hinterlassen. Er lautet Diana.

Maria Bello als depressive Sophie liefert eine äußerst sehenswerte schauspielerische Leistung ab. Als Mutter, die immer mehr an ihrer mentalen Schwäche zugrunde geht, gewinnt der Film eine gewisse psychologische Durchschlagskraft. Die Mutter-Kind-Beziehung transformiert sich in ein Entfremdungsverhältnis. Bei alledem kommt man nicht um einen Vergleich mit Jennifer Kents Der Babadook herum. Trotz einiger Schockmomente reicht Lights out allerdings nicht an Kents Spielfilmdebüt heran. Das liegt einerseits daran, dass der Fokus sich nicht vorrangig auf die zwischenmenschlichen Beziehungen richtet, sondern tendenziell auf die Frage, wie das Wesen vernichtet werden kann. Das psychologische Beiwerk fungiert hier anders als bei Der Babadook doch eher als lästiger Anhang, um über küchenpsychologisches Geschwurbel hinwegzutäuschen. Dass der gesamte Spuk am Ende der Story in Übernatürlichkeit wurzelt, ist schade, denn gerade eine Geschichte der Angst kann vor allem dann ihre Wirkung entfalten, wenn sie ihren Ursprung nicht in der realen Existenz eines transzendenten Wesens hat, sondern in der schwierigen Verarbeitung von Traumata. So aber verschließt sich der Film dem Potenzial psychologischer Durchschlagskraft. Zum Fürchten lädt er dennoch ein. Schließlich ist das Moment der Plötzlichkeit oftmals mit enormer Suspense verbunden. Und viel Blut braucht es auch nicht, um ganz passabel unterhalten zu können. Aber mit zunehmender Spielfilmdauer wird es etwas repetitiv, was der Qualität des Films ebenfalls ein wenig abträglich ist.

Gelungene Horrorfilme bergen das große Potenzial, Kinderdarsteller zu Höchstleistungen zu treiben, alles aus sich herauszuholen. Man könnte in Horrorstreifen Karrierekatalysatoren erblicken. Dass es anders kommen kann, ist durchaus bekannt und doch hat man sich mit Gabriel Bateman in Lights out sowie Noah Wiseman damals in Der Babadook zwei talentierte Kinderdarsteller in den Cast geholt, die das Gefühl von Schmerz und Angst zum Ausdruck bringen können. Einige Horrorfilme leben von den Leistungen ihrer Kinderdarsteller. Das ist auch gut so, vor allem wenn Streifen wie Lights out nicht ganz stimmig sind.

Lights out läuft seit dem 4. August in den deutschen Kinos.

Beitragsbild: © Warner Bros.

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