Kritik zu Terminator: Genisys

Thomas Neumeier 20. November 2015 1
Kritik zu Terminator: Genisys

Um das vorneweg zu nehmen: Mit der dramaturgischen Wucht der beiden Cameron-Filme kann sich Terminator: Genisys nicht messen. Nichtsdestotrotz ist Alan Taylor (Thor 2 – The Dark Kingdom) eine stimmige, detailverliebte und damit würdige Ergänzung der Reihe gelungen.

Es steht nicht weniger auf dem Spiel als in früheren Terminator-Filmen: die totale Versklavung oder Ausrottung der Menschheit. Das Story-Schema ist bekannt, und diesbezüglich erwartet man als Zuschauer auch gar keine bahnbrechenden Neuerungen. Im Jahre 2029 ist der Widerstand, geführt von John Connor (Jason Clarke), kurz davor, den Hauptprozessor von SKYNET zu vernichten. John kann jedoch nicht verhindern, dass Skynet einen Terminator ins Jahr 1984 schickt, um Johns künftige Mutter (Emilia Clark) zu töten. In Kyle Reese (Jai Courtney) schickt John ihr einen Beschützer hinterher. So weit, so bekannt aus dem ersten Terminator-Film mit Michael Biehn und Linda Hamilton in den Hauptrollen. Dieses Mal erwartet Kyle im Jahre 1984 jedoch kein verhätscheltes Püppchen, das beschützt werden müsste, sondern eine gestandene Kämpferin mit einem gealterten Terminator (Arnold Schwarzenegger) als ballernden Hofhund an ihrer Seite.

Wie es zu dieser Konstellation kam, entfaltet sich in einem nicht ganz leicht zu durchschauenden Zeitreise-Paradoxon. Doch es wird noch komplizierter mit den Zeitreisen, denn es folgen zwei weitere: Kyle und Sarah reisen in die Zukunft (unsere Gegenwart), während der John Connor von 2029 ebenfalls in die Vergangenheit reist. Macht das alles noch Sinn? Ja, schon, doch es erfordert etliche Dialoge, die dem Zuschauer zu gegebener Zeit den Ist-Zustand erklären müssen.

Die Detailverliebtheit der ersten 40 Minuten des Films sind ein Fest für Liebhaber der Cameron-Filme. Um alles unter einen Hut zu bringen und trotzdem up-to-time zu sein, musste dem Drehbuch einiges abverlangt werden, und an diesem Knackpunkt eiert der Film in der zweiten Hälfte ein wenig. Um allen Facetten gerecht zu werden, waren ein paar Abstriche nötig. Die Neuordnung der Zeitlinie und die Verortung von Tatsachen lassen den Schauspielern etwa kaum Gelegenheit, Emotionen zu zeigen. Das Innenleben ihrer Charaktere bleibt dem Zuschauer weitenteils verschlossen. Verzweiflung, Ausweglosigkeit, Todesangst, das waren die ständigen Begleiter von Biehn/Hamilton. Selbst die abgebrühte Hamilton aus Judgement Day trug diese Gefühlspalette ständig bei sich. Beim Team Clark/Courtney klingt dergleichen nur in Ansätzen an. Das Drehbuch verlangt auch nicht mehr. Und das ist schade, angesichts einer gigantischen Bedrohung, die ohne mimische Darstellung aber nie wirklich visuell zur Geltung kommt. Denn auch die besten Actionszenen ersetzen keine Dramaturgie. Und nie wirken Bedrohungen realer, als wenn sie von Menschen bzw. Schauspielern vermittelt werden. Clarks Sarah Connor nimmt ohne mit der Wimper zu zucken einen Zeitsprung von mehr als 30 Jahren in die Zukunft in Kauf. Dass sie bei Ankunft etwas wie einen Culture-Clash erlebt, keine Spur. Sie fügt sich und verliert nicht ein Wort über die neuen Verhältnisse. Für so etwas blieb in der Endfassung anscheinend keine Zeit. Oder das Drehbuch hatte es nie vorgesehen. Schade, denn das degradiert auch Sarah auf emotionaler Ebene zu einem Terminator.

Die Action- und Stuntszenen sind durchweg solide bis hin zu spektakulär. Allen voran Arnold Schwarzenegger darf in seiner Ikonen-Rolle wieder ordentlich auf den Putz hauen. Er ist es, der den Film trägt. Weniger seine Action-Szenen, sondern seine gewohnt lakonischen Einzeiler und so manche Situationskomik, in die die Truppe schlittert. Arnie als gealterter Terminator funktioniert wunderbar. So wie er 2003 den dritten Film der Reihe, Rebellion der Maschinen, gerettet hat, trägt er auch diesen, wenngleich seine Figur meistens hinter denen von Clark und Courtney zurückstehen muss. Der Handlungsvorantreiber ist Emilia Clarks Sarah Connor.

Fazit: Ein durchweg kurzweiliger Filmspaß mit grandiosen Actionszenen und vielen Homages. Alan Taylor beschert uns eine würdige Ergänzung der Terminator-Reihe, die sich tief vor den beiden James-Cameron-Klassikern verbeugt. Dramaturgische Wucht lässt er jedoch missen.

DVD und Blu-Ray erscheinen am 19.11.2015.

Kritik zu Terminator: Genisys
4 (80%) 1 vote

  • Ein Film an dem sich die Geister scheiden. Auf der einen Seite dreht er die Story mächtig durch den Fleischwolf, auf der anderen Seite kann er mit großartiger Action überzeugen.

    Hat auf jeden Fall Spass gemacht.