Kubo, der tapfere Samurai: Kritik zum Animationsfilm

Lida Bach 8. Oktober 2016 0
Kubo, der tapfere Samurai: Kritik zum Animationsfilm

Travis Knights Animationsabenteuer wäre toll, wenn die Story auch nur halb so gut wäre wie die Animationen. Leider ist die kalkulierte Heldensaga das nicht.

All die detailverliebte Sorgfalt, die in der von traditioneller japanischer Malerei beeinflussten Szenerie stecken, wirkt wie ein verzweifelter Kompensationsversuch der generischen Handlung. Dieser zweckmäßige Ehrgeiz gipfelt in effekthascherischen Manövern, die den narrativen Fluss hindern und letztlich ersticken. So originell die Bilder zuerst wirken, so uninspiriert ist der Plot, mit dem das Drehbuchautoren-Duo Mark Haimes und Chris Butler sie zusammenzuhalten versucht. Die Stimmung wechselt abrupt zwischen sentimental, spukhaft und albern während eine fade Actionnummer die nächste jagt. Die epische Ballade, die Knights Regiedebüt zu sein vorgibt, entpuppt sich als kommerziell orientiertes Popcornkino ohne Poesie. Die ersten Minuten manipulieren geschickt zur Anteilnahme mit dem Titelcharakter, indem sie eine familiäre Tragödie und grausame Taten andeuten. Beides wird später in ein paar Sätzen abgetan, ohne dass die Ereignisse eine Resonanz bei den Figuren hinterlassen oder nachvollziehbar werden. Schon die zweite Szene ignoriert die Einleitung und stimmt dafür auf die logischen Brüche ein, die noch bevorstehen.

Kubo (Sprecher: Art Parkinson) versorgt sich und seine Mutter (Charlize Theron), indem er vor Publikum Origami-Figuren kämpfen lässt. Vor Sonnenuntergang muss er zurückkehren, damit ihn sein Großvater (Ralph Fiennes) und seine bösen Tanten (Rooney Mara) nicht finden. Natürlich bricht er die Vorschrift und muss drei McGuffins finden, um Opa besiegen zu können. Auf seiner Reise hilft ihm eine magische Shamisen, die er immer dabei hat. Der coole Typ mit Plektrum, Augenklappe und Zauberkräften kennt keine Schwächen, dies es zu bewältigen gelte. Er ist einer jener faden Kinderfilmhelden, die sich von besser zu am besten verändern. Persönlichkeiten sind auch den übrigen Protagonisten nicht vergönnt. Sie alle sind durchschaubare Repertoirefiguren. Es gibt extra eine Nebenfigur (Brenda Vaccaro) für Comic Relief und extra eine andere (George Takei) zum Erklären altasiatischer Bräuche. Andere Sachen soll offenbar niemand verstehen. Warum zum Beispiel verharrt Kubos Mutter in katatonischer Starre? Was ist das für eine magische Shamisen? Ist es nicht belastend für Kinder, ihre Eltern versorgen zu müssen? Warum finden die Tanten Kubo anfangs bei Nacht nicht?

Statt die Charaktere zu entwickeln und eine schlüssige Geschichte aufzubauen, manövriert Knight den Hauptcharakter durch Kampfszenen, bei denen Kubos Mutter in Affengestalt und sein in einen Samurai-Käfer-Hybriden verwandelter Vater (Matthew McConaughey) mitmischen. Wenn die als Ideal hochgehaltene Kernfamilie nicht riesenhafte Skelette besiegt, neckt sie sich. Weil sie sich lieben, na klar. Von Anfang an weiß jeder: Sie kriegen ihr vorhersehbares Happy End, auch wenn es weder verdient, noch konsequent erscheint. Statt Gerechtigkeit triumphieren Doppelmoral, Lügen und Willkür, die (nicht nur) den Kindern im Publikum eine Reihe zweifelhafter Lehren eintrichtern: Tu, was man dir sagt. Hinterfrage keine festgelegten Regeln. Kämpfen ist die beste Lösung für Konflikte. Eine Frau hat erst ein Leben, wenn sie einen Mann hat. Falls nach formelhaften 100 Minuten ein Hauch Atmosphäre übrig sein sollte, zerstört den ein Behind-the-Scenes-Clip. Darin demontieren die Filmemacher endgültig eine Illusion, die als Calling Card für die Oscars konzipiert scheint.

OT: Kubo and the Two Strings

Regie: Travis Knight

Produktionsland: USA

Produktionsjahr: 2016

Verleih: Universal Pictures Germany

Länge: 102 min.

Kinostart: 27. Oktober 2016

Beitragsbild (c) Universal Pictures Germany

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