Moon (2009): Kritik zum Science-Fiction-Kultklassiker

Lida Bach 16. April 2016 1
Moon (2009): Kritik zum Science-Fiction-Kultklassiker

Duncan Jones Kinodebüt ist ein moderner Genreklassiker. Bevor nächstes Jahr das Sequel „Mute“ startet, hat Filmverliebt noch mal den Kultfilm gesichtet. Sam Bell (Sam Rockwell) lebt auf dem Mond. Seit drei Jahren arbeitet der Astronaut auf dem Erdtrabanten für einen Großkonzern Lunar im Helium-3-Abbau. Helium-3 ist der Energielieferant der Zukunft: sauber, effizient, preiswert. Drei Wochen noch muss Sam auf das Ende seines Arbeitsvertrags warten. Drei Wochen einsam im Nichts des Weltalls, wo sein einziger Gesprächspartner der Computer Gerty (Sprecher: Kevin Spacey) ist. Sam träumt von seiner Frau Tess und seht sich nach der kleinen Tochter Eve (Kaya Scodelario). Doch ihn plagen zunehmen Halluzinationen, Unwohlsein und unerklärliche Kopfschmerzen. Die Belastung führt zu einem Unfall. Als er nur leicht verletzt auf seiner Basisstation wieder zu sich kommt, ist er nicht mehr allein – oder ist er es doch? Sein Retter gleicht ihm aufs Haar und Gerty erklärt, der Andere sei Sam Bell.

The Dark Side of the Moon

Nicht nur stilistisch ist das vielschichtige Debüt des britischen Regisseurs inspiriert von Genremeisterwerken wie „Solaris“ und „2001: A Space Odysee“. Das nachdenkliche Sci-Fi-Drama führt das Genre zurück zu einer philosophischen Tiefe, die unter Blockbustern vergraben schien. Eine Gestalt streckt in einem von Sams Träumen die Hand nach ihm aus. Es ist eines der zahlreichen Ichs, die von ihm von dem Konzern Lunar geschaffen wurden. Die unsichtbare Gegenwart der Doppelgänger trägt ein leises Grauen in das mechanische Setting. Beklemmend wie in einem Schauerfilm gestaltet Duncan die Konfrontation mit dem Anderen, der nicht durch seine Fremdheit, sondern seine Vertrautheit unheimlich ist. Wie im Volksglauben und den klassischen Verarbeitungen des Themas kündigt die Begegnung mit dem Doppelgänger vom eigenen Tod. Das archaische Motiv verknüpft „Moon“ mit hintergründiger Systemkritik. Die Lebensdauer der Klone ist auf ihre Einsatzzeit bemessen.

Der Einzelne ist in „Moon“ im wahrsten Sinne Produkt des Systems. Er ist geschaffen allein zur Arbeit, von der computergesteuerten Aktivierung an bis zum qualvollen Sterben. Saubere Energie dank schmutziger Machenschaften. Statt auf die Heimreise führt der Kälteschlaf, in den die Arbeiter nach Vertragsende treten, in den Tod. Die beruhigende Monitorstimme kommentiert zynisch: „Und wenn Sie beginnen, sich schläfrig zu fühlen, denken Sie an den großartigen Job, den Sie geleistet haben“ Eine Staubwolke bleibt zurück, so winzig wie Sam im Weltraum. Nicht einmal die Erinnerungen sind echt, sondern bloß Implantate, die Sam einen persönlichen Antrieb geben und ihn so effektiver machen sollen. In ihrer Allmacht reden die Konzernvertreter nur über Sam. Einzig Roboter Gerty spricht mit ihm. Selbst eine Maschine ist in der bitteren Fabel menschlicher als die Menschheit.

„In den letzten Jahren wurde den Filmemachern das Science-Fiction-Genre, besonders die philosophische Seite, einfach peinlich“, beschrieb Jones damals den Qualitätsverlust des Genres. Knapp sechs Jahre später scheinen seine Worte ebenso zutreffend. Umso größer die Spannung auf den Nachfolger seines metaphysischen Thrillers.

OT: Moon

Regie: Duncan Jones

Produktionsland: UK

Produktionsjahr: 2009

Verleih: Koch Media

Länge: 96 min.

Kinostart: 15. Juli 2010

Beitragsbild © Koch Media

Moon (2009): Kritik zum Science-Fiction-Kultklassiker
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  • Schlombie

    Dank „Ex Machina“ und „her“ steht „Moon“ von seinem philosophischen Anspruch her zumindest nicht völlig alleine da. So langsam kehrt ein gewisser Anspruch ins Genre zurück, der an die großen 70er Jahre-Werke erinnert. :)