„Mr. Long“: Kritik des wilden Genremixes von Japans Kritikerliebling Sabu

Nadine Emmerich 14. September 2017 0
„Mr. Long“: Kritik des wilden Genremixes von Japans Kritikerliebling Sabu

Der taiwanische Profikiller Long verbockt einen Auftrag in Japan, muss fliehen und taucht schwerverletzt in einem verwahrlosten Barackenviertel unter. Dort versorgt ihn der achtjährige Jun, Sohn von Junkie-Mutter Lily, mit Verbandszeug, Wasser und Kleidung. Aus den dreien wird für eine kurze Zeit eine Schicksalsgemeinschaft. Der japanische Regisseur Hiroyuki Tanaka alias Sabu inszeniert mit „Mr. Long“, der im Wettbewerb der Berlinale lief, einen wilden Genremix aus Gangsterfilm, Kochshow, Slapstick und rührseliger Story über Freundschaft und Liebe. Das macht stellenweise sehr viel Spaß, wird am Ende aber leider doch ein wenig langatmig.

Der coole Long (Chen Chang, „The Assassin“) kann nicht nur killen, sondern auch kochen. Schnell spricht sich herum, wie schmackhaft die Gerichte des schweigsamen Neuankömmlings sind, und die eifrige und begeisterte Nachbarschaft organisiert ihm eine fahrbare Suppenküche. Bald stehen die Leute Schlange für Longs Nudelsuppe – und der Profikiller kann sich so das nötige Geld für seine Rückreise nach Taiwan verdienen. Parallel zwingt er Lily rabiat zum Drogenentzug und zwischen den beiden entstehen zarte Bande. Der kleine Jun hat Long ohnehin längst zum Vaterersatz erkoren.

Stilistisch tadelloses Drama in fünf Akten

Ein Happy End mit neuer Familie und neuem Job gibt‘s trotzdem nicht, das darf an dieser Stelle ruhig verraten werden. Juns Mutter wird von ihrem Ex-Dealer aufgesucht und dieser heftet sich Long an die Fersen. Und was bisher extrem witzig, anrührend bis kitschig und manchmal auch ein wenig rätselhaft war, wird brutal und blutig. Da kennt das fernöstliche Kino, das bei der Berlinale einen Stammplatz im Wettbewerb hat, bekanntlich nichts.

„Mr. Long“ ist ein stilistisch tadelloses Drama in fünf Akten, selbst ohne Dialoge. Wobei die wortarme Inszenierung der fünf Tage im Leben des Auftragsmörders mit dem scharfen Messer – dargestellt von einem der bekanntesten Schauspieler Taiwans – letztlich sicher ihren Anteil daran hat, dass der etwas mehr als zwei Stunden lange Film trotz origineller Einfälle und durchweg überzeugenden Hauptdarstellern irgendwann etwas zäh wird.

Kinostart: 14. September 2017

 Fotos: (c) rapid eye movies

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