„Nerve“ (2016): Kritik des Social-Media-Thrillers – An der digitalen Front

Nadine Emmerich 15. Januar 2017 0
„Nerve“ (2016): Kritik des Social-Media-Thrillers – An der digitalen Front

Das illegale Onlinespiel „Nerve“ hält New Yorks Teenager in Atem. Player oder Watcher, Spieler oder nur Zuschauer, das ist hier die Frage. Wer mitmacht, muss Mutproben ablegen, die ihm die zuschauende digitale Community auferlegt. Für jede  bestandene und mit dem eigenen Smartphone gefilmte „Challenge“ fließen direkt die Dollar aufs Konto. Und wer die meisten Watcher hat, rückt an die Spitze der Rangliste. Erst geht es nur darum, einen nackten Hintern zu zeigen, dann plötzlich um Leben und Tod. Mit „Nerve“ haben die „Paranormal Activity (3 und 4)“-Macher Henry Joost und Ariel Schulman einen spannenden Thriller inszeniert, der Unbehagen verbreitet, weil er vielfach so erschreckend real erscheint.

Vee (Emma Roberts, „Wir sind die Millers“) ist eigentlich viel zu schüchtern für den Adrenalinkick des Spiels. An der Highschool traut sie sich noch nicht mal, ihrem Schwarm „Hallo“ zu sagen. Anders als ihre beste Freundin, die großmäulige Sydney, die vor nichts Angst hat und bei „Nerve“ fleißig Watcher sammelt. Um es Sydney zu zeigen, meldet sich auch Vee als Spielerin bei „Nerve“ an – und der anfangs an eine Teenie-Komödie erinnernde Film nimmt rasant an Fahrt auf. Und spielt nicht nur gekonnt mit Game- und Youtube-Optik, sondern schanzt auch der Stadt New York eine wunderbar düstere Nebenrolle zu.

Nerve bei Amazon

Nerve günstig bei Amazon*

Kaum hat Vee ihre erste Challenge bestanden und in einem Diner einen völlig Fremden (Dave Franco, „Bad Neighbors“) geküsst, sitzt sie auch schon bei diesem auf dem Motorrad und rast mit ihm in eine verrückte Nacht. Gleich wird das neue Spieler-Paar Vee und Ian unter dem Chat-Gejohle des sekündlich größer werdenden Publikums erst halbnackt durch ein Kaufhaus rennen und dann mit verbundenen Augen über rote Ampeln jagen. Die Watcher haben Blut geleckt, jede ihrer den Playern auferlegten Mutproben wird gefährlicher. Wer bei „Nerve“ mitmacht, zieht digital blank: Die Social-Media-Profile der Player sind gehackt, wer Höhenangst hat wie Sydney, soll in schwindelerregender Höhe auf einer Leiter zwischen zwei Häusern balancieren.

Als ihr Kumpel Tommy sie warnt, dass bei „Nerve“ schon jemand ums Leben gekommen sei, und sie das dramatische Ausmaß des gefährlichen Spiels erkennt, will Vee aufhören. Doch das tut bei „Nerve“ niemand ungestraft. Aussteiger oder Verräter bleiben lebenslänglich „Prisoner“. Und die Watcher geraten zunehmend außer Kontrolle. Nicht zufällig heißt der Roman der Computerspielentwicklerin Jeanny Ryan, auf dem „Nerve“ basiert, „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen“. Am Ende hätten Joost und Schulman jedoch auf den moralischen Zeigefinger verzichten können. Auch die zuvor intelligente Machart des Films geht im Finale durch einige Plausibilitätsprobleme leider etwas verloren.

„Nerve“ erscheint am 19. Januar 2017 auf DVD und Blu-ray.

(c) STUDIOCANAL / *AffiliateLink

„Nerve“ (2016): Kritik des Social-Media-Thrillers – An der digitalen Front
3.67 (73.33%) 6 votes