„Nowitzki. Der perfekte Wurf“ Kritik: Auf dem Boden geblieben

Marco Seiwert 24. April 2015 0
„Nowitzki. Der perfekte Wurf“ Kritik: Auf dem Boden geblieben

Der moderne Profisportler ist ein durchaus interessantes Phänomen. Je nach Sportart von Abermillionen bewundert, verehrt, vergöttert. Und so führt sich mancher auch auf. Beispiele findet jeder nach kurzem Überlegen zuhauf. Doch zwischen den ganzen Superstars mit ihrem zuweilen arroganten Getue und Gehabe gibt es auch ebenso erfolgreiche Größen, die am Boden geblieben sind und gerade dadurch besondere Beliebtheit genießen. Einer von diesen ist zweifelsfrei die deutsche Basketballlegende (das darf man mittlerweile sicher so sagen) Dirk Nowitzki. Mit „Nowitzki. Der perfekte Wurf“ hat Regisseur Sebastian Dehnhardt dem Hünen nun ein gelungenes Biopic-Denkmal gesetzt, das nicht nur ausschließlich für Basketballfans einen Blick wert ist.

Seit 1999 spielt der gebürtige Würzburger bereits in der besten Basketball-Liga der Welt, der amerikanischen NBA, bei den Dallas Mavericks. Als einer der ganz wenigen deutschen Spieler überhaupt hat er diesen Schritt über den großen Teich geschafft. Bereits früh zeichnete sich ab, dass Nowitzki ein Ausnahmetalent ist: Trotz seiner enormen Größe von 2,13 Meter trifft er aus fast allen Lagen unvergleichlich gut den Korb und zeigt damit ungeahnte Fähigkeiten für einen Spieler seiner Physiognomie. Gepaart mit großem Arbeitswillen, noch größerem Ehrgeiz und seinem persönlichen Betreuer Holger Geschwindner hat Nowitzki es geschafft, eine beachtliche Karriere hinzulegen und zu einem der besten Basketballspieler aller Zeiten aufzusteigen. Diesen Werdegang, beginnend von den Anfängen in seiner Kindheit bis zum Höhepunkt, dem Gewinn des NBA-Titels 2011, zeigt „Nowitzki. Der perfekte Wurf“ und blickt dabei auch hinter die sportliche Fassade des sympathischen und vergleichsweise gar schüchternen Superstars.

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Dreh- und Angelpunkt und ein Highlight der Doku ist Nowitzkis eigenwilliger Mentor Geschwindner und das Verhältnis der beiden zueinander. Der kauzige Coach, ehemaliger Profibasketballer, Mathe- und Physik-Student und bekannt für alternative und innovative Trainingskonzepte, wirkt im ganzen Superstarrummel noch deplatzierter als sein Schützling. Blitzlicht und Ruhm interessiert beide nicht wirklich, einzig bedeutend scheint ihr Ziel: den perfekten Wurf zu trainieren. Zu Anfang belächelt, ist Geschwindner mittlerweile von allen Offiziellen der Dallas Mavericks anerkannt, Nowitzki und er ziehen ihre Trainingsmethoden seit jeher nach eigenen Vorstellungen durch. Das Resultat der harten und jahrelangen Arbeit: Nowitzkis beachtliche Punkte- und Wurfquote und zahlreiche Auszeichnungen, die nur den absolut besten Spielern vorbehalten sind. Natürlich beschäftigen sich etliche Aufnahmen der Doku mit eben diesem Aspekt: „Dirkules“ in Aktion, auf dem Feld, in der Trainingshalle. Hochglanz-Zeitlupenaufnahmen im gefüllten Stadion wechseln sich mit ruhigeren Trainingssituationen ab und schaffen in Kombination mit stets passender Musikuntermalung eine für Sportdokus bewährte Dynamik. Begleitet von etlichen Kommentaren von Spielerkollegen, Coaches und Weggefährten gelingt es dem Film, Nowitzkis Weg zum Weltklassespieler auch für den Nichtkenner nachvollziehbar aufzuzeigen. Aber auch die Familie und Freunde kommen natürlich gebührend zu Wort und plaudern das ein oder andere aus dem Privatleben des Würzburgers aus. Dass dieser lange Zeit keinen Geldautomaten bedienen konnte und, wenn er denn mal auf Besuch zu Hause war, immer noch von seiner Mutter Taschengeld bekam, ist dabei nur eine der zahlreichen Anekdoten, die den Star sympathisch und auf seine eigene Art geerdet erscheinen lassen.

Man hat es vielleicht schon herausgelesen: „Nowitzki. Der perfekte Wurf“ ist eine gute, zuweilen mitreißende Dokumentation über einen tollen Sportler, der seinen langjährigen Traum wahrmachen konnte. Nichts bahnbrechendes, recht konventionell in der Machart, kritiklos, aber eben genau der Film, den man erwartet, wenn man die Disk in seinen Player einlegt. Ein stimmungsvolles, kurzweiliges Porträt, das über knapp 100 Minuten ansprechend unterhält und dem Interessierten ein bisschen mehr über den ruhigen Basketballstar Dirk Nowitzki vermittelt. Für Fans sicher ein absolutes Muss, aber generell für Freunde solcher Erfolgsstorys und Sportbegeisterte auf jeden Fall einen Blick wert. Immerhin geht es hier um einen der großartigsten deutschen Athleten überhaupt, der allerdings selbst oft gar nicht glauben kann, wie ihm geschieht: „Irgendwie ist es ein bisschen surreal manchmal, dass Leute von mir Autogramme und Bilder wollen, weil ich ein bisschen einen Ball ins Netz schmeissen kann.“ Nowitzki eben. Auf dem Feld abheben, privat auf dem Boden bleiben. Bewundernswert und grundsympathisch.

„Nowitzki. Der perfekte Wurf“ ist seit dem 9. April 2015 auf DVD und Blu-Ray erhältlich.

*affiliate Link / Beitragsbild: © 2014 NFP* marketing & distribution.

„Nowitzki. Der perfekte Wurf“ Kritik: Auf dem Boden geblieben
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