„On Chesil Beach“ (Am Strand) Kritik: Saoirse Ronan in Ian McEwans Drama

Lida Bach 8. September 2018 0
„On Chesil Beach“ (Am Strand) Kritik: Saoirse Ronan in Ian McEwans Drama

Einen bedeutungsvollen Akt zu bewerkstelligen, ohne eine Ahnung, wie die Sache eigentlich funktioniert, kann zu verdammt peinlichen Situationen führen. Vor diesem Dilemma stehen zugleich die jungen Protagonisten und die Verfilmung von Ian McEwans Booker-Prize-nominierter Novelle. Während Violinistin Florence Ponting (wunderbar: Saoirse Ronan) und Geschichtsstudent Edward (passabel: Billy Howle) an ihrer sexuellen Ahnungslosigkeit und fehlgeleiteten Erwartungen leiden, krankt die Buchadaption am Mangel an cineastischem Feingefühl. McEwans Drehbuch trivialisiert die gesellschaftlichen und psychologischen Nuancen der Vorlage und Bühnenregisseur Dominic Cooke fehlt die inszenatorische Expertise, dies auszugleichen.

Die Zusammenarbeit der beiden wirkt von der ersten Szene an ähnlich zum Scheitern bestimmt wie die Liaison der ehrgeizigen Musikerin mit dem ziellosen Landei. Was auf dem Papier vermutlich nach einer geschliffenen Handlungsstruktur aussah, wird auf der Leinwand zu einer für Publikum und Protagonisten gleichermaßen quälenden Reihe blamabler Momente. Der Schmachvollste ist der Hochzeitsnachmittag, der beiden ihre sexuelle Inkompatibilität schmerzlich bewusst macht. Doch statt die emotionale Differenz in Folge physischer Distanz zu erkunden, reanimiert der Plot staubige Konzepte von klassenspezifischer Sexualität und statutarischer Unvereinbarkeit.

Das Heranziehen ökonomischer, familiärer und intellektueller Unterschiede sowie der 60er-Jahre-Provinz-Prüderie wirkt, als suche McEwan verkrampft einen Schuldigen, wo keine Schuld existiert. Das Debakel ist nicht mal tragisch genug, um ihm weiter nachzutrauern. Doch Cooke will augenscheinlich profunde Verlustgefühle wecken und bemüht darob vielsagende Aufnahmen von Dorsets klammer Küste, wo die beiden wortwörtlich gegensätzliche (Lebens)Wege einschlagen. Zwei optisch und dramaturgisch gleichermaßen unglaubhafte Zeitsprünge forcieren das Air überkonstruierter Theatralik. Melodramatik und Unbeholfenheit gegenüber der sensiblen Thematik unterwandern die substanziellen Charakterporträts, die der zerfaserten Romanze einziger Halt bleiben.

Kinostart: 21.06.2018

Beitragsbild © Prokino

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