Sully: Kritik zur Heldengeschichte vom Hudson River

Sophia Freiheit 25. November 2016 0
Sully: Kritik zur Heldengeschichte vom Hudson River

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst – dies ist auch Clint Eastwood klar gewesen als er von der Notwasserung der A320-214 im Hudson River hörte. Fast 8 Jahre nach dem Unglück kommt die Verfilmung der Heldengeschichte in die deutschen Kinos. In der Hauptrolle Tom Hanks als Captain Chesley Sullenberger. Der Film basiert auf der Autobiografie Sullenbergers: Man muss kein Held sein: Auf welche Werte es im Leben ankommt. 

Der Film erzählt von den wahren Ereignissen des 15. Januars 2009, an dem 155 Menschen die wohl schlimmsten Minuten ihres Lebens erlebten – sie sind an Bord des US Airways Flugs 1549 von New York nach Seattle. Aufgrund eines Vogelschlags fallen nach kurzer Zeit beide Turbinen aus und der Pilot Chesley Sullenberger, genannt Sully (Tom Hanks), muss die Maschine im Hudson River notlanden. Weder in der Luft, noch im Wasser kommt ein Mensch ums Leben. Sully wird als Nationalheld gefeiert, doch bei den Falluntersuchungen wird er von den Versicherungsfirmen an den Pranger gestellt und trotz der glimpflichen Landung werden seine Entscheidungen infrage gestellt. Trotz seiner 40 Jahre Flugerfahrung wird seine Karriere nach nur 208 Sekunden fast ruiniert.

Regisseur Clint Eastwood erzählt die Geschehnisse hinter der Heldengeschichte, eine Geschichte, zu der die Öffentlichkeit bisher keinen Zugang hatte und die vielmehr die Nachuntersuchungen als die Katastrophe selbst thematisiert. Die Notlandung wird also nur durch Flashbacks gezeigt und überraschenderweise verzichtet Eastwood auf unnötiges Drama und Panik und schneidet Einzelschicksale nur oberflächlich an. Damit ist der Blockbuster nicht der spannendste Film Eastwoods, da er aber auf realen Ereignissen basiert, weiß der Zuschauer sowieso was ihn erwartet. Eastwood wählt den plausibelsten Weg und konzipiert den Film als eine Art Dokumentation und trotz der fehlenden Spannung ist Sully hochemotional und berührt zutiefst durch Menschlichkeit. Jeder Mensch der jemals in einem Flugzeug saß kann sich in einen der Passagiere hineinversetzen und empfindet daher Mitgefühl und Empathie. So ist der ein oder andere Gänsehautmoment dabei. Trotzdem wäre es wünschenswert gewesen, dass nicht nur Sully und sein Co-Pilot Jeff Skiles (Aaron Eckhart) eine tiefgründigere Figurencharakteristik bekommen hätten. Sully und Skiles sind dafür umso besser gelungen und sind sowohl lustig als auch tragisch und menschlich. Es ist sicherlich keine Überraschung das Hanks großartig spielt und damit den Film sehenswert macht.

Drehort des Films war vorwiegend der original Schauplatz der Katastrophe – der Hudson River in New York. Die Szenarien sind spektakulär, vor allem wenn es sich um Visionen des Piloten handelt. Wie ein Flugzeug ungebremst inmitten von Hochhäusern im Gleitflug auf den Hudson River zurast sind einzigartige Bilder, die durch visuelle Effekte toll umgesetzt wurden.

Insgesamt ein Film über Mut, Nächstenliebe und Menschlichkeit der für einen Blockbuster ruhig noch etwas tiefer gehend sein könnte.

Sully startet ab dem 1. Dezember 2016 in den deutschen Kinos.

Beitragsbild: ©Warner Bros Pictures.

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