The Danish Girl: Über das Gefühl der Fremdheit

Marie-Hélène Lefèvre 2. Februar 2016 1
The Danish Girl: Über das Gefühl der Fremdheit

The Danish Girl dreht sich um das Schicksal des Malers Einar Wegener, der in den 20er Jahren als Lili Elbe zum Transgender-Pionier wurde. Seit Anfang Januar ist der Film auch bei uns in den Kinos zu sehen.

Fremd im eigenen Körper

Biotopics stehen in den vergangenen Jahren hoch im Kurs: Berühmtheiten kriegen ihren eigenen Film und ziehen durch ihre Bekanntheit viel Publikum ins Kino. Die Rechnung der Filmemacher geht dabei meistens auf. Umso schöner und wichtiger, wenn auch die für die breite Masse wenig Bekannten ihr filmisches Denkmal kriegen. Nachdem Roland Emmerichs Film Stonewall den wichtigen Ausgangspunkt der LGBT-Bewegung in der Chrsitopher Street inszenierte, widmet sich auch Regisseur Tom Hooper einem wichtigen Vorbild der Bewegung. Dabei beweist Hooper einmal mehr, dass er nicht nur lauten, dramatischen Stoff beherrscht (Les Misérables), sondern auch sehr ruhige und einfühlsame Töne einschlagen kann, wie er es in seinem Oscar-prämierten The King’s Speech 2010 schon tat.
Die größte Herausforderung bei der Inszenierung von Einars bzw. Lilis Lebensweg dürfte dabei gewesen sein, den Zuschauern das Gefühl der Fremheit im eigenen Körper zu vermitteln, was der Protagonist empfindet. Mit Eddie Redmayne (Die Entdeckung der Unendlichkeit) als Einar/Lilli hat Hooper einen geeigneten Schauspieler dafür gefunden. Auch Filmpartnerin Alicia Vikander (Ex Machina) überzeugt als Einars Ehefrau Gerda auf voller Linie. Bis in die Nebenrollen kann der Film mit seinen Darstellern glänzen: Ob Ben Whishaw (Spectre), Matthias Schoenaerts (Suite française) oder Sebastian Koch (Das Leben der Anderen).

Minimalismus & Komposition

Drehbuchautorin Lucinda Coxon hat sich in den knapp zwei Filmstunden auf das Wesentliche konzentriert: Die Handlung kommt zügig und ohne Umschweife zu dem Punkt, an welchem der erfolgreiche Maler Einar Wegener eine in ihm schlummernde Seite neu entdeckt: Er kleidet sich, angeregt von seiner Frau Gerda, als Frau, die sie Lili nennen, und fühlt sich darin unerwartet wohl. Das Verkleidungsspiel wird sehr schnell ernst, was erwartungsgemäß zu Spannungen zwischen ihm, Gerda und seinem Umfeld führt.
Die Filmhandlung ist so konzentriert und schnörkellos wie die Filmbilder. Ähnlich wie die Maler Einar und Gerda, die im Mittelpunkt stehen, haben Regisseur und Kameramann die Bilder wie Gemälde komponiert. Dabei erfahren wir genauso viel über Einar/Lili als auch über seine Frau Gerda und beider Gefühlswelten.
Die Konzentration und die Reduzierung auf die Beziehung der Beiden hat Vorteile aber auch einen Nachteil, deshalb eine Vorwarnung vorweg: Schaut Euch nicht den langen Trailer an, denn dieser enthält fast alle Schlüsselszenen des Films und wenn man diese schon kennt, kann der Film kaum noch überraschen.

Mehr Farbe im Kino!

Das Thema der Selbstfindung und -verwirklichung berührt auf jeden Fall und das liegt nicht nur an Redmaynes Spiel, sondern auch an den grausigen Bedingungen, gegen die Einar/Lili ankämpfen muss. Als Zuschauer leidet man mit und wünscht sich für Lili, dass es ihr gelingt dagegen anzukommen. Gleichzeitig realisiert man, dass obwohl Lilis Schicksal schon rund 100 Jahre zurückliegt, sich zwar verhältnismäßig viel für die LGTB-Bewegung verbessert hat, aber sie noch nicht zur Norm gehört. So muss sich auch Jeffrey Tambor als transsexuelle Maura in Amazons Transparent im 21.Jahrhundert noch gegen allerlei Widerstände behaupten. Umso wichtiger also, dass das Thema der Transsexualität weiterhin im Kino und den Medien der breiten Masse vertreten ist: Für mehr Regenbögen in Kino und Fernsehen!

Für alle Kinogänger und Interessierten hier der kurze Trailer:

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