The Doors: When You’re Strange (2009) Kritik: Band-Doku

Lida Bach 21. April 2016 0
The Doors: When You’re Strange (2009) Kritik: Band-Doku

Den Namen der Kultband inspirierte ein Zitat von William Blake: If the doors of perception would be cleansed everything would appear as it is: infinite. In weniger als neunzig Minuten fegt die Reportage von Dokumentarfilmer Tom DiCillo dahin. Viel zu schnell ist das mit O-Tönen und Archivaufnahmen vollgepackte Porträt der Band, die wie nur wenige die Musikgeschichte prägte, vorüber. Teils nie zuvor veröffentlichte Aufnahmen, Konzertmitschnitte und rares Archivmaterial macht die Entwicklung der Band greifbar. Den Hintergrundkommentar dazu liefert ein erklärter Fan: Johnny Depp. Mit der Band beschwört der Film eine Ära herauf, als deren letztes Aufbäumen Woodstock erscheint. Jimi Hendrix war eine der drei Rockikonen, deren Tod den der Hippiekultur symbolisierte. Ihm folgte Janis Joplin. Jim Morrison sagte, er sei die Nummer drei. Er sollte recht behalten.

Doch DiCillo ist nicht daran gelegen, eine weitere Hommage an die legendäre Band zu schaffen. Stattdessen durchleuchtet er kritisch den Mythos, der Sänger Jim Morrison bereits zu Lebzeiten zu verschlingen drohte. „Alles, was er tat, war entweder brillant oder brillant kalkuliert“, heißt es einmal. Die Rolle des Protagonisten einer grandiosen Rockoper wirkte auf Morrison zugleich abstoßend und faszinierend: „Illegitimate son of a rock ´n roll star, mom met dad in the back of a rock´n roll car“, sang er mit unüberhörbarem Bezug auf sich selbst. Die differenzierte Auseinandersetzung mit dem Schaffen der Band korrigiert das oft zugunsten Morrisons verzerrte Bild zu dem einer Einheit. So hält der Film, was der Titel verspricht, und liefert Einblicke in die Biografien von Drummer John Densmore, Robby Krieger, der die erste Hit-Single „Light my Fire“ schrieb, und Ray Manzarek, dessen Keyboardspiel den psychedelischen Klang der Songs ausmachte.

Faszinierende Einsichten mit Seltenheitswert

Dennoch entkommt der Regisseur nicht ganz der Faszination Morrisons. Unschuldig, tiefsinnig, hochintelligent, ein Poet sei er gewesen. Sieht man den Sänger über die Bühne toben, scheinen die Worte dann plötzlich doch nicht so hochtrabend. Die mitreißenden Liveaufnahmen vermitteln die Fremdheit der Doors in der Musikszene der Sechziger an. „People are strange when You´re a stranger“, verkündete sie auf ihrem zweiten Albums, auf dessen Cover Zirkusartisten zeigt. Ein Teil der Öffentlichkeit sah die Band mehr als Freak Show denn als Künstler. Diese Haltung verstärkte sich, als Morrisons Exzesse jenseits und auf der Bühne unkontrollierter wurden. Manche Besucher kamen in den späten Jahren nicht um der Musik willen, sondern um ihn ausflippen zu sehen. 1972 war es damit vorbei. Das kurze Leben des Sängers und der Doors endete abrupt. Da scheint es nur angemessen, dass auch der fesselnde filmische Trip schlagartig abreißt. When the musik is over, turn out the lights.

OT: The Doors: When You’re Strange

Regie: Tom DiCillo

Produktionsland: USA

Produktionsjahr: 2009

Verleih: StudioCanal Deutschland

Länge: 90 min.

Kinostart: 1. Juli 2010

Beitragsbild © StudioCanal Deutschland

The Doors: When You’re Strange
Date Published: 04/21/2016
5 / 5 stars

The Doors: When You’re Strange (2009) Kritik: Band-Doku
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