Kritik zu „Thor: Tag der Entscheidung“ – Asgard sind die Menschen und nicht der Ort

Christoph 22. Oktober 2017 0
Kritik zu „Thor: Tag der Entscheidung“ – Asgard sind die Menschen und nicht der Ort

Mit dem dritten Teil von Thor sollte frischer Wind in die Marvel-Maschine geweht werden. Filme wie Guardians of the Galaxy oder der neue, heimgekehrte Spider-Man machen nicht nur finanziellen Druck in den eigenen Reihen des Marvel Cinematic Universe, sondern auch kreative Konkurrenz. Die Kinogänger wollen nicht immer das Gleiche mit anderen Gesichtern vorgesetzt bekommen. Der Teaser zu Thor: Ragnarok hat viel Farbe, eine gewichtige grüne Sympathiefigur und jede Menge Action mit den Kritikerlieblingen Cate Blanchett und Jeff Goldblum versprochen. Außerdem erinnert das Titeldesign so stark an „HE-MAN: Master of the Universe“, dass das Paket „Thor 3“ förmlich nach einem gut geschnürten Marketingkonzept aussieht, das es allen recht machen will. Ach egal, es soll ja Spaß machen, also dann mal los:

Thor (Chris Hemsworth) und Loki (Tom Hiddelston)müssen Abschied von Vater Odin (Anthony Hopkins) nehmen, wodurch die versteckte, bösartige Schwester Hela (Cate Blanchett) befreit wird. Diese ist natürlich wahnsinnig stark und unbezwingbar, so dass sie ihre Brüder mal eben auf dem Flug zurück nach Asgard aus dem „Spacelift“ wirft. Der Müllplanet auf dem sie landen gehört dem Grandmaster (Jeff Goldblum), der zu seiner und der Unterhaltung der Bevölkerung Gladiatoren-Wettkämpfe austrägt. Thor muss schnellsmöglichst mit der Hilfe von Hulk (Mark Ruffalo) und Valkyre (Tessa Thompson)  von dem Planeten weg, um seine eigene Heimat Asgard vor Hela zu retten.

Soviel zum recht überschaubaren Plot. Wenn man es genau betrachtet, ist die Geschichte fast wie eine Dragonball-Saga: Bösewicht taucht auf, Hauptfiguren werden in kürzester Zeit umgehauen, Hauptfigur erlernt besondere Fähigkeit, die ihr am Ende zum Sieg verhilft. So eine Handlung kann funktionieren, wenn die Bilder gut sind, die Darsteller spitze und es schnelle, einfallsreiche Action gibt. Das Ganze mit ein paar Witzen abgerundet und es ergibt zwei Stunden Kinospaß. Aber hier haben mich vor allem die Witze leider nicht wirklich aus der Realität geholt. Es sind einfach zu viele und auch zu viele flache dabei, worüber vielleicht  die 10-Jährigen noch lachen. Aber Hulk liefert ein paar gute Lacher und holt die Kohlen, zumindest in der Gesamtsumme, aus dem Feuer.

Jeff Goldblum als Grandmaster ist leider zu sehr improvisiert und erzeugt nur müdes Schmunzeln. Cate Blanchett als Hela überzeugt trotz der nicht spannenden Hintergrundgeschichte und man merkt ihr den Spaß, einmal abseits der schweren Themen zu drehen, an. Skeptischer bin ich eher bei Tessa Thompson, die eigentlich nur gelangweilt und besoffen durch die Geschichte schleift. Was ihre besonderen Fähigkeiten betrifft, bin ich bis zum Ende unschlüssig, welche es gewesen sein sollen. Die Action und Effekte sind zeitgemäß, aber auch nicht mehr. Ich vermute, dass es ein Fehler war, Taika Waititi (5 Zimmer Küche Sarg) für den Regiestuhl zu buchen. Vielleicht ist er ein guter Filmemacher, aber für ein so großes Filmbudget fehlt es ihm wohl an Fokus für die Geschichte und auch an Durchsetzungsvermögen gegenüber den zielgruppenorientierten Wünschen des Studios. Aber ein echtes Tier einfach mal um das Zehnfache zu vergrößern und billig in den Hintergrund zu setzen, hat ihm dummerweise keiner ausgeredet. Das sah so seltsam aus, dass selbst der Popcorn futternden Youtube-Meute in der Pressevorstellung die Maiskugeln kurz im Hals stecken blieben.

Ich übe hier viel Kritik, die mit der Frage nach dem Geschmack beiseite gewischt werden kann. Aber ein Punkt lässt sich benennen, der schlichtweg ein Fehler an oberster Stelle war. Der letzte veröffentlichte Trailer zu Thor: Ragnarok enthält so gut wie den kompletten Inhalt des 130-minütigen Films inklusive bester Szenen. Warum hat Disney sich nicht einfach mit dem Auftritt von Hulk auf die Zunge beißen können. Nein, nach knapp einer Stunde wird mit einem sinnlosen Spannungsbogen in der Kämpfer-Arena erklärt, dass jetzt Hulk aus den Toren kommt und gegen den Helden antritt.  So kann man den Fans auch das letzte bisschen Überraschung vor dem Kinoerlebnis nehmen. Aber ein paar kleine Überraschung verbleiben, soviel sei verraten.

Thor: Ragnarok beginnt stark mit einer Actionszene wie aus einem Heavy-Metall-Plattencover, verrennt sich jedoch in einem bunten Witzewettstreit mit schlechter Videospiel-Musik und endet in einem Showkampf, der kaum Spannung erzeugen zu vermag. Hätten sich die Drehbuchautoren den Satz: „Asgard sind die Menschen und nicht der Ort“ doch zu Herzen genommen, anstatt ihn uns drei Mal am Ende des Films gelangweilt vorzubeten.

Kinostart ist der 31.10.2017

Thor: Tag der Entscheidung
Date Published: 10/22/2017
3 / 5 stars

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