Varg Veum: Kritik zur DVD-Box mit 6 skandinavischen Thrillern

Thomas Neumeier 4. Dezember 2014 0
Varg Veum: Kritik zur DVD-Box mit 6 skandinavischen Thrillern

Varg Veum, der „einsame Wolf“, zieht auch hierzulande wieder seine Kreise. Freunde skandinavischer Thriller-Kost verschlingen und verehren entgegen mancher Gerüchte nicht alles, was vom hohen Norden in unsere TV-Landschaft schwappt oder den DVD-Markt erweitert. Dass die Reihe Varg Veum um seine gleichnamige Hauptfigur weitergeführt wird, dürfte allerdings kaum jemanden brüskiert haben. Trond Espen Seim verkörpert den Titelhelden per excellence. Die raue Schönheit norwegischer Wälder, Küsten und Nebeltäler wird in betörenden Bildern eingefangen, die dank überzeugendem Storyplotting sechs wendungsreiche Thriller komponieren.

Dank seiner Freundin Karin ist der einsame Wolf dieser Tage nun nicht mehr so einsam. Doch dies wäre keine Thriller-Reihe, wären Varg geruhsam glückliche Tage in trauter Zweisamkeit beschieden. Fehler und Versäumnisse aus der Vergangenheit, Karins vermisste Schwester oder korrupte Ex-Kollegen konfrontieren ihn mit den Schattenseiten seines Berufs als Sozialpädagoge und Privatdetektiv. Sie ziehen ihn in die Machenschaften von Menschenhändlern, eines Rüstungskonzerns und einsamen Rächern. Dass Varg über Freunde oder Bekannte stets persönlich von seinen Fällen betroffen ist bzw. überhaupt erst in sie verwickelt wird, markiert den einzigen Abglanz in den servierten Geschichten. Man muss schon außerordentliches Pech haben, wenn einem sämtliche Bekanntschaften über kurz oder lang in lebensbedrohliche Situationen führen, nur weil man ihnen helfen will. Dieses unbedeutende Manko außer Acht gelassen, erwarten den Zuschauer sechs beispielhaft geschriebene und dicht inszenierte Thriller mit oftmals harten Sequenzen und kompromisslosen Entwicklungen. Im Gegensatz zu den geläufigen Krimis in der deutschen TV-Landschaft ist hier ein Happy-End keineswegs garantiert. Niemand ist unangreifbar, und wer in Sicherheit und unschuldig erscheint, ist es am allerwenigsten. Die mal missliebige, mal dankbare und immer augenzwinkernde Freundschaft zwischen Varg und Kommissar Hamre sorgt für die notwendige Auflockerung.

Die Inszenierung, die Kamerafahrten und auch die gelegentlichen Materialschlachten haben Kino-Niveau. Die Luftpanoramen des Gletschers in „Geschäft mit dem Tod“ braucht in Sachen Bild und Schärfe den Vergleich mit den Alpenkulissen aus dem französischen Thriller-Highlight „Die purpurnen Flüsse“ nicht zu scheuen. Es ist mehr als offensichtlich, dass hier mit bedeutend höheren Budgets jongliert wird als die, auf die deutsche Krimis gewöhnlich zurückgreifen können. Auch traut man sich mehr. Klarer Ton, scharfe Bilder und als Bonus 15 Minuten Making-of sind ein netter Fan-Service. Kommt der Einstieg mit „Zeichen an der Wand“ schon ziemlich brachial daher, erfährt die Reihe mit den Folgen 4 und 6 ihre dramatischen Höhepunkte. Ein Fest für Thriller-Freunde. 4,5 von 5 Sternen.

Die DVD Box „Varg Veum“ ist seit dem 3. November 2014 im Handel.

Informationen zur DVD-Box
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 3. November 2014
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer: 527 Minuten

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