Voice from the Stone (2017): Kritik zum Mystery-Drama mit Emilia Clarke

Mirjam Maier 24. Juni 2017 0
Voice from the Stone (2017): Kritik zum Mystery-Drama mit Emilia Clarke

Ein altes Haus in der Toskana in den 50er Jahren ist der atmosphärische Schauplatz von Eric D. Howells Mystery-Drama Voice from the Stone mit Game of Thrones-Star Emilia Clarke in der Hauptrolle. Was der Film inhaltlich zu bieten hat, erfahrt ihr in diesem Review!

Seit dem Tod seiner Mutter weigert sich der Junge Jakob (Edward Dring) zu sprechen. Verena (Emilia Clarke), eine junge und engagierte Krankenschwester, wird von Jakobs Vater Klaus (Marton Csokas) eingestellt, um dem Jungen zu helfen. Sie ist nicht die Erste, die sich dieser Aufgabe annimmt und entdeckt sehr bald Jakobs Geheimnis: Er hört seine tote Mutter aus dem Gemäuer zu ihm sprechen. Mehr dürfte an dieser Stelle fast nicht verraten werden, denn so simpel gestaltet sich das Grundgerüst der Handlung. Verenas fachliche Kenntnisse befähigen sie nicht, Jakob auf andere Art und Weise zu helfen, wie es womöglich bereits ihre Vorgängerinnen versucht haben und so erreicht sie auch keine bemerkenswerten Fortschritte. Und genau hier ist der Zuschauer gefragt umzudenken. Es geht nicht darum, welche Fortschritte Verena mit Jakob macht, es geht um die Fortschritte, die sie selbst macht, die Metamorphose, der sie langsam aber sicher erliegt. Rationale Erklärungen weichen, geben Raum für Zugeständnisse an das Übernatürliche. Dabei bleibt es rätselhaft, ob sich die Dinge in ihrem Kopf abspielen oder ob sie die Spielfigur in einem Plan ist. Wird Verdrängung zum Auslöser der Verwandlung? Man könnte es sich vorstellen: Die einsame Krankenschwester zieht von Ort zu Ort, ohne ein festes Zuhause, sitzt schließlich als Aktmodell für den Skulpteur Klaus, der den Stein, die eiserne Fassade, mit dem Meißel bearbeitet, mit Händen über das geschliffene Material kost und Verenas Leidenschaft entzündet. Verdrängte Einsamkeit, verdrängte Sexualität, die Aussicht auf eine Familie, ein anderes Leben… oder sind es die Geister aus dem Jenseits, die in das Diesseits eindringen und es formen?  Ein Fiebertraum, der die Sinne vernebelt und wenn man daraus erwacht, ist man wie neu geboren? Das steinerne Gemäuer beherbergt die Stimmen der Toten: Man kommt nicht umhin Parallelen zu Edgar Allan Poes The Black Cat zu ziehen. Die Last schwerer Steine führt zum Tod, der Steinbruch ist ein Grab, doch gleichzeitig ist der Stein Kunst – Verenas Schicksal wird in Stein gemeißelt. Ist es ihr Unterbewusstsein oder sind es die Geister, die es lenken?

Voice from the Stone ist, anders als der Trailer es vermittelt, keine Geschichte um ein Spukhaus. Es finden sich kaum Horror- oder gar Schockelemente, die Stimmung wird vornehmlich durch den Schauplatz kreiert und der Zuschauer befindet sich in einer konstanten Unsicherheit darüber, ob es das Übernatürliche ist, das hier und da in die Handlung einbricht oder ob es Verenas psychische Verfassung ist, der er nicht trauen kann. Der gesamte Cast liefert eine solide schauspielerische Leistung und vor allem Emilia Clarke weiß ihre Figur zum Ende hin emotional in Szene zu setzen. Wenn dem Zuschauer ein psychologischer Blick auf Verena gelingt und er sich von der Atmosphäre fesseln lässt, dann wird er mit Voice from the Stone eine visuelle Komposition von ästhetischen Bildern erleben, die nachhallt wie ein Echo, wie eine Stimme aus dem Stein – eine Stimme der Kunst.

Voice from the Stone ist ab dem 30. Juni 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Beitragsbild (c) Ascot Elite Home Entertainment

Wie hat Dir der Film gefallen?