Welcher Film sollte ein Remake erhalten? – Filmverliebt diskutiert

Ralf 13. März 2015 2
Welcher Film sollte ein Remake erhalten? – Filmverliebt diskutiert

Remake– der Begriff dient teilweise schon als Unwort der Filmbranche. Können sich die Studios und Produzenten denn nichts Neues einfallen lassen? Stattdessen greift man auf altes Material zurück und verdient damit hoffentlich schnelles Geld. Und dann kann ein Remake natürlich NIEMALS an die Qualität des Originals herankommen.

Natürlich war das jetzt etwas überspitzt ausgedrückt, doch in vielen Gesprächen mit Filmfreunden beobachte ich diese Haltung. Remakes werden als Symptom der Einfallslosigkeit von Hollywood angesehen und oftmals skeptisch betrachtet. Aufgrund der Tatsache, dass besonders Kultfilme gerne ein Remake erhalten (Mad Max, Planet der Affen, Tanz der Teufel…) erscheint es vielen auch unnötig, dass diese neu aufgelegt werden. Doch gibt es auch gute Gründe, warum ein Film ein Remake erhalten sollte. Zum einen ist hier der technische Fortschritt bei der Filmschaffung zu nennen, der den Filmcrews mehr Möglichkeiten einräumt. Teilweise sind Filme aber auch einfach schlecht gealtert, was Storytelling, vermittelte Botschaften oder Ansichten angeht und sind damit schwerer zugänglich für ein jüngeres Publikum- hier bietet sich eine frische Interpretation durch ein Remake an. Und manchmal ist es auch einfach der Fall, dass das Original sein Potenzial nicht voll ausschöpfen konnte und ein Remake einen Neustart erlaubt.

In der folgenden Ausgabe von filmverliebt diskutiert haben wir uns deswegen gefragt: „Von welchem Film würden wir gerne ein Remake sehen?“. Die Gründe dafür konnten beliebig sein, einige habe ich in der Einleitung schon genannt. Wie immer freuen wir uns natürlich auch über eure Meinung, welcher Film ein Remake erhalten sollte.

 Thomas Filmverliebt diskutiertDie Wahl von Thomas

Als Remake-Skeptiker hatte ich da keine leichte Entscheidung zu fällen. Ein Buch zweimal zu schreiben wäre doof. Ein Gemälde zweimal zu malen auch. Dass gute Filme irgendwann ein Remake erfahren, betrachte ich deshalb seit jeher mit Skepsis. Dem ist natürlich entgegenzuhalten, dass vielen Filmen Bücher zugrunde liegen, die man wiederum unterschiedlich interpretieren kann. Sei’s drum. Ich persönlich bin trotzdem dem Kopfschütteln näher als dem Freuen, wenn die Remake-Lawine der letzten zehn Jahre neues Futter bekommt. Am meisten graut mich, dass eines Tages wohl auch Sergio Leones Italo-Western-Klassiker geremaked werden.

Welchen Film möchte ich also geremaked wissen? Aus Prinzip gar keinen. Andererseits hätte es dann seit Errol Flynn keinen Robin Hood mehr im TV oder im Kino gegeben, und das wäre auch doof gewesen. So bin ich also bereit, hinzunehmen, dass Bücherstoffe gern öfter als einmal verfilmt werden und Bücherverfilmungen ruhig geremaked werden dürfen. Mein Votum geht an Kubricks Uhrwerk Orange (1971). Angesichts steigender Gewaltbereitschaft und zunehmender Brutalität bei jungen Menschen und dem scheinbaren Niedergang sämtlicher Hemmschwellen, wäre der Stoff hochaktuell, um neu interpretiert zu werden. Auch die um sich greifende Korruption jedweder Institutionen könnte, wie schon in Kubricks Verfilmung, wunderbar eingearbeitet werden. Jede Instanz tut das aus ihrer Sicht Richtige (oder gaukelt es der Bevölkerung zumindest so vor), verfolgt dabei allerdings immer nur die eigenen Interessen auf Kosten von Freiheit und Selbstbestimmung. Die Brave New World grüßt.

Video: (c) Warner Bros.

Florian filmverliebt diskutiertDie Wahl von Florian

Ich glaube mit meiner Meinung über Remakes stehe ich vermutlich eher im Abseits. Denn generell halte ich sie nicht für überflüssig, sondern weiß sie sehr wohl zu schätzen, wenn sie eine gewisse Qualität erreichen. Zumindest äußere ich mich im Vorfeld nie wirklich skeptisch (außer vielleicht beim Nackte Kanone Reboot). Filme wie „Dawn of the Dead“, „Krieg der Welten“ oder „Das Ding aus einer anderen Welt“ zeigen, dass Remakes unterhaltsam sein können.

Es ist sehr schwierig, unter der Vielzahl an möglichen Filmen, weil sie entweder in ein hohes Alter gekommen sind, oder weil die Umsetzung dann doch nicht optimal war, diesen einen Film herauszusuchen, der ein Remake verdient hätte. Vielleicht der Science-Fiction-Klassiker Fahrenheit 451 (1966)? Nicht, weil er so mies oder zu alt ist, sondern weil die Geschichte eindringlich ist und es nie genug filmische Dystopien geben kann. Oder doch Flucht ins 23. Jahrhundert (1977)? Ein interessante Wahl wäre vermutlich auch Die Fliege (1958, 1986) – sozusagen als Remake vom Remake – oder vielleicht etwas abgewandelt Welt am Draht (1973)? So könnte es ewig weitergehen. Eine Entscheidung vermag ich nicht zu fällen.

Video: (c) Universal Pictures

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  • Jan Werner

    Ich wäre für ein Miss Marple Remake! Auch heute dominieren doch vor allem im Krimigenre noch die männlichen Detektive, Spione und Polizisten. Da wäre es doch ein guter Beitrag zur Gender-Debatte, wenn man der schrulligen Ermittlerin einen modernen Anstrich verleiht. Vielleicht mit Helena Bonham-Carter in der Hauptrolle 😉

  • Ma-Go Filmtipps

    Auch ich habe prinzipiell nichts gegen Re-Makes, wobei einige sich dann leider doch als unnötig und lieblos umgesetzt herrausstellen. Ähnlich wie Tobias finde ich die Idee eines neuen weißen Hais echt cool!
    Ich selbst würde mir ein Re-make des TV Films „Brave New World“ (Romanverfilmung von Aldous Huxley) wünschen. Das war so weit ich weiß auch mal im Gespräch, als Ridley Scott das Projekt angehen wollte. Scheinbar ist da aber nichts drauß geworden. Schade, ich würde mich darauf freuen :)