Coherence: Kritik zum etwas anderen Science-Fiction-Film

Florian Erbach 29. Dezember 2014 0
Coherence: Kritik zum etwas anderen Science-Fiction-Film

Es gibt guten Wein, viele Geschichten werden erzählt und die Stimmung ist gelöst. Acht Freunde treffen sich nach längerer Zeit mal wieder zu einem gemeinsamen Abendessen. Ein an der Erde vorbei fliegender Komet wird zwar zur Kenntnis genommen und Geschichten darüber erzählt, dass Kometen durchaus auch Auswirkungen auf Menschen haben können – doch warum sollte man sich weiter darüber Gedanken oder gar Sorgen machen? Als dann jedoch der Strom ausfällt und sich merkwürdige Ereignisse häufen, wandelt sich das gemütliche Abendessen in einen wahren Psycho-Alptraum, bei dem die Realität schnell aus den Fugen gerät.

Coherence heißt diese Indie-Perle, bei der ein Komet, acht Menschen und ein Wohnzimmer im Mittelpunkt stehen. Was anfänglich noch wie ein typisches Paar-Drama oder wie eine Soap-Folge wirkt, entwickelt sich spätestens nach einem Stromausfall zu einem fesselnden Mystery-Science-Fiction-Kammerspiel. Bei Coherence gibt es allerdings – wie man bei der Kategorisierung „Science-Fiction-Film“ denken könnte – keinerlei visuelle Leckerbissen, keine Spezialeffekte oder animierte Augenöffner. Alles spielt sich im Kopf ab und die Spannung nährt sich nicht aus einer künstlichen visuellen Umgebung, sondern aus dem schnellen Vorantreiben der Geschichte, der guten Schnitte und Kameraführung und letztendlich auch aus der hervorragenden Dramaturgie. Es sind die Gespräche und Reaktionen, das Mysteriöse und das Unfassbare, weshalb Coherence zu Recht als einer der besten Science-Fiction-Filme der jüngeren Zeit betitelt wurde.

Coherence stammt aus der Feder von James Ward Byrkit, der auch auf dem Regiestuhl Platz nahm. Vorher war Byrkit unter anderem an Rango oder Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten beteiligt. Coherence ist allerdings der erste Film, bei dem er Drehbuchautor und Regisseur zu gleich war und man merkt ihm quasi an, dass er sich von strengen Zügeln lösen wollte und bei seinem ersten eigenen Projekt andere Wege gehen wollte. Nicht nur die gesamte Aufmachung ist ungewöhnlich minimalistisch, sondern auch die Entstehung des Films ist eher unkonventionell gewesen.

So wurde der Film an wenigen Abenden und in dem Wohnzimmer von James Ward Byrkit abgedreht. Die Schauspieler bekamen kein Drehbuch ausgehändigt, sondern an jedem Abend einen Zettel mit Informationen und dem Hintergrund der zu spielenden Figur. Die Eckpunkte der Geschichte waren somit klar, dennoch war viel Improvisationstalent gefordert. Wesentlich spannender ist hieran aber, dass die Schauspieler untereinander nicht immer wussten, was nun genau passiert. Das merkt man Coherence im weiteren Verlauf auf jeden Fall an: Die mysteriöse Stimmung und das Unglaubliche werden für den Zuschauer greifbar und man fühlt sich beinah in die Mitte der acht Freunde versetzt. Das Ziel war nach Byrkit „make a living room feel bigger than just a living room“ – das ist ihm definitiv gelungen.

coherence schauspieler wohnzimmer

Der gesamte Coherence-Cast

Fazit zu Coherence:

Coherence zeigt, dass man mit wenigen und ganz einfachen Mitteln einen wahnsinnig spannenden und intelligenten Science-Fiction-Thriller kreieren kann. Man braucht keine Millionen in teure und auf Dauer oft ermüdende Spezialeffekte investieren. Coherence ist ein bis zur letzten Minute spannender Genre-Mix, der die Zuschauer zum Miträtseln einlädt und im Verlauf eine sehr interessante Geschichte entfaltet. Gerade vor dem Hintergrund des absoluten Minimalismus und der Spannung ist Coherence für mich eines der Highlights 2014 gewesen.

Kurzum: Wer mal wieder einen richtig guten US-Independent-Film sehen möchte und Science-Fiction nicht nur mit CGI/Spezialeffekten in Verbindung bringt, sollte unbedingt ins Kino gehen und sich diese Sci-Fi-Perle gönnen! Kinostart war der 25. Dezember 2014. Coherence – ein absolut empfehlenswerter Film und Byrkit hat sich definitiv für höhere Aufgaben empfohlen. Hingehen!

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