Die Entdeckung der Unendlichkeit (2014): Kritik zum biografischen Film über Stephen Hawking

Ralf 21. Dezember 2014 0
Die Entdeckung der Unendlichkeit (2014): Kritik zum biografischen Film über Stephen Hawking

Meine geliebte Sneak-Preview, sie kann so unglaublich launisch sein. Jeden Mittwoch zeigt eines meiner Lieblingskinos einen davor nicht genannten Film und man weiß damit nie, was einen erwartet. Manchmal trifft man auf unbekannte Perlen, selten sogar auf Blockbuster (Freunde hatten bei einer Sneak das Glück Guardians of the Galaxy zu sehen!) aber sehr häufig auch auf schlechtere Werke. Doch mit Die Entdeckung der Unendlichkeit durfte ich zum Jahresabschluss nochmal einen Film erleben, welcher mich emotional sehr berühren konnte. Deutscher Filmstart ist hierbei übrigens der 25.12.2014.

Der eigene Körper als Feind

Wir befinden uns im Cambridge der 60er Jahre. Stephen Hawking ist ein brillianter, aber auch gleichzeitig unscheinbarer Physikstudent, obwohl er seinen Studienkollegen intellektuell weit voraus zu sein scheint. Auf einer Feier lernt er die Kunststudentin Jane Wilders kennen, welche seine große Liebe und zukünftige Ehefrau sein wird. Die Beziehung der beiden wird jedoch auf eine harte Probe gestellt, als bei Stephen eine neuronale Erkrankung diagnostiziert wird und er angeblich nur noch 2 Jahre zu leben hat. Doch trotz aller Widrigkeiten und Schwierigkeiten nehmen beide die Herausforderung an und verfolgen ihre Träume und Ziele- sowohl in romantischer, als auch in wissenschaftlicher Hinsicht.

Die Entdeckung der Unendlichkeit ist ein emotional sehr berührender Film, der besonders von der Beziehung der beiden Hauptcharaktere lebt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass zu Beginn deren Kennenlernen und das gegenseitige Finden im Vordergrund stehen. Teilweise empfand ich einige Szenen hier als zu langatmig und klischeebehaftet, doch aufgrund der Bedeutung des Verhältnisses der beiden Figuren ist dies verständlich. Gleichzeitig bereitet der Film durch kleine Andeutungen den Zuschauer schon sehr schnell auf die beginnende Erkrankung von Stephen vor – ein verschütteter Kaffee hier, ein unsicherer Schritt dort dienen als Warnung und Vorankündigung des kommenden Dramas. Der Film beschränkt sich nämlich nicht nur auf die Anfänge des gemeinsamen Lebens von Stephen und Jane, sondern erzählt über einen längeren Zeitraum von stattfindenden Ereignissen, Widrigkeiten, aber auch Freuden.

Besonders bedeutsam sind hierbei natürlich die wissenschaftlichen Leistungen von Stephen im Bereich der Physik und die mit seiner Krankheit verbundenen Probleme. Die Beobachtung des zunehmenden Verfalls dieser so herzlich und sympathisch dargestellten Figur und des Einflusses auf seine Mitmenschen berührte mich wie schon lange kein Film mehr. Aber keine Sorge, Die Entdeckung der Unendlichkeit enthält nicht nur traurige Szenen. Gerade wegen der Schwere der Situation weiß man die fröhlichen und humorvollen Elemente der Geschichte noch mehr zu schätzen. Besonders Stephen begegnet seiner Bürde oftmals mit einem außergewöhnlichen Humor, was zu erfrischend fröhlichen und witzigen Szenen führt. Insgesamt gab es in diesem Jahr keinen Film, die mich so gut gleichzeitig fröhlich und nachdenklich stimmen konnte.

Die Glanzleistung des Eddie Redmayne

Den maßgeblichen Anteil an der Wirkung dieses Filmes tragen seine Schauspieler. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei natürlich auf Eddie Redmayne als Stephen Hawking und Felicity Jones als Jane Wilde Hawking. Erschien mir der Charakter von Jane zu Beginn des Filmes noch sehr eindimensional, so verleiht Jones ihr im Laufe des Filmes immer mehr Charakter. Und dies sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne. In Zeiten des Glücks glaubt man Jane ihre Freude und Liebe für Stephen zu 100 %, gleichzeitig kann man aber auch ihren Umgang mit schwierigen Situationen glaubhaft nachvollziehen.

Eine schlichtweg brilliante Leistung liefert aber Eddie Redmayne ab. Sein dargestellter Stephen Hawking ist so unglaublich liebenswürdig und lebensfroh, dass man sich als Zuschauer geradewegs in ihn verlieben muss. Auch die Schauspielerei der Auswirkungen der Krankheit ist absolut glaubwürdig und vermittelt die zu ertragenden Einschränkungen und Belastungen. Bei einigen Szenen kam es mir wirklich so vor, den echten Stephen Hawking aus Dokumentationen oder Fotos vor mir zu sehen. Eine perfekte Besetzung für diese Rolle, mehr kann man dazu nicht sagen.

Mir fiel es im Nachhinein schwer, große Kritikpunkte zu dem Film zu finden. Der Anfang ist etwas langatmig und auch einige der folgenden Szenen wirken ein paar Minuten zu lange. Dieses Problem beobachte ich aber oftmals bei biografischen Filmen, da diese meist keinen klassischen Spannungsbogen aufweisen. Dennoch ist Die Entdeckung der Unendlichkeit zu keinem Zeitpunkt wirklich langweilig und liefert mir eine der besterzählten Geschichten des Jahres 2014.

Fazit zu Die Entdeckung der Unendlichkeit

Die Entdeckung der Unendlichkeit ist ein Film der guten Kombinationen. Er ist berührend ohne kitschig zu sein, komisch ohne albern zu sein und interessant ohne abgehoben zu sein. Über 2 Stunden hinweg darf man an der Lebensgeschichte zweier Personen teilhaben, die beide auf ihre eigene Art und Weise bewunders- und gleichzeitig bedauernswert sind. Einer meiner Geheimtipps dieses Jahres!

(c) Universal Pictures

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