„Hail, Caesar“ Kritik: Hollywoodsatire der Coen-Brüder eröffnet die 66. Berlinale

Nadine Emmerich 11. Februar 2016 0
„Hail, Caesar“ Kritik: Hollywoodsatire der Coen-Brüder eröffnet die 66. Berlinale

George Clooney muss bei den Regie-Brüdern Ethan und Joel Coen immer bluten. Vier Filme drehte er bereits mit den Feuilleton-Lieblingen mit dem schrägen Humor – und von Mal zu Mal ließen diese ihn dämlicher und wie einen „Idioten“ wirken, sagte Clooney am Donnerstag bei der Vorstellung des Berlinale-Eröffnungsfilms „Hail, Caesar!“. Als Schauspieler Baird Whitlock – im Römergewand und mit Schwert an der Hüfte – sympathisiert er dieses Mal mit naiver Begeisterung mit Karl Marx und dem Kommunismus. „Ich habe Spaß daran, dass sie sich über mich lustig machen“, betonte der 54-Jährige. Nicht nur er muss dran glauben, die Satire zieht das ganze Filmbusiness durch den Kakao.

Es sind die 50er, goldene Zeiten des Kinos, „eine romantische Version Hollywoods“, sagte Joel Coen: Big Boss Eddie Mannix (Josh Brolin, „No Country For Old Men“) zieht im Alltagswahnsinn des Filmstudios alle Strippen. Und vertuscht souverän die Skandale seiner Stars  – wie das drohende Imageproblem der mit einem unehelichen Kind schwangeren DeeAnna Moran (als Badenixe mit grünem Meerjungfrauenschwanz: Scarlett Johansson).

Clooney kündigt Treffen mit Merkel an

Komplizierter wird es, als Whitlock, Held eines Monumentalschinkens, von kommunistischen und sich ausgebeutet fühlenden Drehbuchautoren entführt wird. Und zwei Klatschreporterinnen (Tilda Swinton in einer Doppelrolle) ihm auf die Pelle rücken und eine nicht jugendfreie Story aus dem Intimleben des Gekidnappten publizieren wollen. Gleichzeitig baggert ein Rüstungskonzern an Mannix, um dessen exzellente organisatorische Fähigkeiten in die eigenen Dienste zu stellen.

Der außer Konkurrenz laufende „Hail, Caesar!“ ist ein großer Popcornkinospaß – und mit seinen Szenen aus Musical, Western und Krimi sowie diversen Anspielungen auch Ritt durch die Filmgeschichte und Hommage an das Kino. Doch trotz der Traumbesetzung Clooney, Brolin, Johansson, Swinton, Ralph Fiennes und Channing Tatum (als steppender Matrose in geheimer Mission) kommt die lockere Komödie insgesamt eine Spur zu brav daher. Das können die Kult-Brüder eigentlich noch besser und bissiger. In den USA legte der Film den bisher schwächsten Start aller Coen-Werke hin.

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hat sich mit seiner Einladung in den Wettbewerb aber allemal einen glamourösen roten Teppich für den ersten Abend gezaubert: Neben Clooney und den vierfachen Oscar-Gewinnern Ethan und Joel Cohen, die bereits 2011 mit „True Grit“ das Festival eröffneten, waren auch Brolin, die ehemalige Jury-Präsidentin Swinton und Tatum angereist. Und schwere Kost kommt im Wettbewerb erfahrungsgemäß noch früh genug. Eine erste politische Ansage machte am Donnerstag übrigens Clooney: Er wolle sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen, um mit ihr über Flüchtlinge zu sprechen.

Kinostart für „Hail, Caesar“ ist der 18. Februar.

„Hail, Caesar“ Kritik: Hollywoodsatire der Coen-Brüder eröffnet die 66. Berlinale
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