The Shannara Chronicles – Meinung zur Pilotfolge der Fantasy-Serie

Ralf 9. Januar 2016 1
The Shannara Chronicles – Meinung zur Pilotfolge der Fantasy-Serie

Wie überbrücke ich als Fan von Serien und Fantasy am besten die Wartezeit bis zur neuen Staffel von Game of Thrones? Ja, diese Frage brachte mich letztendlich dazu, den Piloten zu The Shannara Chronicles anzusehen. Doch welchen Ersteindruck hinterlässt die von MTV (ja, der „ehemalige Musiksender“!) in Auftrag gegebene Fantasyserie? Finden wir es heraus.

Postapokalypse mit Elfen und Dämonen

Die Vorlage für The Shannara Chronicles liefern die Shannara-Romane des US-Autors Terry Brooks – welche ich übrigens nicht gelesen habe. Somit kann ich auch keinen Vergleich zwischen Original und Umsetzung durchführen. Handlungsort dieser Bücher ist unsere gute, alte Erde in einer entfernten Zukunft. Nach Kriegen wurde die Weltbevölkerung in ihrer Entwicklung in das finstere Mittelalter zurückgeworfen. In den Vier Ländern, welche als Schauplatz der Geschichte dienen, finden sich nur noch Ruinen und Überreste der alten Technologien. Dafür tauchte in der Vergangenheit Magie plötzlich auf, welche zum Zeitpunkt der Serie jedoch ebenfalls nur noch ein Mysterium ist. Ebenfalls in das Reich der Legenden gehören die Dämonen, welche angeblich in der Vergangenheit in einen großen Krieg gegen die anderen Erdbewohner zogen. Klarer Fakt dagegen ist jedoch, dass sich die Bewohner der Erde selbst verändert haben. Wo früher nur Menschen zu finden waren, finden sich nun auch Rassen wie Elfen, Trolle oder Zwerge – Konflikte sind dabei natürlich vorprogrammiert.

Die Handlung des Piloten folgt hierbei der jungen Elfe Amberle (Poppy Drayton) und dem Halbelfen Wil (Austin Butler). Amberle ist die Enkelin des aktuell herrschenden Elfenkönigs und wird im Piloten zu einer Hüterin des Baumes Ellcrys. Dieser magische Baum dient angeblich als Schutzbarriere gegen die verbannten Dämonen, wobei die meisten Elfen das nur noch als Legende sehen. Als jedoch plötzlich der Baum zu sterben beginnt, taucht der ominöse Druide Allanon (Manu Bennett) auf und warnt vor der Rückkehr der Dämonen. Laut ihm sind Amberle und Wil, der scheinbar über magische Fertigkeiten verfügt, die letzte Hoffnung der Welt.

Die Geschichte von The Shannara Chronicles trieft nur so vor klassischster Fantasy, auch wenn die Platzierung in einer Erde der Zukunft für interessante Szenen sorgt. Gleichzeitig bedient man sich im Piloten jedoch bekannter Klischees, wie dem ewigen Kampf von Gut gegen Böse. Wer hier die Vielschichtigkeit eines Game of Thrones erwartet hat, wird enttäuscht sein. The Shannara Chronicles setzt dagegen auf klassische Motive, wie beispielweise die spitzen Ohren der Elfen. Dennoch fühlte ich mich vom Piloten durchaus unterhalten. Die Serie hat mich nicht groß überrascht oder zum Nachdenken angeregt, aber durchaus Spaß gemacht.

Ein Grund hierfür mag die Geschwindigkeit sein, in der die Story voranschreitet – und diese ist schnell. Es wird nicht groß eine Situation aufgebaut und Hintergrundgeschichte erzählt. Nein, man geht gleich von einer Szene zur nächsten. Gerade am Anfang ist das zwar etwas anstrengend, aber besonders in der zweiten Hälfte der Handlung schreitet diese angenehm schnell voran.

Fantasywelt oder Laufsteg?

Dieses Erzähltempo hat jedoch seinen Preis. Die Charaktere wirken alle noch sehr oberflächlich und ohne spezielle Eigenheiten – selbst die Hauptakteure. Hier wird man jedoch sehen müssen, ob sich das im Laufe der 10 Folgen bessert. Gleichzeitig hat man ab und an auch das Gefühl, dass alles etwas zu schnell geht. In der einen Szene befinden sich Allanon und Wil noch in einer Höhle, in der nächsten in der Elfenstadt. Teleportation existiert anscheinend auch in dieser Welt? Auch wenn ich prinzipiell die schnelle Erzählweise begrüße, so sollte sie den Zuschauer nicht unnötig verwirren.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich auch die Darstellung der Charaktere. Mir fällt es schwer, in dem Setting eine postapokalyptische Welt in einer Form des Mittelalters zu sehen, wenn alle Figuren wie Unterwäschemodels aussehen. Perfekt sitzende Frisuren, kein Schmutzfleck auf der Kleidung und strahlend weiße Zähne. Mir wirkte das persönlich zu künstlich. Möglicherweise lag das jedoch auch daran, dass der Großteil des Piloten bei den Elfen stattfand – und diese sind nach Klischee ja in jeder Fantasywelt die Schönlinge!

Im Hinblick auf die Präsentation ist natürlich auch die audiovisuelle Gestaltung zu erwähnen. Und auch hier ist der Eindruck gemischt. So sind beispielsweise die Landschaftsaufnahmen (die Serie wurde in Neuseeland gedreht) sehr imposant gemacht und eine wahre Augenfreude. Auch die Szenerien und Bauwerke sind stimmungsvoll gestaltet und vermitteln die passende Fantasyatmosphäre. Unterstützt wird dies von einem epischen Soundtrack, der teilweise jedoch sogar zu bombastisch wirkt.

Der größte Kritikpunkt in dieser Hinsicht bleiben jedoch die Spezialeffekte. Diese werden nicht übermäßig eingesetzt und das ist gut so – man sieht ihnen in 90% der Fälle an, dass sie aus einem Computer stammen. Für mich persönlich ist das glücklicherweise nicht so wichtig, doch manch einer mag das als Stimmungskiller sehen. Besonders gegen Ende des Piloten gab es mehrere Szenen, wo dann selbst für mich die Darstellungen grenzwertig waren. Natürlich kann man nicht Effekte von der Kategorie eines Herrn der Ringe erwarten. Doch gleichzeitig stellt sich die Frage, ob eine solche Welt mit einem kleineren Budget dann überhaupt adequat dargestellt werden kann.

Mein Fazit zum Piloten der Shannara Chronicles

Ich persönlich bin der Meinung, dass diese Serie ein netter Zeitvertreib für zwischendurch ist, besonders wenn man Interesse an dem Setting hat. Die Geschichte ist nicht atemberaubend, aber doch solide genug, um kurzfristig zu unterhalten. Positiv fallen besonders die Landschaftsaufnahmen und der meist sehr stimmige Soundtrack auf, welche die Fantasyatmosphäre aufgreifen.

Meiden sollte man diese Serie, wenn man Probleme mit typischen Fantasyklischees oder zu offensichtlichen Spezialeffekten hat. Dieses ziehen sich als roter Faden durch den gesamten Piloten und sind damit einfach nicht zu ignorieren. Insgesamt würde ich jedoch jedem raten, The Shannara Chronicles zumindest eine Chance zu geben. Ich werde mir wahrscheinlich auch die nächsten Folgen ansehen, um ein genaueres Bild zu gewinnen.

Die Serie ist hierbei auf Deutsch und Englisch bei Amazon Video abrufbar. Neue Folgen erscheinen jeden Mittwoch.

(c) Beitragsbild: Concorde Filmverleih

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    Ich finde die Figuren bzw. die Darsteller einfach zu glatt. Sieht aus, als seien die alle von einer Modelagentur. Werde auch weiterschauen, aber der große Wurf ist es definitiv nicht.