Toni Erdmann (2016) Kritik: Den Humor nicht verlieren

Mirjam Maier 28. Dezember 2016 0
Toni Erdmann (2016) Kritik: Den Humor nicht verlieren

Wer kennt den Wunsch nicht, am liebsten im Erdboden versinken zu wollen, wenn die Eltern mal wieder peinlich sind? Diesen Wunsch hegt Ines (Sandra Hüller) in Maren Ades Film Toni Erdmann sicherlich mehr als ein Mal. Und auf genau diesem Wunsch, diesem Gefühl der Verlegenheit, fußt der trockene Humor des Films, der zwischen Drama und Komödie pendelt.

Ines Conradi hat es beruflich weit gebracht. In Bukarest arbeitet sie an ihrer Karriere als Unternehmensberaterin bei Morrison und lässt sich zu Hause in Aachen nur noch selten blicken. Und wenn, dann ist sie selbst dann nur dabei Geschäftsgespräche über ihr Handy zu führen. Als der Hund ihres Vaters Winfried (Peter Simonischek) stirbt, findet dieser die Zeit seiner Tochter einen Überraschungsbesuch abzustatten. Diese zeigt sich wenig begeistert davon und da sie kaum Zeit für ihren Vater in ihrem Terminkalender einräumen kann, begleitet er sie zu ihrer Arbeit und erfährt ihren Alltag hautnah. Bereits zu Beginn des Films lernen wir Winfried als einen etwas skurrilen und mit trockenem Humor ausgestatteten Menschen kennen. Wie man erahnen kann, trägt genau das zu den eingangs erwähnten peinlichen Situationen bei und lockert den Film, dem ein durchaus ernster Ton zugrunde liegt, auf. Ines wirkt alles andere als lebensfroh, viel mehr erscheint sie gestresst und ausgelaugt. Sie dreht sich in einer Spirale aus Arbeit und Erfolgsdruck. Dabei hat sie ihren Humor verloren. Etwas, das ihr Vater auf skurrile Weise in ihr Leben zurückbringt, als er als Toni Erdmann mit falschen Zähnen und Perücke in ihren Alltag tritt.

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Sandra Hüller und Peter Simonischek spielen ihre Figuren so natürlich, dass es Freude bereitet ihnen dabei zuzusehen, wie sie von einer Situation in die nächste geraten. Gleichermaßen gewinnt der Film dadurch, trotz einigem Absurden, an Authentizität. Nicht umsonst hat Toni Erdmann einige Filmpreise mit nach Hause genommen und steht auf der Oscar-Shortlist für den besten nicht-englischsprachigen Film. Mit 162 Minuten ist der Film nicht gerade kurz geraten, doch um seinen Charakteren eine Chance zur Entwicklung zu geben, braucht er diese Zeit. Diese verschwendet Maren Ade nicht damit Sehenwürdigkeiten zu zeigen, sondern konzentriert sich ganz auf ihre Figuren und den Raum, der sie formt. Manchen mag Toni Erdmann mit seiner ruhigen Erzählweise zu langatmig sein, womöglich ist auch der Humor nicht jedermanns Sache. Für mich persönlich zeichnet Maren Ade mit ihrem Film eine Geschichte nach, die unsere Zeit widerspiegelt und die mit ihrem skurrilen Charakter Toni Erdmann einen neuen Blickwinkel ins Spiel bringt.

Toni Erdmann ist ab sofort auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Beitragsbild (c) NFP marketing und distribution / *AffiliateLink

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