A Ghost Story: Kritik zum traurigkomischen Geisterdrama

Lida Bach 11. November 2017 0
A Ghost Story: Kritik zum traurigkomischen Geisterdrama

Was geschieht mit den Menschen, die sich beim Wechseln der Bettwäsche im Bezug verheddern und nie wieder herausfinden? Sie irren nach dem Tod weiter im Laken-Look herum und halten bisweilen inne, um wehmütig auf zerwühlte Betten zu starren. So wie Casey Affleck, der in David Lowerys tragikomischer Spuknovelle auf ähnliche Weise als stummer Beobachter zwischen Raum und Zeit driftet. Zu Beginn der sich mit dem zentralen Protagonisten immer weiter von Chronologie und Determination entfernenden Episode ist das trübselige Gespenst noch der Musiker C. Er lebt mit M (Rooney Mara), deren Persönlichkeit in der mäandernden Story noch konturloser bleibt als die seine.

Vermutlich sind M und C ein Paar, weil ihre Namensbuchstaben zusammen cool klingen. Oder, weil beide ein Faible für Zettel mit bedeutsamen Botschaften haben. Ein solches Briefchen versteckt M zu Beginn im Türrahmen des gemeinsamen Hauses, in dem C weiter präsent ist. In kurioser Ironie ist sein Geisterdasein so banal wie sein Unfalltod. Nachdem M seinen Körper im Krankenhaus zugedeckt hat, scheint das einzig Weltliche an ihm das Leichentuch. Darin durch die leer stehende Wohnung zu wandern und durch hohle Gucklöcher im Stoff anzusehen, wie rasch sein Eindruck auf der diesseitigen Welt verblasst, stimmt schon traurig. Aber, hey, es könnte schlimmer sein.

Im Nachbarhaus hockt ein Gespenst (Kesha) mit spießigem Blümchenmuster-Laken. Der Gedanke, in dieser Montur für eine unbestimmte, aber garantiert sehr lange Zeit dasitzen zu müssen, ohne sich erinnern zu können, was man eigentlich wollte: Das ist das Maximum an Horror, das die elliptische Erzählung entfaltet. Gleich der im doppelten Sinne gesichtslosen Hauptfigur bewegt sich der Plot durch ein Zwischenreich, bis er sich schließlich auflöst. Elemente aus Schauerroman, Episodenfilm und Experimentalkino verschmelzen zu einem Werk von eigentümlichem Charme. Der liegt gerade darin, dass die gewichtigen Fragen um Sinn und Überdauern des Ichs durch die naiv-nihilistische Perspektive entmystifiziert werden: aus der Spuk.

OT: A Ghost Story

Regie: David Lowery

Produktionsland: USA

Produktionsjahr: 2017

Verleih: Universal Pictures Germany

Länge: 92 min.

Kinostart: 7. Dezember 2017

Beitragsbild © Universal Pictures Germany

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