Die Tribute von Panem 3: Kritik zu Mockingjay-Teil 1

Ralf 20. November 2014 1
Die Tribute von Panem 3: Kritik zu Mockingjay-Teil 1

Ich war schon immer skeptisch, wenn ein einzelnes Buch auf mehrere Filme aufgeteilt wurde- mindestens einer der Film hatte darunter zu leiden. Bei Harry Potter war es Die Heiligtümer des Todes- Teil 1, den ich nur für einen langen Prolog zu Teil 2 hielt. Auch bei Der Hobbit: Smaugs Einöde stellte ich für 3 Stunden Film wenig Fortschritt der Geschichte fest. Wie ergeht es nun dem dritten Film der Tribute von Panem? Leidet auch Mockingjay- Teil 1 unter der Krankheit der aufgeteilten Buchadaptionen?

In der folgenden Kritik wird es einige Informationen zu den vorherigen Filmen geben, da diese zum Verständnis der Geschichte essentiell sind. Solltet ihr also diese noch nicht kennen- Spoilergefahr . Auch bezieht sich diese Kritik ausschließlich auf den Film als solches, da ich die Bücher nicht gelesen habe.

Es zieht ein Sturm auf in Panem

Am Ende von Catching Fire zerstörte Katniss(Jennifer Lawrence) die Kuppel der Arena und beendete damit auf spektakuläre Weise die Jubiläumsspiele. Und auch wenn die Rebellen sie retten konnten, wurde Peeta (Josh Hutcherson) dabei im Kapitol zurück gelassen. Eine gefährliche Situation, denn wer weiß schon was Präsident Snow (Donald Sutherland) ihm nun antun wird?

Dabei lasten schon genug Sorgen und Verantwortung auf Katniss. Sie befindet sich nun im Untergrund des zerstört geglaubten Distrikt 13, dem Herzen der Rebellion. Unter Führung von Präsidentin Coin (Julianne Moore) versuchen die Freiheitskämpfer den Widerstand gegen das Kapitol zu lenken und die restlichen Distrikte zum Widerstand zu vereinen. Katniss mag ein Feuer entzündet haben, noch sind jedoch nicht alle Distrikte bereit, sich dem Kampf anzuschließen. Wer wäre deswegen besser als Propagandafigur geeignet als das Mädchen, das in Flammen steht? Sie ist der Spotttölpel, der titelgebende Mockingjay. Somit setzen Präsidentin Coin und ihre Vertrauten alles daran die zunächst widerstrebende Katniss zum Inhalt einiger aufstachelnder Propagandavideos zu machen…..

Der dritte Teil der Tribute von Panem ist deutlich düsterer gehalten als seine Vorgänger. Hier gibt es kaum mehr extravagante Bilder aus dem Kapitol oder die beeindruckenden Arenen der Hungerspiele. Bilder und Handlung sind geprägt von Propaganda, Krieg und Zerstörung und den Auswirkungen der aufkommenden Rebellion. Dies zeigt sich am deutlichsten in Distrikt 13, einem Schauplatz der von Zweckmäßigkeit, Einheitsuniformen und strengen Regeln geprägt ist. Doch auch wenn sich die Ereignisse nun auf der höchsten politischen und militärischen Ebene abspielen fehlt diesem Film etwas- der wirkliche Fortschritt der Handlung.

Ich bin nach 2 Stunden aus diesem Film gegangen und habe mich gefragt: Was ist jetzt eigentlich wichtiges passiert? Und mir fällt nach wie vor keine Szene ein, die ich als besonders bemerkenswert betrachtet hätte. Die Handlung hat dabei durchaus einige interessante Elemente. Der Propagandakrieg zwischen Rebellen und Kapitol bringt einen erfrischend neuen Aspekt ein. Hier findet der Krieg nicht auf der militärischen Ebene statt, sondern ausschließlich durch Kommunikation. Und es hat zugegeben einfach eine gewisse Faszination die Bedeutungskraft von dieser zu sehen. Auch zeigen einige wenige Szenen konkrete Akte der Rebellion und des Widerstandes- diese sind auch mit Abstand die actionreichsten des Filmes. Ansonsten hat man aber leider sehr häufig das Gefühl, dass dieser Film nur ein Vorspann zu einem wirklich großen Finale sein soll. Und genau das war meine Befürchtung.

Mehr ist nicht immer besser

Ein weiteres Problem ist, dass in diesem Teil eine Vielzahl neuer Figuren eingeführt wird, zu denen man kaum oder schwer eine Bindung aufbaut. Julianne Moore gibt zwar eine überzeugende Rebellionsführerin ab, ihr Charakter ist aber so pragmatisch und eiskalt, dass man zu diesem keine Emotionen entwickeln kann. Es gab einige Szenen bei denen ich mir wirklich dachte: Sind die Rebellen so viel besser als das Kapitol? Sie nutzen Katniss im Endeffekt genauso nur für ihre Propagandazwecke und schrecken nicht vor extremen Mitteln zurück. Wo liegt der große Unterschied zu der zentralen Regierung? Und auch die anderen neuen Figuren, wie z.B. das Filmteam der Propagandafilme bleiben blass und hinterlassen wenig Eindruck.

Und leider wurde es auch versäumt starke Figuren aus den vorherigen Filmen sinnvoll einzubringen oder weiterzuentwickeln. Finnick, einer der interessantesten Charaktere des vorherigen Filmes, verkommt in diesem Teil zu einer kaum genutzten Heulsuse und hat keinen Einfluss auf die Handlung. Gale wird im Laufe der Geschichte zu sehr in die Figur des unglücklich Verliebten gedrängt, was sogar seine eigentlich herausragenden Leistungen während der Rebellion in den Hintergrund stellt. Selbst Effie verliert in der Tristesse von Distrikt 13 ihren speziellen Charme und ihre schrille Art- was jedoch hier sogar zu einer gelungenen Weiterentwicklung führt.Denn diese gibt es auch in dem Film, auch wenn es eher die Ausnahme ist. Besonders positiv aufgefallen ist hier unter anderem die Schwester von Katniss, die nun endlich an der Reihe ist dieser Halt und Zuspruch zu  geben. Und eine der besten Leistungen liefert nach wie vor Woody Harrelson als Haymitch ab, der mit seiner trockenen und sarkastischen Art jede Szene bereichert.

Den Ausschlag des Filmes muss somit nach wie vor Jennifer Lawrence als Katniss liefern. Besonders ihre Reaktionen auf die Propagandanachrichten des Kapitols- die oft sie speziell zum Ziel haben- und ihr Zwiespalt in Hinsicht auf ihre Führungsposition erweitern den Charakter in diesem Film. Die emotionale Bindung und das Interesse an der Hauptperson sind im Endeffekt der Hauptgrund, warum man diesen Film doch zu Ende sehen möchte.

Positiv erwähnen möchte ich zum Abschluss noch den Soundtrack des Filmes. Wie in den Vorgängern wurden an einigen Stellen Lieder und Musikstücke eingesetzt, die zur „Melodie der Rebellion“ wurden und auch hier wieder für eine tolle Atmosphäre sorgen. Achtet deswegen auch in diesem Film wieder darauf, wenn Katniss ihr Lied anstimmt.

Fazit zu Die Tribute von Panem- Mockingjay Teil 1

Mockingjay bringt die Tribute von Panem von den Hungerspielen auf eine neue und bedeutsamere Ebene. Das hat zur Folge, dass dieser Film in vielerlei Hinsicht sehr verschieden zu den Vorgängern ist und auch eine Menge neuer Dinge etablieren muss. Leider geschieht das zu Lasten des Fortschritts der Handlung, die zum Großteil nur wie ein Prolog für das große Finale wirkt. Der stärkste Faktor des Filmes sind hierbei sein nach wie vor starker Hauptcharakter und das politische Intrigenspiel, das die Grausamkeit des Krieges ebenso effizient zeigt wie blutige Kämpfe.

Die Tribute von Panem- Mockingjay Teil 1 liefert  keine Offenbarung. Es legt jedoch den Grundstein für ein hoffentlich packendes Finale und zeigt den Zuschauern die neuen Ausmaße des Konfliktes.

(c) Lionsgate

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    Wie jetzt, „Tribute“ ohne Gladiatorenspiel, geht das denn? Ich finde, das geht gar nicht so schlecht – der Film macht Spaß und seine Charaktere sind weiterhin glaubwürdig und (was schwieriger ist) nahtlos anschließend an die ersten beiden Folgen. Allerdings… es passiert nicht wirklich viel. Wie bei dritten Teilen einer auf vier Teile gestreckten Trilogie (ich glaube mir wird schlecht…) üblich, wird hier eigentlich nur das Feld für Teil vier bereitet. Eine einzige, lange Exposition mit ein paar Seitenplots, damit der Kinobesucher sich nicht gar zu verschaukelt fühlt. Na, dann nehmen wir eben diesen Film als Trailer und hoffen auf das große Finale im nächsten Jahr.

    Mehr zum Film unter: http://friendly101.blogspot.de/2014/11/die-tribute-von-panem-mockingjay-teil-1.html