Filmkritik: Blutgletscher (2013)

Florian Erbach 17. April 2014 1
Filmkritik: Blutgletscher (2013)

Wenn man an Österreich denkt, dann dauert es wohl eine ganze Weile, bis man österreichische Filme und die Filmindustrie vor Augen hat. Doch kamen aus Österreich durchaus schon gute und sehenswerte Genrebeiträge. Besonders bekannt ist zum Beispiel Funny Games (1997) von Michael Haneke oder In drei Tagen bist du Tot (2006) von Andreas Prochaska. Blutgletscher macht zunächst auch den Anschein, als wolle und könne sich der Film in die Liste der besten (Horror)-Filme aus Österreich eintragen. Das ist jedoch – wenn auch sicherlich knapp – nicht gelungen.

Blutgletscher geht auf das Drehbuch von Benjamin Hessler zurück und wurde von Marvin Kren als Regisseur inszeniert. Beide waren an dem Überraschungserfolg Rammbock beteiligt, wobei insbesondere Marin Kren als Regisseur eine tragende Rolle zukommt. Rammbock handelt von einem in Berlin befindlichen Österreicher, der sich plötzlich einer „Zombieapokalypse“ stellen muss. Das klingt zunächst wenig originell, ist aber wegen des geringen Budgets und der dennoch spannend erzählten Geschichte ein wirklich sehenswerter Zombiestreifen. Sehr sympathisch! Blutgletscher muss sich also zwangsläufig ein wenig auch an Rammbock messen.

Was verbirgt sich im ewigen Eis?

Das Klima verändert sich und 1000 Jahre alte Gletscher beginnen zu schmelzen und offenbaren Dinge, die vermutlich besser verborgen geblieben werden. So ist eine Forschungsstation mit drei Wissenschaftlern, einem Ingenieur und einem Hund, plötzlich einer unbekannten Gefahr ausgesetzt. Irgendetwas Rotes, eine merkwürdige Substanz, rinnt aus dem Gletscher und verändert das Lebende. Ganz nach dem bekannten Muster, wie es auch schon in „Das Ding aus einer anderen Welt“ oder vielen anderen ähnlichen Filmen vorkommt. Die Besatzung der Forschungsstation muss sich aber nicht nur mit der neuen Entdeckung auseinandersetzen, sondern es steht auch noch der PR-Besuch einer Ministerin samt Begleittross an. Logisch, dass dieser Besuch zu einem denkbar schlechten Moment kommt und das Unheil seinen erwartbaren Verlauf nimmt.

blutgletscher-roter-gletscher

© Allegro Film / Harald Kienz

Blutgletscher: Alles schon einmal dagewesen

Wer Kreaturenhorror á la „Das Ding aus einer anderen Welt“ kennt und im Vorfeld weiß, dass sich Blutgletscher daran bedient, erwartet keine großen storytechnischen Highlights oder besondere Wendungen. Der Fall ist im Vorfeld „klar“ und dennoch hätte Blutgletscher etwas mehr Überraschung gut getan. Zwar ist das Setting in den Bergen sehr stimmig und auch die Forschungsstation weiß als Kulisse zu überzeugen, doch macht sich nachdem durchaus interessanten Anfang schnell Ernüchterung breit. Dies liegt vor allem an der nervigen Gruppe um die Ministerin, die sich mit „großen Schritten“ der Forschungsstation nähert. Ich kann den Schritt der Zweiteilung nachvollziehen, doch integriert sich die Gruppe filmisch kaum in die Szenerie um die Forschungsstation. Fast unfreiwillig trashig muten die Ereignisse an (das blonde Mädchen aus dem Nichts..) und als schließlich die Gruppen vereint werden, ist das obligatorische Gemetzel schon gar nicht mehr spannend, da die Minuten bis dahin fast quälend waren.

Positiv ist aber neben dem Setting auch das Kreaturendesign, welches im CGI-Versuchten B-Movie-Genre erfrischenderweise versucht authentisch zu wirken und sich dabei an den originalen Kreaturenhorrorfilmen bedient. Keine CGI sondern „echte Kreaturen“ wurden hier verwendet, was aufgrund des geringen Budgets an manchen Stellen nicht immer gut aussieht – das ist aber zu verschmerzen. Die immer wieder aufkommende Spannung wird vom „eigenbrödligen“ und bisweilen oft auch authentisch wirkenden Ingeneur, den Bergen und nichtzuletzt auch der Grundgeschichte getragen.

Die Frage danach, was sich im ewigen Eis verbirgt, ist eine interessante und sich immer häufiger stellende Frage. Denn dass das Eis schmilzt und verborgenes freilegt, ist unstrittig. Natürlich ist es Science-Fiction anzunehmen, dass wir dort UFOs, Aliens oder tödliche Viren finden. Dennoch liegt das alles – entsprechende Fantasie vorausgesetzt – im Bereich des Möglichen.

Trailer zu Blutgletscher

Fazit zu Blutgletscher

Dass deutschsprachige Horrorfilme meistens unfreiwillig komisch sind, ist wohl etwas, was sich in naher Zukunft kaum ändern wird. Wohl ein Grund, weshalb sich wenige an Genrefilme herantrauen. Doch es zeigt sich auch, dass es durchaus gute Genrefilme geben kann. Rammbock, Hell oder Funny Games sind der Beweis. Leider kann sich Blutgletscher – auch wenn es kein Totalversagen ist – nicht in die Reihe der guten Horror- und Genrefilme einordnen.

Dafür fehlt es an einer durchgehend spannenden Geschichte, an authentischen Akteuren und was letztlich am schwersten wiegt, dass Blutgletscher einfach nicht die klaustrophobische Stimmung eines „Das Ding aus einer anderen Welt“ einfangen kann. Zugutehalten muss man dem Film das ambitionierte Kreaturendesign, die Landschaft und die sehr stimmige Musik. Alles in allem ist Blutgletscher für Genrefans ein Blick wert, man sollte aber die Erwartungen im Vorfeld herunter schrauben.

BlutgletscherBeitragsbild © Allegro Film / Harald Kienzl

Filmkritik: Blutgletscher (2013)
3.4 (68%) 5 votes