Filmkritik: The Purge 2 – Anarchy

Florian Erbach 31. Juli 2014 0
Filmkritik: The Purge 2 – Anarchy

Wie wäre es, einmal im Jahr das tun zu können, was man schon immer machen wollte? Vielleicht einfach gegen das Gesetz verstoßen – und niemand kann einem etwas anhaben? Klingt zumindest im Ansatz interessant. Führt man diese Gedanken weiter und nimmt Mord, Folter, Totschlag und Perversion hinzu, wandelt sich das Interesse in Abscheu und pure Ablehnung. Einen Menschen ermorden, einfach so – zum Spaß? Unvorstellbar. In der Welt von The Purge ist dies jedoch Realität und prägt das Gesellschaftsbild. Wenn man sich gegenseitig eine „schöne Purge-Nacht“ wünscht, heißt das nichts Gutes. Vor allem aber für die Armen und die Menschen der Unterschicht.

Auf der Flucht in den Straßen von Los Angeles

Nach The Purge – Die Säuberung (2013) geht es mit The Purge 2: Anarchy ein Jahr später in eine neue Phase der Geschichte. Wir sind nicht mehr an den Handlungsraum eines Haus gebunden, wie es noch in The Purge: Die Säuberung war. Sicherlich ein netter Home-Invasion-Thriller, hat er jedoch nicht den Kern des „Purgen“ erfasst und dem Zuschauer lediglich ein grobes Gefühl für die Nacht der Säuberung gegeben.

In The Purge 2: Anarchy geht es weg von den wohlhabenden Siedlungen, von den Reichen die sich auf ihr Recht zum „Purgen“ freuen, hin zu den Hochhausschluchten und den Vierteln der Armen. Wir erleben die Nacht der Säuberung in Downtown Los Angeles, einem Ort, der für Verfechter und Fans des Purgen wie gemacht zu sein scheint. Kaum jemand, der sich wirklich schützen kann, oder gar viel Geld für eine Waffe ausgeben kann. Selbst die eigene Wohnung bietet wenig Schutz und schließlich zieht die Nacht des Mordens allerhand zwielichtige Gestalten an.

Doch nicht nur der Ort der Handlung ist wesentlich größer gefasst als noch im ersten Teil, auch gibt es mehr Protagonisten, die aus unterschiedlichsten Gründen in dieser Nacht zusammenfinden und gemeinsam ums Überleben kämpfen. Da ist das zerstrittene Pärchen, welches auf Grund einer Panne in Downtown strandet, Mutter und Tochter, die dort Leben und schließlich ein einsamer, bis an die Zähne bewaffneter Mann, der ein geheimes Ziel vor Augen hat. So wird The Purge 2: Anarchy abwechslungs- und facettenreicher.

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The Purge – Einmal „Gott“ spielen?

Spannungsgeladene Action und Einblicke in die Purge-Nacht

Ethan Hawke und Lena Headey waren ganz klar das „Aushängeschild“ des ersten Purge-Filmes. Mit knapp 3 Millionen Dollar inszeniert, blieb nicht viel Geld, um das Geschehen auf eine größere Ebene zu heben und so blieb es bei Vorstadtidylle und Homeinvasion. The Purge 2: Anarchy konnte auf ungefähr drei Mal so viel Geld zurückgreifen und so war die Konsequenz zum Glück, die Szenerie in die Großstadt zu bringen. Dabei verließ man sich dieses Mal nicht auf große Hollywoodstars und wählte fast ausschließlich unbekanntere Akteure, die ihren Figuren zwar nicht immer die nötige „Tiefe“ gaben, ihre Sache dem Anlass entsprechend aber mehr als gut machten.

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The Purge 2: Anarchy lebt von der pausenlosen Action, dem Gerenne und der vorhandenen Todesangst. Ein Gefühl dafür zu bekommen, was die Nacht der Säuberung für die einfachen Menschen bedeutet, gelingt dem zweiten Film sehr gut. Der Film macht Spaß, die Action ist gut in Szene gesetzt und die Hintergrundgeschichte gibt dem ganzen einen zusätzlichen Auftrieb. Es gibt Einblicke und Ideen dafür, was diese Möglichkeit, einmal im Jahr für 12 Stunden alles tun zu können, für Spuren in der Gesellschaft hinterlässt. Ist man freundlicher zu seinen Mitmenschen? Wartet man das ganze Jahr nur auf diesen Tag? Wofür gibt man sein Geld aus? Oder stellt man sich gegen das Purgen?

Die Purge-Nacht kristalisiert sich immer mehr als Unterdrückungsmechanismus der Armen und der Unterschichten heraus. Wer profitiert von dieser Nacht des Mordens? Ethan Hawke war es zum Beispiel als Sicherheitsunternehmer. Waffenhersteller werden ebenso davon profitieren. The Purge 2: Anarchy inszeniert den Überlebenskampf mit deutlicher Härte und Kompromisslosigkeit. Er zeig die Perversion eines amerikanischen Traumes. Für die Ultrarechten in den USA mag das gar nicht so abstoßend sein, sich von niederen und aus deren Sicht arbeitsuntauglichen Individuen zu entledigen. Denn nichts anderes ist das Purgen: Eine perverse Reinigung der Gesellschaft – selbstverständlich aus Sicht der Reichen. Eine Möglichkeit, seine privilegierte Stellung zu wahren.

Fazit zu The Purge 2: Anarchy

The Purge 2: Anarchy hält was der Filmtitel verspricht: Es gibt viel Action, viel Gewalt und viel Anarchie. Sehr  spannungsreich umgesetzt, artet der Film allerdings nie eine dumpfe Splatterorgie aus oder rutscht in die alberne Richtung ab. Für den gewissen Humor ist allerdings trotzdem gesorgt, insbesondere dann, wenn zynisch die Abläufe in dieser Nacht beleuchtet werden. Neben der gut inszenierten Action und der Spannung, ist aber auch der stets präsente Hintergrund eine Bereicherung. Es stellt sich die Frage, ob die Verrohung der Gesellschaft nicht zu einem großen Teil eine inszenierte Verrohung ist. Eine Karrikatur von Amerika, die trotz der Fiktion, eine gewisse Brisanz innehat. Denn man darf sich ruhig Fragen, wie viele dort draußen, solch einer Nacht nicht auch wohlwollend gegenüber stehen würden. Der feuchte Traum der amerikanischen Ultrarechten?

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In einem Satz: The Purge 2: Anarchy ist spannungsreiche und unterhaltsame Action, mit einer interessanten Hintergrundgeschichte.

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