Filmkritik: X-Men Zukunft ist Vergangenheit (2014)

Florian Erbach 29. Mai 2014 0
Filmkritik: X-Men Zukunft ist Vergangenheit (2014)

Mit X-Men – Zukunft ist Vergangenheit kam dieser Tage bereits der siebte X-Men-Film in unsere Kinos. Damit ist X-Men zweifelsohne eines der erfolgreichsten Superhelden-Franchises und auch der jüngste Erfolg gibt den Machern recht, immerhin konnten sie in der ersten Startwoche Godzilla vom Thron der Kinocharts stoßen. Nach X-Men und X-Men 2 war Bryan Singer wieder als Regisseur an Bord und er konnte auf eine ganze Reihe von Stars zurückgreifen: Nicht nur die bekannten Schauspieler der „alten“ X-Men-Generation wie Patrick Stewart (Professor X), Halle Berry (Storm), Hugh Jackman (Wolverine) oder Ian McKellen (Magneto) gaben sich die Ehre, sondern auch die jüngere Generation, die mit X-Men: Erste Entscheidung erstmals eingeführt wurde. Dazu zählen vor allem Michael Fassbender (Erik Lehnsherr), Jennifer Lawrence (Raven / Mystique) und James McAvoy (Charles Xavier). Doch auch Peter Dinklage, der mit Game of Thrones wahnsinnige Erfolge feiert, konnte für den neuen X-Men-Film gewonnen werden. X-Men – Zukunft ist Vergangenheit ist nicht nur ein Treffen der Generationen, sondern auch ein Treffen hochkarätiger Schauspieler.

Von dem Treffen der Generationen profitiert der X-Men-Fan, er muss allerdings Abstriche in der Entfaltung der Charaktere hinnehmen, denn nicht für jeden Charakter ist im neuen X-Men-Film die nötige Zeit vorhanden. Dennoch ist X-Men – Zukunft ist Vergangenheit ein sich lohnender Film, bei dem man auch unbedingt bis zum Ende des Abspanns im Kinosessel verweilen sollte.

Zukunft ist Vergangenheit

Zukunft ist Vergangenheit bei Amazon

Dass die Vergangenheit die Zukunft, aber auch die Zukunft die Vergangenheit determiniert, ist zumindest in der Filmindustrie eine gern genommene Annahme. Etliche Filme bedienen sich der Thematik, in der eine oftmals dystopische Zukunft, durch die Reise in die Vergangenheit ungeschehen gemacht werden soll – so auch in X-Men – Zukunft ist Vergangenheit. Die Mutanten in der nicht allzu fernen Zukunft sehen sich einem übermächtigen Feind gegenüber. Dieser kann die Kräfte der Mutanten adaptieren und durch die schiere Überzahl der Feinde, sind die Mutanten in ihrer Existenz bedroht. Der einzige Ausweg ist es, den „Geist“ oder das „Wissen um die Zukunft“ von Logan (Wolverine) in die Vergangenheit zu schicken, um dann ein Schlüsselereignis zu verhindern, welches schließlich im Verlauf der Jahrzehnte zur finalen Auslöschung der Mutanten führt. Klar ist natürlich im weiteren Verlauf, dass das nicht ohne Probleme vonstattengeht. Ein spannender Kampf um die Vergangenheit, aber auch um die Zukunft beginnt.

Ein Treffen der Generation

Die Liste der auftretenden Stars offenbart schon, welchen Stellenwert das Projekt Zukunft ist Vergangenheit hat. Hier wird der Bogen, zwischen dem „alten“ und „neuen“ X-Men-Franchise geschlagen und laut FOX, ist der Film auch der zweitteuerste FOX-Film aller Zeiten. Kein Wunder, wenn man es sich leisten kann (und wohl auch muss), eine Vielzahl von Mutanten und deren Schauspieler eher zu „Cameo“-Auftritten zu verdammen. Doch das Geld floss nicht nur in die Schauspieler, sondern vor allem in die imposanten Kampfszenen, die eindrucksvoll zeigen, wie man einer guten Inszenierung (Choreografie) und ordentlich Action, immer noch – für das mitunter verwöhnte Publikum – für „Oha“-Effekte sorgen kann. Bei der schon angesprochenen Zweiteilung – in Zukunft und Vergangenheit – fällt auf, dass die Zukunft lediglich als Bedrohungsszenario herhalten muss und die Charaktere dort sehr blass erscheinen. Ihre „Aufgabe“ ist es, im Kampf mit dem übermächtigen Feind, dem Zuschauer die Dringlichkeit der Mission von Logan zu offenbaren. Die Actionszenen in der Zukunft sind im Verhältnis selten, dafür jedoch toll gestaltet. Insbesondere die agile Blink, die mit Hilfe von Portalen ihre Gegner verwirrt und auch gerne zweiteilt, ist hier hervorzuheben. Sozusagen ihr Pendant in der Vergangenheit ist Quicksilver, der durch seine rasende Geschwindigkeit – nein, nicht „auffällt“, das ist das falsche Wort – ein neuer Liebling der X-Men-Fans werden könnte. Schade, dass er keine größere Rolle spielt.

Insgesamt wirkt das Setting und die Geschichte – trotz der bei Zeitreisen natürlich obligatorischen Logiklöcher und Kopfschmerzen – sehr stimmig. Das 70er-Jahre-Setting, die Zukunft und die generelle Handlung sind nachvollziehbar und gerade für X-Men-Kenner wenig überfordernd. Soweit, so gut? Im Grunde ja, doch überkommt einem nach dem Filmgenuss das Gefühl, dass hier insbesondere bei den Charakteren nur die Oberfläche angekratzt wurde. Sicherlich ist der Konflikt zwischen Raven/Mystique, Magneto und Professor X in gewisser Weise greifbar, doch ist hier Potenzial verschenkt worden und es scheint, als sollten zu viele Konflikte ihren Teil in der Geschichte und auf die Leinwand finden. Denn es kommt noch hinzu, dass Peter Dinklage – der als Tyron Lannister für seine darstellerische Leistung bekannt ist – als „Halbbösewicht“ und Wissenschaftler Bolivar Trask nur am Rande wahrgenommen wird und fast beliebig erscheint. Sehr schade!

Sicherlich muss man diese Schwäche auch in Relation zu dem sehen, was wir bei einem X-Men-Film erwarten. Hier relativiert sich die kleine Enttäuschung, der an manchen Stellen zu eindimensionalen Geschichte. Und gerade als Superhelden- oder X-Men-Fan, kommt man mit X-Men – Zukunft ist Vergangenheit auf seine Kosten.

Trailer zu X-Men Zukunft ist Vergangenheit

Fazit zu X-Men Zukunft ist Vergangenheit

Das Wort „charakterlos“ fiel im Zuge einiger negativer Kritiken zu X-Men – Zukunft ist Vergangenheit recht oft und in gewisser Weise – zumindest in Bezug zu einigen Charakteren – trifft das schon zu. Aber wie will man diese umfassende Geschichte, dieses Treffen der Generationen mit mehreren Konflikten auch adäquat darstellen? Ein drei-stündiger Film wäre wohl die schlechtere Wahl gewesen. X-Men – Zukunft ist Vergangenheit hat jedoch nicht nur Schwächen, sondern erzählt eine gute Geschichte, die mit einem großen Staraufgebot aufwarten kann.

Die Actionsequenzen in Vergangenheit und vor allem der Zukunft wissen zu gefallen, die knapp 2 Stunden gehen recht flott um und gerade X-Men-Fans sollten beseelt das Kino verlassen. Allen, die ohnehin schon wenig mit Superhelden anfangen können und eine bis in die Nebenrollen aufreizende Geschichte erwarten, werden enttäuscht werden. Allen anderen sollten mit dem neuesten und siebten X-Men-Film ihre Freude haben. Sehenswert!

Während die Ungewissheit um die Zukunft in X-Men – Zukunft ist Vergangenheit das zentrale Thema ist, ist sie für den achten X-Men-Teil bereits gesichert. Denn mit X-Men Apocalypse kommt 2016 der nächste X-Men-Ableger in die Kinos und dank des obligatorischen Clips nach dem Abspann, ist die Vermutung in Gewissheit umgeschlagen. In diesem Teil wird es die Welt mit Apocalypse (wurde vor 5000 Jahren in Ägypten geboren) zu tun bekommen – dem mächtigsten aller Mutanten. So wie es scheint, wird der Film eine Mischung aus Katastrophen- und Superheldenfilm werden.


Filmkritik: X-Men Zukunft ist Vergangenheit (2014)
3.67 (73.33%) 3 votes