Kritik zu „A World Beyond“ – Vorhang auf für die nächste Disney-Attraktion

Tommy 19. Mai 2015 0
Kritik zu „A World Beyond“ – Vorhang auf für die nächste Disney-Attraktion

Nach der Piratenachterbahn erhält dieses Jahr die nächste Disney-Attraktion ihren eigenen Film. Diesmal erwischt es das Tomorrowland, das 1955 von Walt Disney als utopischer Blick in die Zukunft erschaffen wurde. „A World Beyond“ soll diesen optimistischen Gedanken wieder populär machen, nachdem in den letzten Jahrzehnten der Blick in die Zukunft eher finster wurde. Also, erwartet uns das nächste Franchise aus dem Micky-Maus-Klub? Wohl eher nicht. Zwar hat auch „Fluch der Karibik“ in seinen mittlerweile vier Filmen mehr Fehltritte als Glanzlichter, allerdings bot zumindest der Auftakt dennoch etwas Eigenes. Und da sieht es bei „A World Beyond“ relativ mau aus.

Tückische Ausgangslage

Aber der Reihe nach. Der Film dreht sich um die junge Casey (Britt Robertson), eine tatkräftige Frohnatur. Über Umwege gelangt sie in den Besitz eines Ansteckers, der ihr bei Berührung eine hoch entwickelte Stadt zeigt. Auf ihrer Suche nach diesem Ort begegnet sie dem pessimistischen Frank (George Clooney), mit dem sie das Ende der Welt abwenden muss.

Die Geschichte erzählt demnach erneut die Legende der Auserwählten, die verschiedene Gefahren überwinden muss, um am Ende ihre Bestimmung zu erfüllen. An sich kein Problem; „Fluch der Karibik“ hatte ebenfalls bekannte Muster, wie die Jungfrau in Nöten und den lustigen Sidekick. Das Piratenabenteuer konnte dies jedoch durch seine Stärken kompensieren, was „A World Beyond“ schon deutlich schwerer fällt.

Ein vielversprechendes Talent und ein souveräner Altmeister

Lobend muss definitiv die Hauptdarstellerin erwähnt werden. Britt Robertson soll den gesamten Film tragen, was ihr durch ihren natürlichen Charme überzeugend gelingt. Sämtlicher Spaß hat in ihr ihren Ursprung und durch ihre ehrlichen Emotionen wird sie in mancher Szene zum Sprachrohr des Zuschauers. Zusätzlich harmoniert sie gut mit einem misslaunigen George Clooney, der hier von seiner bekannten „Prince Charming“-Rolle abweicht. Wie gewohnt überzeugt er, allerdings ohne zu brillieren. Denn es drängt sich das Gefühl auf, dass mehr in seiner Rolle gesteckt hätte und auch der Dynamik zwischen Casey und Frank wäre etwas mehr Freiraum gut bekommen.

Weder Fisch noch Fleisch

Dieses Gefühl, dass mehr Potenzial vorhanden war, zieht sich leider durch einige Bereiche des Films. Sogar bei dem eigentlichen Grund für seine Entstehung. Die Absicht war es, eine hoffnungsvolle Stimmung zu verbreiten. Die Zukunft liegt in deiner Hand, es ist noch nicht zu spät, also tu etwas und mach es möglich. Vielleicht etwas abgedroschen und letztlich muss man anmerken, dass eine altbekannte Moral lediglich durch aktuelle Bezüge aufgewertet wurde. Erneut wäre mehr drin gewesen. Aber wenigstens war hier der Wunsch zu erkennen, mehr als bloße Unterhaltung zu sein.

Nur leider hat „A World Beyond“ diesen Anspruch bereits zuvor selbst untergraben. Denn neben einer Schnitzeljagd, die wie eine rudimentäre Version von „Das Vermächtnis der Tempelritter“ wirkt, besteht der Großteil des Films aus Actionszenen, die genau jene Unterhaltung bieten sollen. Und obwohl hier Konsequenzen gezogen werden – was man nicht von jedem Disneyfilm sagen kann – bleiben sie letzten Endes doch ohne Inspirationen. Ohnehin vergeudet der Film trotz seiner Länge von 130 Minuten zu viel Zeit mit beliebigen Szenen, die keinen Mehrwert bieten, anstatt die vielversprechenden Ansätze auszubauen.

Der Sargnagel für die letzte Hoffnung

Die Trailer ließen noch auf einen optisch fulminanten Sci-Fi-Film hoffen, indes setzt sich „A World Beyond“ andere Prioritäten. Er will lieber die seichte Unterhaltung für die ganze Familie sein, anstatt seine kreativen Freiheiten auszunutzen. Es gab die Möglichkeit, eine futuristische Stadt nach seinen Vorstellungen zu formen und dem Zuschauer dadurch in Staunen zu versetzen. Doch zum einen spielt der Großteil der Laufzeit nicht in Tomorrowland und wenn Casey und Frank endlich dort ankommen, wird dem Zuschauer nichts Neues geboten. Die Stadt kommt ohne innovative Ideen daher und wirkt wie der tausendste Abklatsch eines abgenutzten Bilds.

Der Film bietet zum Ende durchaus noch eine interessante Lösung für sein angekündigtes Ende der Welt. Zwar ist dies bei näherer Betrachtung voller Logiklöcher, aber eigentlich kann man diese getrost vernachlässigen. Denn die Zuschauer, die sich mehr als eine spaßige Ablenkung vom Alltag versprochen haben, wird „A World Beyond“ bereits zuvor verloren haben.

Beitragsbild: (c) Walt Disney Pictures

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