„May und die Liebe“ (2013) Kritik: Familienchaos vor Wüsten-Kulisse

Dorit Scharf 24. Juli 2015 1
„May und die Liebe“ (2013) Kritik: Familienchaos vor Wüsten-Kulisse

May (Cherien Dabis) hat in New York ihr Glück gefunden: ihre Karriere als Schriftstellerin läuft an und dazu steht sie kurz vor der Hochzeit. Diese möchte sie im Familienkreis zu feiern und reist daher von New York in ihre Heimatstadt in Jordaninen. Dass ihr Verlobter Ziad (Alexander Siddig) Moslem ist, ist allerdings nicht der einzige Konfliktpunkt in ihrer Familie. Mays Eltern sind geschieden, ihre Schwester Dalia (Alia Shawkat) hat kurz vor Schluss ihre Massage-Ausbildung geschmissen und Nesthäkchen Yasmine (Nadine Malouf) hat soeben ihren Job verloren. Die Mutter (Hiam Abbass) hat sich seit der Trennung von Mays amerikanischen Vater ganz in ihren Glauben an Jesus hineingestürzt und ist natürlich dagegen, dass May mit Ziad einen Moslem heiraten will. May findet sogar Hinweise darauf, dass ihre Mutter versucht sie und und Ziad mit einen alten Fluch auseinander zu bringen. Mitten in den Mutter-Töchter-Trubel funkt dann noch der Vater (Bill Pullman) mit seiner neuen Ehefrau aus Indien, der sich nach Jahren der Abwesenheit wieder für seine Töchter interessiert. Neben all dem Familienchaos werden die Mays Hochzeitsvorbereitungen noch holpriger als sie auf einer Party Karim kennenlernt, ein Führer für Abenteuertouren und das genaue Gegenteil von Ziad.

Beziehungskomödie ohne Grip

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Obwohl die Geschichte mit ordentlich Zündstoff versehen ist, plätschern die Konflikte von Mays Familie zunächst so dahin. Die verschiedenen Charaktere bleiben die meiste Zeit eher stereotyp und bieten daher leider wenig überraschende Momente. Die Religiosität der Mutter wirkt spätestens beim „Halleluja“-Klingelton ein bisschen zu überzeichnet. Der große Knall der Kulturen in der amerikanisch-jordanischen Familie bleibt aus. Nur wenn May wie aus New York gewohnt in T-Shirt und Shorts durch die Straßen ihrer Heimat an verschleierten Frauen und pfeifenden Männern vorbei joggt, wird der Zuschauer daran erinnert, dass hier die westliche Kultur auf die des mittleren Ostens treffen soll. Während der kleinen Bachloretteparty unter Schwestern am Toten Meer fliegen einmal Kampfflieger über die Protagonisten. Die großen politischen Konflikte bleiben aber auf der anderen Seite des Toten Meeres; es sind die familiären Unruhen und die damit verbundene Such nach der eigenen Identität, die Mays sorgfältig gearbeitete Welt ins Wanken bringen. Der Film könnte daher auch problemlos in den USA oder Europa spielen; es würde sich nur die Kulisse ändern. Dass dadurch aber bei den Hochzeitsvorbereitungen statt Deko und Kleiderfragen Mays Beziehungen mit ihren Eltern und ihren Schwestern im Vordergrund stehen, frischt den typischen Beziehungsfilm angenehm auf.

Fazit

„May und die Liebe“ erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die versucht ihre jordanischen Wurzeln mit ihrem ehrgeizigen New Yorker-Leben zu verbinden. Ein Schlüssel dazu ist dabei das Verarbeiten der gescheiterten Ehe von Mays Eltern und ihre Beziehung zu ihrer Mutter. Der Film wird dadurch zu einer mal nicht ganz so romantischen Hochzeits-Komödie. Die paar gelungen Überraschungsmomente gegen Ende können das Gefühl von Dahinplätschern aber leider nicht ganz nehmen.

May und die Liebe ist seit dem 17.07. auf DVD und als VOD erhältlich!

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„May und die Liebe“ (2013) Kritik: Familienchaos vor Wüsten-Kulisse
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  • Sina

    Schöner Film :)