Filmkritik: The Broken Circle (2012)

Florian Erbach 15. Dezember 2013 3
Filmkritik: The Broken Circle (2012)

Oftmals sind es die kleinen, unscheinbaren Filme, die am meisten bewegen und am nachhaltigsten sind. The Broken Circle (Kinostart April 2013) von Felix Van Groeningen ist solch ein Film. In Belgien und der Niederlande abgedreht, im Originalton in Flämisch und mit gänzlich unbekannten Schauspielern, ist einer DER Filme 2013 entstanden. Emotional, rührend, mitreißend und gleichzeitig lebensnah, ohne übertrieben zu wirken. The Broken Circle!

Handlung: Didier (Johan Heldenbergh) ist Sänger einer Bluegrass-Band und Elise (Veerle Baetens) ist Tätowiererin. Beide lernen sich kennen und lieben. Obwohl sie eigentlich sehr verschieden sind, haben sie eine leidenschaftliche Beziehung und sind unzertrennlich. Die Zeit, die sie auf dem Hof von Didier verbringen, könnte schöner nicht sein, als nun auch noch Elise schwanger wird, scheint das Glück perfekt. Elise steigt als Sängerin in die Bluegrass-Band mit ein und sie touren gemeinsam. Die weiteren Jahre verlaufen harmonisch und sie sind eine kleine, glückliche Familie.

Ein vollständiger Kreis des Glücks für ein sehr unkonventionelles Paar…

Dann jedoch schlägt das Schicksal zu: Ihre Tochter, Maybelle, erkrankt an Leukämie. Dass das die Familie vor eine Zerreißprobe stellt und das bisherige Leben fast obsolet werden lässt, scheint klar. Ein emotionales Drama, mit einer wahren Gefühlsachterbahn entwickelt sich.

thebrokencircle

Interessante Erzählweise und hohe Authentizität

Gleich zu Beginn fällt auf, dass die Geschichte nicht chronologisch erzählt wird, sondern wir Zeuge von verschiedenen Lebensabschnitten und Szenen werden, die erst in der Gesamtschau ein einheitliches Bild ergeben. So sehen wir zu Beginn Sänger Didier und Tätowiererin Elise, wie sie vor einem Arzt sitzen und mit der Krebserkrankung ihrer Tochter konfrontiert sind, ehe wir in den nächsten Bildern an einem frühen Moment ihrer Beziehung teilhaben. Sicherlich sind Rückblenden und eingestreute Momente kein ungewöhnliches Stilmittel mehr, bei The Broken Circle muss man dies aber herausstellen, weil es ausnahmslos sehr gut funktioniert. Die nicht chronologische Darstellung der Lebens- und Leidensgeschichte von Didier und Elise wird so sehr viel greifbarer und man ist im positiven Sinne in der Geschichte gefangen.

Der Spagat zwischen Emotionalität und Authentizität gelingt ebenso. Trotz der Tatsache, dass sowohl Didier, als auch Elise in ihrer Art mit der Krankheit ihrer Tochter und den Folgen umzugehen, sehr unterschiedlich agieren, bleiben die Handlungen stets authentisch. Nie hat man das Gefühl, dass die Protagonisten aufgesetzt agieren und etwas nicht nachvollziehbar ist. Man wird in diesen Film hineingezogen und die emotionsgeladene Geschichte lässt einen nicht mehr los. Ein Glück wahrscheinlich, dass Hauptdarsteller Johan Heldenbergh (Didier) auch gleichzeitig Theaterregisseur ist und dass die Geschichte von The Broken Circle auf ihn zurück geht und zuerst – von ihm – im Theater inszeniert und aufgeführt wurde.

Musik als ein zentrales Element

Einen großen Anteil an der stimmigen Atmosphäre hat die Musik. Sie ist nicht nur Beiwerk und wahllos zusammengestellt, sondern hat einen enorm hohen Stellenwert in The Broken Circle. Fast ausnahmslos hören wir die Lieder der The Broken Circle Breakdown Bluegrass Band. Eine Mischung aus melancholischer, aber auch flotter Folk/Bluegrass-Musik begleitet den Zuschauer als auch die Protagonisten durch den ganzen Film. Dabei wird an den immer wieder gezeigten Auftritten der Band, in der Elise ja mittlerweile auch Mitglied ist, und der Auswahl der Lieder sehr deutlich, wie die Liebe und die Beziehung von Didier und Elise zu leiden hat. Selten passen Musik, Bilder und Schauspieler so perfekt zusammen.

 

Fazit

The Broken Circle ist wundervoll, ein Film, der einem durch Mark und Knochen fährt und einen nachdenklich zurücklässt. Eine bittere Achterbahnfahrt der Gefühle, ungeschönt und authentisch. Trotz der Tragik, Trauer und Momenten wo man am liebsten mit schreien möchte, hat der Film auch schöne Momente. Eine eigenartige Atmosphäre und eine perfekte Symbiose aus filmischen Bildern und Musik ermöglichen höchsten Filmgenuss. The Broken Circle ist lebensnah, ehrlich, intensiv und eine absolute Empfehlung. Anschauen! Amazing movie, great music. Pretty much a win-win! 4,5/5

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