The Last King (2016): Kritik zum Abenteuer-Historien-Film auf Blu-ray und DVD

Martin 16. September 2016 0
The Last King (2016): Kritik zum Abenteuer-Historien-Film auf Blu-ray und DVD

Vielleicht ist The Last King von Regisseur Nils Gaup aus den Erfolgsspuren von Game of Thrones genährt. Er kann aber auch als Verortungsanomalie eines Genre-Films (Leichen pflastern seinen Weg, einer der wenigen „Schnee-Western“) oder als Bedürfnis der Verfilmung eigener Geschichte verstanden werden. Sei es wie es sei, er ist in mehrfacher Hinsicht ein erfrischender Abenteuerfilm.

In Norwegen gedreht und produziert, behandelt er sich mit den Figuren und den Folgen, die beim Giftattentat auf den König Norwegens, einem Birkebeiner, im Jahr 1206 eine tragende Rolle spielten. Kurz vor seinem Dahinscheiden gibt er die Information preis, dass es einen „echten“ Thronfolger gibt, das Baby Håkon Håkonson, das fortan von den marodierenden und der Kirche zugewandten Baglern gejagt wird. The Last King konzentriert sich vor allem auf seine Geschichte bzw. ihn als Symbol einer Hoffnung auf Frieden, das letztlich vor allem von den beiden Männern Torstein (Kristofer Hivju, Game of Thrones) und Skjervald (Jakob Oftebro) beschützt wird und zum Königshof gebracht werden soll. Während des Großteils der Spielzeit wird der Blick auf diesen Aspekt geworfen. Das Drehbuch bzw. die beiden Figuren und seine Darsteller schaffen es – auch durch das Zusammenspiel mit dem Baby – zwei sehr sympathische Helden zu kreieren, die eine emotionale Reise durchleben, die ohne zu viel Pathos daherkommt. Dagegen verkommt das Intrigenspiel um den Halbbruder des Königs, Gisle, seiner Stiefmutter und ihrer Tochter zu einem großen Mumbo-Jumbo, das ohne wirklichen Pay-Off aller dieser Akteure endet. Zudem ist die Stadt Nidaros, in dem sich der Thronkampf abspielt, lange nicht mit so viel Flair und (interessanten) Figuren umgesetzt wie die Reise, die sich abseits von ihr abspielt. Da auf Nidaros gemünzte Szenen aber relativ wenig Spielzeit einnehmen und die Steppenjagd auch ohne sie (theoretisch) gut funktioniert, fällt das nicht zu sehr ins Gewicht. Gleichwohl bedeutet es aber verschenktes Potenzial oder – anders betrachtet – unnötige Szenen.

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Gewissermaßen versteht sich The Last King sehr gut in einer befriedigenden Mäßigung seiner Elemente. Zum einen sind da die bereits angesprochenen emotionalen Augenblicke, die – für einen Abenteuerfilm angemessen – nie zu melodramatisch ausfallen. Mit der USK ab 12 Jahren wird keine ausartende, grimmige Schlacht- und Nacktplatte für bloßen Eigennutz serviert. Wenn es storytechnisch äußerst relevant wird, hält die Kamera bei Kämpfen aber sehr wohl drauf. Die Action-Sequenzen sind kurz und knackig, bedienen Nah-, Fernkämpfe und Verfolgungsjagden, die immer organisch in die Geschichte eingebettet sind. Während die Inszenierung der Nahkämpfe etwas mehr Feinschliff hätte vertragen können, sind die Hatzrennen per Holz-Ski, die auch mal – fast etwas unpassend – mit Epos-Musik inklusive Chören begleitet werden, das Highlight und geschichtliche Lehrstunde zugleich. Umrahmt wird das Ganze mit weit aufgenommenen Landschaftsaufnahmen, einige davon majestätisch in ihrer Kontrastierung des Menschen und seiner Mittel gegenüber der Natur: Eine meiner Lieblingseinstellungen war die in Sonnenlicht gebadete Schneeszenerie, in die während des Anstiegs der Helden Stück für Stück Ski-Spuren per Langlaufmanier eingestochen werden.

The Last King ist ein gut gelungener Abenteuerfilm, der seine Laufzeit nie überbeansprucht. Storyverläufe gehen zwar einen etwas zu erwarteten Gang, aber der Kern der Geschichte und seine filmische und inhaltliche Inszenierung bilden ein emotionales Ski-Paar, auf dem man sich als Zuschauer gern mittragen lässt.

The Last King ist ab dem 22. September auf Blu-ray und DVD erhältlich.

Deutscher Trailer:

Trailer und Beitragsbild: (c) Koch Media / *AffiliateLink

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