The Walking Dead Staffel 5 Folge 9 – „What Happened and What’s Going On“ (Spoiler-Alarm!)

Tommy 11. Februar 2015 4
The Walking Dead Staffel 5 Folge 9 – „What Happened and What’s Going On“ (Spoiler-Alarm!)

Nach einem Weihnachtsfest und Jahreswechsel ohne Rick & Co. geht es endlich mit der fünften Staffel von „The Walking Dead“ weiter. „What Happened and What’s Going On“ heißt die neunte Folge und sie setzt nahtlos nach dem Drama im Krankenhaus an. Die ersten Bilder stehen im Zeichen der Trauer und deuten durch die schnellen Schnitte an, dass Regisseur Greg Nicotero einen neuen Stil erprobt. Der Zuschauer kann vor dem Intro nur kurze Eindrücke gewinnen und sich lediglich ein vages Bild machen, da viele Szenen aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Ein durchaus experimenteller Charakter für die Serie.

Das Spiel mit der Erwartung

Eine Schaufel gräbt sich in einen Erdhügel, ein Blick aus einem fahrenden Auto zeigt die Sonne, die von vorbeiziehenden Bäumen verdeckt wird. Maggie und Noah, die emotional zusammenbrechen. Sphärische Musik spielt im Hintergrund und taucht die Szenerie in ein surreales Gewand. Ein starker Blaustich, der das Bild überblendet und gelblich-orangene Lichtschimmer, die an überbelichtete Fotos erinnern. Eine Predigt ist zu hören und im nächsten Augenblick sehen wir Gabriel, der sich mit der Gruppe um ein Grab versammelt. Sie nehmen Abschied von Beth.

Doch einige Bilder passen nicht zu dieser Deutung. Die Zeichnung einer heimeligen Holzhütte, die am Ende mit Bluttropfen bedeckt wird. Kinderfotos von Zwillingen. Ein Hauseingang, der bisher noch nicht zu sehen war. Eisenbahnschienen, ein halb verrottetes Skelett, die Kreidezeichnung einer lächelnden Sonne. Erst im weiteren Verlauf der Folge ergibt all dies einen Sinn. Wir sehen hier keinen Rückblick und nicht die Beerdigung von Beth. Es ist eine Vorschau. Und die Beerdigung von Tyreese.

Neue Hoffnung, neue Enttäuschung

Die Gruppe ist nach dem Verlust von Beth geschockt, orientierungslos. Eben noch gab es eine Art Aufbruchstimmung, da nach Terminus endlich wieder alle vereint sein würden. Jetzt müssen sie erneut jemanden betrauern und auch die Hoffnung um Eugene und ein Heilmittel wurde zerstört. In ihrer Ziellosigkeit machen sie sich auf den Weg nach Richmond, Virginia. Beth wollte Noah dorthin begleiten, wenn sie das Terrorregime des Krankenhauses hinter sich gelassen haben, da seine Familie dort lebt. Die Reise wird zu einer Geste für sie, da sie ihre Pläne nicht mehr umsetzen kann.

Die 500 Meilen bis Richmond verliefen offensichtlich ohne nennenswerte Ereignisse, denn wir springen sofort zur Ankunft in der Siedlung. Scheinbar hat die Gruppe ihre Lehren aus Terminus gezogen und teilt sich auf. Es kann selten schaden, eine Verstärkung als Trumpf ausspielen zu können. Es ist auffällig, das Maggie und Daryl kein Teil der Vorhut sind; vermutlich konzentrieren sich erst die nächsten Folgen auf sie und ihren Umgang mit dem Verlust von Beth. Als Rick, Michonne, Glenn, Tyreese und Noah in Richmond ankommen, finden sie alles vor wie erwartet. Die Siedlung wurde offenbar von Beißern überrannt; Leichen verwesen auf der Straße, wenn sie nicht umherwandern. Noah hatte die Hoffnung, seine Mutter und seine zwei Brüder wiederzusehen. Ein Blick genügt, um sich der Realität bewusst zu werden. Somit muss er den zweiten Verlust innerhalb kurzer Zeit verarbeiten.

Der Tod als Lehrgeld

Nachdem er von Tyreese wieder aufgebaut wurde, rennt Noah zu seinem Haus, um sich zu vergewissern, was mit seiner Familie geschehen ist. Bevor sie eintreten, klopft Tyreese an die Hauswand, um Beißer herauszulocken und sich nicht überraschen zu lassen. Und gerade wenn man denkt, dass Charaktere endlich begreifen, dass Wachsamkeit oberstes Gebot ist, folgt im Anschluss eine himmelschreiend dumme Aktion. Weil kein Streuner reagiert, gehen sie ins Haus, wo Noah sich im Wohnzimmer von seiner Mutter verabschiedet. Tyreese erkundet derweil alleine die anderen Zimmer und sieht unter dem Spalt einer verschlossenen Tür die Schatten eines Beißers. Bis hierhin alles in Ordnung. Doch als Tyreese anschließend das Kinderzimmer betritt, ist er so hypnotisiert von einem Foto, dass ein Streuner heranschleichen und ihn beißen kann. Selbst nach all der Zeit gibt es scheinbar immer noch geistige Ausfälle, die leider in der Regel eine tödliche Konsequenz haben. Wobei man auch erwähnen sollte, dass Beißer immer dann leise sein können, wenn es von Nöten ist.

Die Ästhetik im Sterben

So forciert und sinnlos dieses Ereignis auch herbeigeführt wurde, so gut wurde es anschließend umgesetzt. Wenn ein Charakter stirbt, passiert dies entweder plötzlich wie bei Beth oder die Gruppe verabschiedet sich von ihm wie bei Bob, wobei hier eher die Gefühle der Verbleibenden im Zentrum stehen. Tyreese muss jedoch selbst mit seinem Tod umgehen. Er halluziniert von verstorbenen Personen, von Martin, Bob, den Mädchen Lizzy und Mika, selbst der Governor darf erneut einen kurzen Auftritt hinlegen und Beth ein letztes Mal singen. Seine Einbildungen fungieren dabei als Sterbebegleiter und inneren Konflikt in einem. Sie reden auf ihn ein und sorgen entweder für Gewissensbisse oder versuchen ihn zu beruhigen. Martin hält ihm beispielsweise vor, dass er nicht in diese Welt passt, da er zu gutmütig sei und damit vielleicht für den Tod anderer verantwortlich war. Bob hingegen stellt Tyreeses Versuch da, sich mit der Situation abzufinden, denn es lief, wie es laufen musste, wie es vorherbestimmt war. Es fällt ihm dennoch schwer, sein Schicksal zu akzeptieren, er will gegen das Unvermeidliche ankämpfen und nicht aufgeben.

Als der Rest der Vorhut ihn erreicht, trennt Michonne ihm den Arm ab, um ihn wie Hershel zu retten, doch Tyreese kann den Blutverlust nicht verkraften. In seinen letzten Momenten ist der Zuschauer nah bei ihm. Wir sehen die Welt aus seiner Sicht, seine Gedanken sind sprunghaft und entfernen sich von der Gegenwart. Bilder von der hetzenden Gruppe, die ihn wegschaffen will, wechseln sich mit Szenen der Vergangenheit. Seine mordende Schwester Sascha, der Tod des kleinen Mädchens Lizzy, der auf ihn einprügelnde Rick. Die anfängliche Musik setzt wieder ein, wird von Lichtschimmer begleitet und taucht die Geschehnisse ins Surreale. Letztlich akzeptiert Tyreese seinen Tod und es hat den Anschein, als sei es für ihn eine Erlösung, diese Welt zu verlassen. Es war scheinbar kein Ort für einen Menschen wie ihn. Es lief, wie es laufen musste, wie es vorherbestimmt war.

Eine gute Rückkehr etwas vermasselt

Warum die emotionalen Momente mit Tyreese von einem zweiten Beißer unterbrochen werden mussten, erschließt sich mir nicht. Nur für den Schockeffekt, wenn sich der imaginäre Governor plötzlich in eine wandelnde Leiche verwandelt? Das hätte es nicht gebraucht. Auch die Tatsache, dass Noah den ersten Streuner mit einem Modellflugzeug ersticht, ist gefährlich nah am „jumping the shark“-Moment und wirkt zumindest lächerlich. Ohnehin hat das Ableben von Tyreese einen bitteren Beigeschmack, da er eine größere Rolle hätte spielen können. Er war eine der letzten moralischen Stimmen in einer zunehmend kälteren Gruppe. Vielleicht wollte man Wiedergutmachung leisten, indem man sich auf seinen Tod stärker konzentriert als bei anderen, aber letztlich wirkt es, als habe man ihn nur für den Effekt sterben lassen. Nach der Pause wollte man die Zuschauer wohl wieder einfangen und dies funktioniert noch immer am Besten, wenn jemand stirbt. Trotz der negativen Aspekte ist die Folge handwerklich hervorragend umgesetzt. Inhaltlich kann sie nicht ganz mit anderen Folgen mithalten, aber es ist angenehm zu wissen, dass die Serie auch neue Töne stimmig einbauen kann. Vielleicht hätte „What Happened and What’s Going On“ besser als Fillerfolge funktioniert, denn die Handlung wurde nicht wirklich vorangetrieben und gerade nach der Pause wäre es gut zu wissen, in welche Richtung die fünfte Staffel laufen wird. Gut, Washington ist das nächste Ziel und die neue Hoffnung, die Richmond nicht sein konnte, aber ansonsten passierte nicht wirklich viel. Das war aber immerhin grandios inszeniert.

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  • Ich fand die Folge sehr schön erzählt. Aber das dann dieser Tod am Ende herauskommen musste… Im Grunde hast du recht. Die Folge ist irgendwie überflüßig bzw. hat einen „Füllcharakter“, da die Neugierde – „Wie geht es nach dem Krankenhaus weiter?“ – kaum befriedigt wurde. Bin sehr zwiegespalten, da ich sie stilistisch schön fand und von der Art und Weise, wie sie erzählt wurde.

  • Ich fand die Folge sehr schön erzählt. Aber das dann dieser Tod am Ende herauskommen musste… Im Grunde hast du recht. Die Folge ist irgendwie überflüßig bzw. hat einen „Füllcharakter“, da die Neugierde – „Wie geht es nach dem Krankenhaus weiter?“ – kaum befriedigt wurde. Bin sehr zwiegespalten, da ich sie stilistisch schön fand und von der Art und Weise, wie sie erzählt wurde, aber mir der Charakter SEHR fehlen wird. Meh!

  • Martin

    Sehe das so ähnlich wie Du. Es gab starke Momente und eine eindringliche Erzählweise mit der beinahe schon gewohnt-lächerlichen Schleich-Attacke von Zombies und der unnötigen „Verwandlung“ des Governors. Schlecht ist, dass ein gut aufgebauter Charakter gehen musste – aber wie man das geschildert hat, hat sich neu, kreativ und ehrlich angefühlt.