Tabula Rasa: Kritik zur atmosphärischen Mystery-Serie

Mirjam Maier 25. April 2019 0
Tabula Rasa: Kritik zur atmosphärischen Mystery-Serie

Eine belgisch-deutsche Mystery-Serie, die im Irrenhaus spielt, und wieder mal ist jemand spurlos verschwunden. Die Protagonistin, die bei der Aufklärung des Falles helfen kann, leidet an Amnesie und die Polizei gerät unter Zeitdruck. Klingt wie schon etliche Male dagewesen? Zugegeben: die Elemente sind nicht wirklich neu, aber schließlich muss das Rad ja nicht zwangsläufig neu erfunden werden. Vor allem dann nicht, wenn ein so gelungenes Endresultat dabei herauskommt. Was Tabula Rasa so einmalig macht, erfahrt ihr in unserem Review!

Annemie D’Haeze (Veerle Baetens), kurz Mie, leidet nach einem Autounfall seit Monaten unter Amnesie. Meist kann sie sich nicht mehr an die Menschen erinnern, die sie einen Tag zuvor neu kennengelernt hat. Gleichzeitig ist sie die letzte Person, die mit dem vermissten Thomas De Geest (Jeroen Perceval) gesehen wurde. Doch eine Erinnerung an den Verschwundenen hat sie nicht. Mie ist in einer geschlossenen Anstalt untergebracht und wird für Inspektor Wolkers (Gene Bervoets) zur Hauptverdächtigen. Die junge Mutter versucht sich an die Ereignisse zu erinnern und diese Erinnerungen, die zeitlich drei Monate vor dem Verschwinden De Geests einsetzen, werden in Rückblenden erzählt. Somit nutzt Tabula Rasa zwei Zeitebenen, die perfide miteinander verwoben werden.

Dabei gelingt es den Macherinnen Veerle Baetens, die ihre Rolle der Mie mit sehr viel Authentizität und Leidenschaft verkörpert, und Malin-Sarah Gozin den Figuren Tiefgang zu verleihen. Wie die Familie mit dem Schicksalsschlag umgeht, welche Hilfsmittel Annemies Mann Benoit (Stijn Van Opstal) einsetzt, um Mie das Leben einfacher zu gestalten, Familiengeheimnisse sowie all die Hinweise aus den verzerrten Erinnerungen der jungen Frau, die zu Trugschlüssen verleiten, machen die Serie so spannend. Dabei spielt Tabula Rasa nicht mit Filmklischees einer Anstalt, sondern ist bemüht darum, ein der Wirklichkeit entsprechendes Bild der Einrichtung zu zeichnen. Auch erwähnt sei das alte Haus im Wald, das die Familie nach Mies Unfall bewohnt. Ein Labyrinth als Tapete, eine Sprechanlage, die Mie daran erinnert, die Türe zu schließen, eine große Tafel in der Küche für Notizen, seltsame Masken, eine dreibeinige Katze … So viele Details schmücken die Serie aus, die gerne auch als Horrorelemente dienen und für Gänsehaut sorgen. Denn ein konstant mulmiges Gefühl schwingt mit, wenn Mie allein im Haus oder im Wald unterwegs ist. Als Zuschauer erwischt man sich immer wieder dabei, vorhandene Puzzleteile zusammenzusetzen und dabei zu erkennen, welchen Personen Mie trauen kann und wen sie besser meiden sollte – ganz so, wie Mie es auch selbst versucht, nur dass man als Zuschauer nicht vergessen hat, was in der letzten Folge geschehen ist. Falls doch, hilft der Rückblick als Einstieg auf die Sprünge.

Wir kennen den Begriff tabula rasa als eine Bezeichnung für einen Neuanfang. Doch der Begriff ist so vielschichtig wie die Serie selbst. Ursprünglich meinte er eine wachsüberzogene Schreibtafel, die neu beschrieben werden kann. Die Philosophie hingegen bezeichnet damit die Seele in ihrem Ursprungszustand, rein und ohne Eindrücke der Außenwelt. Mit diesen Bedeutungen im Hinterkopf entstehen interessante Verknüpfungen mit der Figur der Annemie D’Haeze. Einziger Wermutstropfen ist die rasante Auflösung zum Ende hin. Hier wurde tunlichst vermieden, zu viele Hinweise zu geben, die auf ein solches Ende hinweisen, was schließlich etwas zu bemüht und konstruiert erscheint. Dennoch: Tabula Rasa weiß den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrechtzuerhalten und lebt von seinem Mix aus Mysterythriller-, Horror- und Dramaelementen.

Beitragsbild (c) Pandastorm Pictures

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Tabula Rasa: Kritik zur atmosphärischen Mystery-Serie

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