Batman v Superman (2016) Kritik: Ein chaotischer Augenschmaus

Ralf 26. März 2016 3
Batman v Superman (2016) Kritik: Ein chaotischer Augenschmaus

Ich liebe diesen Film. Ich bin über diesen Film enttäuscht. Tatsächlich ist Batman v Superman: Dawn of Justice (2016) von Regisseur Zack Snyder (unter anderem auch 300 oder Watchmen) in der Lage, diese beiden Gefühle in mir gleichzeitig hervor zu rufen. Denn auch wenn der Comic-Fan (besonders im Hinblick auf Batman) in mir diesen Film in den Himmel loben möchte, so gibt es doch auch noch meine Seite als Filmliebhaber. Und diese ist einfach nicht in der Lage, die teilweise groben Patzer zu ignorieren. Lohnt es sich dennoch, diesen seit dem 24.03.2016 veröffentlichten Kampf der Titanen anzusehen?  Mehr dazu in der folgenden Kritik.

Ein Genuss für die Augen

Kommen wir zu Beginn erst mal zu den positiven Aspekten von Batman v Superman: Dawn of Justice. Unbestritten muss man sagen, dass der Film unglaublich gut aussieht. Die Actionsequenzen sind grandios in Szene gesetzt, die Städte Gotham und Metropolis haben ihren individuellen Charakter und die Special Effekts sind durchgehend auf einem sehr hohen Niveau. Zack Snyder ist für seine visuell beeindruckenden Filme bekannt und auch dieser Superheldenfilm ist dabei keine Ausnahme. Speziell die Anfangsszene, in der man die Ereignisse aus Man of Steel (2013) aus Batmans Sicht nochmals erlebt, ist hierfür ein gutes Beispiel. Dieser Film schafft es in vielen seiner Szenen eine Vielzahl von Ereignissen unterzubringen und ein bombastisches Feuerwerk zu schaffen, ohne den Zuschauer visuell zu überladen.

Die grandiose optische Gestaltung setzt sich auch beim Charakterdesign durch, wobei das Hauptaugenmerk eindeutig auf Batman (Ben Affleck) und Wonder Woman (Gal Gadot) liegt. Superman, erneut von Henry Cavill gespielt, und sein Design wurden weitestgehend unverändert aus dem Vorgänger übernommen. Doch gerade bei den beiden neuen „Schwergewichten“ war man auf die Umsetzung ihrer Kostüme gespannt – und beide Male ist diese meiner Meinung nach sehr gelungen. Besonders Batmans Ausrüstung, von seinem Anzug bis hin zu den Fahrzeugen, wirken äußerst stimmig und passend zum Gesamtbild des Charakters.

Generell muss gesagt werden, dass Batman der eindeutig stärkste Charakters des Films ist. Ich gehe sogar so weit zu sagen: Ben Affleck ist für mich der beste Hollywood-Batman bisher! Dieser Film zeigt nämlich einen älteren und reiferen Batman, der gleichzeitig jedoch auch deutlich düsterer ist. Teilweise kann er dem Zuschauer sogar richtig Angst einjagen. Dies liegt auch daran, dass diese Version von Batman einen anderen moralischen Kompass als viele Vorgänger von ihm besitzt. Das wird einige Comicfans möglicherweise stören, für mich passt es aber gut in das Gesamtkonzept des Filmes hinein.

Auch die anderen Charaktere waren zum Großteil gut dargestellt, wobei ich Henry Cavill als Superman leider abermals etwas farblos empfand. Positiv überrascht haben mich aber besonders Gal Gadot (Wonder Woman ist ein totales Badass in diesem Film!) und Jeremy Irons, welcher die Figur des Alfred auf eine noch höhere Ebene bringen konnte. Dieser ist nämlich nun noch mehr zu einem Mentor und Gewissen von Bruce Wayne geworden, was besonders bei diesem nun sehr düsteren dunklen Ritter ein wichtiger Charakterzug ist. Doch leider konnte sich diese gelungene Charakterisierung nicht bei allen Figuren durchsetzen.

Dringend gesucht: Ein guter Schurke

Wer meine bisherigen Kritiken zu Superheldenfilmen kennt, dem ist auch meine Meinung zu den Bösewichten bekannt: Eine gute Comicverfilmung steht und fällt mit ihren Schurken. Und leider ist Batman v Superman: Dawn of Justice mit keinem guten Antagonisten gesegnet. Waren die Motivationen von General Zod im Vorgänger zumindest noch teilweise nachvollziehbar, so gelingt es diesem Film leider überhaupt nicht aus Lex Luthor Jr. (Jesse Eisenberg) einen überzeugenden Gegenspieler zu machen. Das liegt hauptsächlich daran, dass seine Motivation nie wirklich dargestellt wird. Natürlich kann man sie in einigen Szenen vermuten, jedoch gehen diese in der Masse der Eindrücke des Filmes deutlich unter. Dies hat zur Folge, dass seine Beweggründe im Dunklen bleiben und man sich oft genug einfach nur „Warum?“ fragen muss. Gegen Ende des Filmes wird außerdem noch ein weiterer Bösewicht dazu gebracht, zu welchem man keinerlei Bezug aufweist. Und auch wenn der daraus entstehende Kampf ohne Zweifel nur als episch bezeichnet werden kann – man ist als Zuschauer bei weitem nicht so gefesselt, wie es beispielsweise beim Joker aus The Dark Knight der Fall war.

Die Problematik mit fehlenden Hintergründen und Motivationen zieht sich übrigens durch den kompletten Film und ist meiner Meinung nach definitiv der größte Schwachpunkt. Der Film weist einfach eine unglaubliche Geschwindigkeit auf und rast teilweise von einer Szene zur nächsten. Das verwirrt jedoch den Zuschauer zunehmend, besonders wenn man eventuell nicht über Hintergrundwissen aus den Comics verfügt. Man fühlt sich mit der Zeit überanstrengt mit dem Tempo des Filmes Schritt zu halten und schaltet als Folge zwangsweise irgendwann ab. Und das ist schade, da damit die Gefahr steigt, einige der „Perlen“ dieses Filmes mit cleveren Anspielungen zu verpassen. Denn eines wird aus diesem Film deutlich – er soll hauptsächlich als Grundbasis für die Etablierung der Justice League dienen und dementsprechend viele Hinweise wurden bereits eingebaut. Schade, dass dabei vergessen wurde, den Film als eigenständiges Projekt abzurunden.

Fazit zu Batman v Superman: Dawn of Justice

Dieser Film ist ein visuelles Meisterwerk mit dem für mich bis dato besten Batman auf der großen Leinwand. Leider leidet Batman v Superman: Dawn of Justice unter seinen eigenen Ambitionen. Der scheinbare „Zwang“die folgenden Filme zu etablieren führte zu einer hektischen und oftmals anstrengenden Story, welche im Gesamtbild nicht rund erscheinen will. Insgesamt empfehle ich zwar, den Film im Kino anzusehen. Jedoch kann ich auch die Enttäuschung nicht verbergen, dass dieser Film deutlich besser hätte werden können. Der Comicfan in mir würde gerne mehr vergeben, doch als objektiver Kinogänger liegt mein Endfazit bei 3 von 5 Sternen.

Wie hat dir der Film gefallen? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

(c) Beitragsbild: Warner Bros. Pictures

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4 (80%) 14 votes

  • Also das Ben Affleck den bisher besten Batman darstellt, kann ich so nicht unterschreiben. Da hat die Nolan Trilogie m.E. unglaubliches geleistet. Sonst hast du aber Recht :)

    • Ralf

      Die Nolan-Trilogie als Gesamtwerk ist natürlich besser. Von der Leinwandpräsenz finde ich aber Ben Affleck deutlich imposanter und auch einschüchternder. Und genau das macht meiner Meinung nach Batman hauptsächlich aus :)

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