Kritik zu Ex Machina (2015): Der Schlüssel zum menschlichen Verstand

Nils 14. Februar 2015 1
Kritik zu Ex Machina (2015): Der Schlüssel zum menschlichen Verstand

Der Turing-Test ist ein vom britischen Informatiker Alan Turing 1950 entwickelter und nach diesem benannter Test, der den Vergleich zwischen einem Menschen und den intellektuellen Fähigkeiten künstlicher Intelligenz ermöglichen soll. Vereinfacht gesagt, basiert der Test auf der Konversation eines Menschen mit zwei unbekannten Gesprächspartnern.

Während beide Gesprächspartner den Teilnehmer davon zu überzeugen versuchen, dass sie ein denkender Mensch sind, handelt es sich bei einem der Gesprächspartner um einen Computer. Kann der Mensch nach einer gewissen Zeit den Computer nicht als solchen identifizieren, kann dem Computer – so Turing – ein dem Menschen ebenbürtiges Denkvermögen unterstellt werden.

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Illustration des Turing-Tests/ von Bilby CC0

Der Test ist eines der zentralen Elemente in Alex Garlands Regiedebüt „Ex Machina“. War es im griechischen Theater noch der Gott aus der Maschine (Deus ex machina), geht es im Film um den Geist aus der Maschine. Nathan (Oscar Isaac), der CEO von „Bluebook“ (einem dem Google-Konzern nicht unähnlichem Suchmaschinenbetreiber), will feststellen, ob die von ihm entwickelte künstliche Intelligenz in Form der menschenähnlichen Ava (Alicia Vikander) ein Bewusstsein hat und lädt zu diesem Zweck Caleb (Domhnall Gleeson), einen Programmierer des Unternehmens, in seine Villa in einem abgeschiedenen Reservat ein. Hier hat Nathan, der exotische Hipster mit Vollbart und notorische Trinker, die letzten Jahre als Eremit an der Entwicklung einer vollwertigen künstlichen Intelligenz gearbeitet. Nach einem ersten Kennenlernen mit dem unsicheren Caleb, der auf eine dramen-typische Vergangenheit zurückblicken muss, stellt Nathan diesem Ava vor: einen Cyborg, in Gestalt einer Frau, deren Äußeres bis auf Gesicht, Hände und Füße eindeutig als Roboter zu identifizieren ist. In sieben Tagen, die Caleb bei Nathan verbringt, soll dieser in als Sessions bezeichneten Konversationen mit Ava deren Intellekt testen und feststellen, ob man ihr ein Bewusstsein attestieren kann.

Isaac spielt den leicht klischeehaft wirkenden Silliconvalley-Steoreotyp, der trotz aller Technik auf kleine Klebezettel als Gedankenstützen zurückgreift, durchaus überzeugend: Durch die Entdeckung der Tatsache, dass Suchmaschinen nicht nur Aufschluss darüber geben was Menschen denken, sondern auch wie sie dies tun, konnte sich der sportliche Anfang-Dreißiger gegenüber seinen Konkurrenten durchsetzen und nutzt die Marktmacht seiner Suchmaschine „Bluebook“ zur Fütterung Avas mit menschlichen Verhaltensweisen, Denkmustern sowie Mimik und Sprache.

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Poster zu Ex Machina / Fair Use via wikimedia

Trotz einer gewissen Orientierungslosigkeit, mit der der Film von Zeit zu Zeit zu kämpfen hat, zeigt er auf eindrucksvolle Weise, was Menschen ausmacht: So ist eine dem Menschsein immanente Eigenschaft eben unter anderem auch die Verstellung und die Fähigkeit, falsche Tatsachen vorzutäuschen. Ebenso kommt nicht nur bei Caleb die Frage auf, wie der Mensch selber feststellen kann, dass er nicht nur ein Computer in menschlicher Gestalt ist, wenn selbst natürliche Instinkte wie Selbsterhaltungstrieb, Sexualität und Körperlichkeit perfekt simuliert werden können. Nicht zuletzt wird auch auf die Bedeutung und Macht von monopolistischen Suchmaschinen eingegangen – eine Thematik, die besonders in den letzten Jahren rasant an Bedeutung gewonnen hat.

Was als cooles Buddie-Movie beginnt, entwickelt sich schnell zu einem lebensgefährlichen Spiel der Manipulation und Täuschung. Der Film, der trotz fehlender Explosionen und Feuergefechte eine rasante Dynamik entwickelt und durch spannende Dialoge, die zugegebenermaßen etwas oberflächlich und zu sehr auf den Zuschauer ausgerichtet erscheinen, überzeugt, ist für ein nicht allzu kritisches Publikum und als erster Denkanstoß durchaus zu empfehlen. Seine Schwäche offenbart Garlands Werk vor allem zum Schluss: Das auf eine Fortsetzung ausgerichtete Ende wirkt zu sehr als Kompromiss und zeigt, dass eine konzeptionelle Richtung fehlt.

Kinostart in Deutschland ist der 23. April 2015.

stiller schreibt auf entirelysuperficial neben Filmkritiken auch über Philosophie sowie aktuelle Themen aus Politik, Gesellschaft und Pop-Kultur.

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