Game of Thrones Staffel 7, Folge 6 – „Jenseits der Mauer“ Kritik

Ralf 21. August 2017 2
Game of Thrones Staffel 7, Folge 6 – „Jenseits der Mauer“ Kritik

Wer es bisher geschafft hat, dem Leak von Folge 6 „Jenseits der Mauer“ zu entkommen (ich konnte leider Spoiler nicht vermeiden…) – den erwartet diese Woche eine zwiespältige Folge von Game of Thrones. Dabei hatte das Ende von Ostwacht eine spannende Prämisse gesetzt, in welcher Jon (Kit Harrington) sich mit einer kleinen Gruppe Todesmutiger nördlich der Mauer auf die Suche nach den Weißen Wanderern macht. Leider kann Folge 6 der siebten Staffel den Erwartungen nicht ganz gerecht werden, da sich innerhalb der Episode einige Logikfehler bemerkbar machen.

Auch wenn ich wieder auf Details verzichten werde: Eine Spoilerwarnung für „Jenseits der Mauer“ ist angebracht. Es wäre doch zu schade, wenn man dem Leak entkommen ist, um sich die Episode dann von dieser Kritik ruinieren zu lassen.

Die Pen-&-Paper-Gruppe im Norden

Generell fängt „Jenseits der Mauer“ vielversprechend an. Die bunt zusammengewürfelte Gruppe aus Jon, einigen Wildlingen, der Bruderschaft und weiteren Charakteren erfreut den Zuschauer mit qualitativem Charakterspiel. Besonders der Dialog zwischen Tormund (Kristofer Hivju) und dem Bluthund (Rory McCann) konnte mir ein breites Grinsen entlocken – bitte mehr Szenen solcher Art! Auch das Gespräch zwischen Jon und Jorah (Iain Glen) über den Besitz von Langklaue konnte überzeugen, da es die individuellen Geschichten der Figuren wunderbar aufgreift.

Schnell entwickelt sich dieser Ausflug aber in die Richtung, welche zu erwarten gewesen ist. Schließlich befindet man sich im Feindesland auf der aktiven Suche nach dem Gegner, welcher nicht lange auf sich warten lässt. Die Action und Kämpfe dieser Episode bieten die gewohnte Game of Thrones-Qualität und einige Anspannung. Die Serienschöpfer verstehen es wieder geschickt, die lieb gewonnenen Charaktere in brenzlige Situationen zu bringen, sodass man als Zuschauer an den Fingernägeln kauen muss. Gemeinsam mit einer atmosphärischen Choreographie und imposanten Effekten erhält man hier Szenen von Leinwandniveau.

Die Nacht ist dunkel und voller Handlungslücken

Leider fällt diese Folge dafür dramaturgisch ab. Dies zeigt sich besonders beim Aufbau der großen Konfrontation an einem Aspekt, der diese Staffel vielfach auffällt – der Irrelevanz von Zeit und Raum. Generell konnte ich bisher gut darüber hinwegsehen, dass ganze Landstriche innerhalb von wenigen Minuten durchquert wurden, da Game of Thrones damit an Fahrt gewann. Auch die scheinbar teleportierende Flotte von Euron Graufreud (Pilou Asbæk) zu Beginn dieser Staffel war für mich kein großes Problem, da es für mich sein Können als Seeräuber darstellen konnte.

Doch in dieser Folge stört es entschieden den Fluss der Handlung und die Dramatik. Die Gruppe findet sich in einer misslichen Lage wieder, aus welcher sie (aus welchen Gründen auch immer?) scheinbar nur Daenerys befreien kann. Dumm nur, dass diese weiter südlich auf ihrer Festung geblieben ist und damit scheinbar außer Reichweite ist. Aber halt – dafür gibt es doch Raben, welche in Westeros scheinbar so schnell wie Tweets in unserer Zeit sind.

Generell habe ich wie gesagt kein Problem mit Zeitraffern. Hier zerstören sie aber die Logik der Handlung, da die Bedrohung für die Helden and Bedeutung verliert und Daenerys Hilfe nur mit der Geschichte argumentiert werden kann und nicht in die Gesetze der Serie passt.

Und bzgl. dieser Logikfehler gibt es leider einige in der Folge. So entpuppen sich beispielsweise im Laufe der Folge Eisgeschosse als eine mächtige Waffe des Nachtkönigs – warum setzt er diese nicht direkt gegen die Gruppe ein? Warum taucht gegen Ende der Folge wieder ein Charakter vollkommen aus dem Nichts auf, ohne dass er jemals in den letzten Folgen auch nur angedeutet wurde?

Die Summe dieser Kleinigkeiten schafft es damit leider die wunderbare erste Hälfte zu trüben.

Wenn keiner die Stark-Schwestern tötet, dann tue es ich!

Und kommen wir dann doch direkt zu meinem liebsten Kritikpunkt: Die Handlung in Winterfell und der Konflikt zwischen Sansa (Sophie Turner) und Arya (Maisie Williams). Sind die beiden nach all den Ereignissen bisher echt so dumm, auf Kleinfingers (Aidan Gillen) Tricks reinzufallen? Bei Sansa könnte ich es noch einsehen, doch die Richtung, welche Arya in den letzten Folgen einschlägt, passt überhaupt nicht zum Charakter. In der heutigen Folge wirkte sie – gelinde gesagt – wie ein reiner Psychopath.

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Dies empfinde ich tatsächlich als das größte Manko der bisherigen Staffel, da der gesamte Handlungsstrang erzwungen und unnötig wirkt. Gerade im Hinblick auf die wahre Bedrohung im Norden (Eiszombies, wir erinnern uns?) und im Süden (wahnsinnige Königin, da war auch etwas?) erscheint es unlogisch, dass sich die beiden Schwestern gegenseitig so zerfleischen. Ich hoffe, dass dies bald endet.

Bist du heute nicht gestorben….

Gehen wir zum Ende noch kurz auf meine Vorhersage der letzten Folge ein. Hier versuchte ich zu schätzen, wer diese Folge überleben wird oder nicht. Insgesamt bin ich nicht unzufrieden mit meinem Ergebnis. Ein Volltreffer war zu verbuchen, 4 mehr oder weniger richtige Vorhersagen, aber leider auch zwei Nieten. Dafür erleben wir einen Tod, in dieser Folge, der nicht vorherzusehen war (außer man wurde gespoilert…) und für einige als ziemlicher Schock kommen dürfte.

Und auch die Schlussszene der Episode lässt nichts Gutes vermuten. Übrigens musste ich hierbei sehr stark an einen Trailer für die World-of-Warcraft Erweiterung „Wrath of the Lich King“ denken. Diesen findet ihr zum Vergleich hier unten – nicht ansehen, wenn ihr keinen Spoiler riskieren wollt!

Trailer (c) Blizzard

Fazit zu Staffel 7, Folge 6 „Jenseits der Mauer“

Nach einem guten Einstieg kann „Jenseits der Mauer“ leider die hohen Erwartungen an diese Folge nicht erfüllen. Grund dafür sind einige Logikfehler in der Handlung, welche beim Zuschauen andauernd auftauchen. Ebenso erreicht der Schwesterkonflikt in Winterfell ein Niveau, welches nur noch als idiotisch bezeichnet werden kann. Gerettet wird diese Folge durch ihre starke Choreographie und umwerfenden Szenen und Bilder.

Die siebte Staffel von Game of Thrones ist in Deutschland unter anderem via Sky oder kostenpflichtig auf Amazon zu sehen – neue Folgen erscheinen immer am Montag. Den letzten Trailer von HBO findet ihr unten.

Beitragsbild & Trailer (c) HBO / *AffiliateLink

Alle Kritiken zu Game of Thrones Staffel 7 bei filmverliebt

Episode 1: Drachenstein

Episode 2: Sturmtochter

Episode 3: Die Gerechtigkeit der Königin

Episode 4: Kriegsbeute

Episode 5: Ostwacht

  • gadgeTina

    Joar … was soll ich nun dazu schreiben?
    Ich hatte mich schon sehr auf die Episode gefreut. Gelten die Vorletzten doch immer als Höhepunkt und mit Hardhome und dem Battle of Bastards ist D&D das in den letzten beiden Staffeln ja auch wirklich herausragend gelungen. Aber diese Episode …
    Lassen wir die Reisegeschwindigkeiten mal außen vor. Das ist ja alles nichts Neues und dank Littlefinger wissen wir ja schon lange, dass in Westeros offensichtlich teleportiert werden kann. Ich bin auch eigentlich kein so arg kritischer Zuschauer, aber hier musste ich mir doch einige Male an die Strin klatschen:
    Warum bietet Jon in dieser Gefahren-Situation sein Schwert an? Ja, es wäre ehrenwert von ihm, aber sie laufen direkt ins Zentrum der Gefahr und es ist die Waffe, die ihm vertraut ist, und mit der er ganz hervorragend umgehen kann.
    Warum laufen die anderen Glorreichen 6 in eine ganz andere Richtung als Gendry? Sie haben den Wight und müssen in die gleiche Richtung!
    Och Sandor, nö! Keine Steine werfen! Aber warum trauen die sich eigentlich nicht ins Wasser? Sandor hatte ja später einen Wight mit dem Hammer in ein Eisloch befördert und der kam aber dann auch wieder raus, um Tormund reinzuziehen.

    Gut fand ich die Szene zwischen Dany und Jon (obwohl ich kein Fan dieser Paarung bin, wirklich nicht) … das hatte schon was rührendes. Nur den verbalen Kniefall hätte er sich sparen können. Aber das ist wohl der Bemerkung von Tormund zu Anfang der Folge geschuldet.

    Zu Winterfell muss ich noch sagen, dass es mich ziemlich nervt, dass Littlefinger da immer noch rumhängt. Aber gut. Ich bin allerdings gespannt, was da nun noch passiert. Ich denke ja, dass es für ihn nun endgültig gelaufen ist. Arya hat Sansa mit ihrem Vortrag sehr genau erklärt, wozu sie in der Lage ist. Indem sie ihr zum Schluss den Dolch gibt, hat sie ihr ein Angebot gemacht. Die Entscheidung liegt nun bei Sansa. Sie weiß nun, wie sie Littlefinger beseitigen kann, und muss sich dafür nicht einmal selbst die Finger schmutzig machen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir den Dolch in der nächsten Episode wieder im Besitz der jüngeren Schwester sehen werden.

    Eine Frage: Hast du die Bücher gelesen?
    LG, Tina

    • Ralf

      Hallo Tina,

      vielen Dank für Deinen Kommentar, den ich sehr gerne gelesen habe :)

      Ja, die Bücher habe ich in der Tat bereits vor einigen Jahren gelesen. Jedoch versuche ich das inzwischen zu „ignorieren“ – seit der dritten Staffel entfernen diese sich ja immer weiter von der Serie und ein Vergleich ist für mich auch ungerecht. Worldbuilding ist in einem Buch ja deutlich besser zu gestalten als in einer solchen Serie.

      Beste Grüße, Ralf